Wolfgang Mayrhuber
Sie hassen und sie lieben ihn

Der scheidende Lufthansa-Chef bereitet seine zweite Karriere vor: Er soll die Großbank UBS vor unangenehmen Überraschungen bewahren. Der nüchterne Analytiker aus Österreich ist vielleicht genau das, was das Geldinstitut derzeit braucht.
  • 2

FRANKFURT. Jetzt also Mayrhuber. Der aufrechte Ingenieur und gewiefte Taktiker soll in den Verwaltungsrat der unter der Last von Steuervergehen und Subprime ächzenden und taktisch verunglückten Schweizer Großbank UBS einziehen. Am 14. April kommenden Jahres sollen die Aktionäre den Lufthansa-Chef wählen, wünscht sich die UBS, wie sie gestern mitteilte.

Die Bank knüpft damit an eine Zeit an, da war ihr Verwaltungsrat vor allem eines: prominent. Da ragten Köpfe heraus wie der des Weltklasse-Seglers und Ex-Industriellen Ernesto Bertarelli, der sich nach dem Verkauf seiner Anteile an der familieneigenen Biotech-Firma vor allem auf sein Hobby verlegt hatte. Oder der von Sergio Marchionne, der zwar schmückende Pullover trägt, vor allem aber Fiat derzeit tatsächlich hilft. Oder Peter Voser, im Hauptberuf Konzernchef bei Royal Dutch Shell, aber nebenberuflich UBS-Verwaltungsratsmitglied.

Dann kam Subprime, und bei einer Sitzung, zu der Segler Bertarelli an die windreiche Küste von Valencia eingeladen hatte, wurde offenbar, wie ahnungslos der Verwaltungsrat einer der weltgrößten Banken bisher agiert hatte. Mehrere Generationen von Vorständen mussten gehen. Schließlich kam mit dem, den alle "Ossi" nennen, ein Aufräumer. Oswald Grübel, ehemals Credit Suisse, trat an und erklärte unter anderem Folgendes: Für Ersatz bei abtretenden Verwaltungsräten wünsche er sich solche, die das Bankengeschäft verstehen und unter Umständen schon darin tätig waren. "Es gab ja mal eine Periode, da schrie man nach total unabhängigen Leuten, die möglichst branchenfremd waren. Das war eine Fehlentwicklung", stellte Grübel fest.

Und nun kommt Wolfgang Mayrhuber. Die Schweizer kennen ihn und hassen ihn und lieben ihn. Er hat ihnen die Swiss entrissen und in sein Reich einverleibt. Das tat weh. Aber seither geht es der Swiss prächtig. Inzwischen sogar etwas besser als der Lufthansa. Das tut gut aus Berner Sicht.

Seite 1:

Sie hassen und sie lieben ihn

Seite 2:

Kommentare zu " Wolfgang Mayrhuber: Sie hassen und sie lieben ihn"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist je nett, daß das Handelsblatt dem Herrn Mayrhuber so was nettes schreibt. Da wird er sich freuen. Sie hätten vielleicht noch ein bißchen deutlicher machen können, daß er auch privat ein ganz toller Mensch ist.

  • eigenartiger artikel/war bei der lufthansa nicht
    auch ein hr.weber beschäftigt, der seine agende
    im besten zustand übergeben hat ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%