Wolfgang Kulterer: Gericht spricht Ex-Chef der Skandalbank Hypo Alpe frei

Wolfgang Kulterer
Gericht spricht Ex-Chef der Skandalbank Hypo Alpe frei

Das große Aufräumen bei der Kärntner Skandalbank Hypo Alpe Adria ist vorerst gescheitert. Am Dienstag sprach ein Schöffengericht Ex-Chef Kulterer vom Untreue-Verdacht frei. Eine herbe Niederlage für Österreichs Justiz.
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WienAm Ende hat Wolfgang Kulterer dann doch recht behalten. "Ich bin überzeugt davon, dass wir alle Vorwürfe widerlegen können", sagte der frühere Vorstandsvorsitzende der Hypo Alpe Adria vor vier Wochen zu Beginn seines Strafprozesses in Klagenfurt. Und tatsächlich: Am Dienstag sprach ihn das Kärntner Schöffengericht vom Verdacht der Untreue frei. Für Kulterer ist das ein wichtiger Sieg, auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Für Österreichs Justiz ist der Richterspruch eine große Niederlage, sollte doch mit dem ersten Prozess gegen den früheren Vorstandschef das große Aufräumen bei der Skandalbank beginnen.

Das Verfahren gegen den 57-jährigen Bankmanager stand aus Sicht der Staatsanwälte von Beginn an unter keinem besonders günstigen Stern. Vor dem Gericht in Kärnten ging es gar nicht um den großen Milliarden-Skandal, der die frühere BayernLB-Tochter in die Schieflage und damit fast zum Bankrott geführt hätte - wäre vor gut einem Jahr nicht der österreichische Staat als Retter eingesprungen.

Die Klagenfurter Staatsanwälte hatten Kulterer vorgeworfen, dass er einen Firmenkredit über gerade einmal zwei Millionen Euro an die kleine österreichische Fluggesellschaft "Styrian Spirit" ohne ausreichende Prüfung bewilligt und damit letztlich Untreue gegenüber der Bank begangen habe. Wenige Wochen nach der Überweisung des Kredits rutschte die kleine Airline in die Pleite, und das Geld der Hypo Alpe Adria war damit verloren. In seinem Schlussplädoyer am Dienstag wiederholte Staatsanwalt Andreas Höbl noch einmal den Vorwurf gegen Kulterer, er habe in diesem Fall vorsätzliche Untreue begangen.

Kulterer hat sich jedoch erfolgreich gegen diesen Vorwurf gewehrt. Er betonte immer wieder, dass er den Kredit an die Airline nach ordentlichen Kriterien geprüft habe und deshalb auch auszahlen durfte. Eine Pleite von "Styrian Spirit" sei deshalb nicht zu erwarten gewesen, weil das Land Kärnten über eine Tochtergesellschaft an der Airline beteiligt war.

Kulterer zeigte sich nach dem Richterspruch extrem erleichtert, sein Anwalt Ferdinand Lanker sprach gleich von einem "Sieg der Gerechtigkeit". Der Strafverteidiger hatte während des Verfahrens immer wieder den Vorwurf erhoben, dass mit dem Prozess ein Exempel statuiert werden solle. In der österreichischen Politik und in der Öffentlichkeit sei der Druck immer größer geworden, dass es in Sachen Hypo Alpe endlich einmal eine Verurteilung geben müsse.

Staatsanwalt Andreas Höbl blieb nach der Entscheidung des Gerichts nichts anderes übrig, als sofort die Berufung anzukündigen. Dieses erste Verfahren sollte aus Sicht der Staatsanwälte eigentlich nur der Auftakt für weitere, viel gewichtigere Prozesse mit höheren Schadenssummen gegen Kulterer sein. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Ermittler nach dem ziemlich blamablen Ausgang in diesem kleinen Verfahren schnell der Mut verlassen hat.


Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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