Wolfgang Porsche
WoPos zweiter Frühling

Wolfgang Porsche zog bisher meist im Hintergrund für die Unternehmerfamilie die Fäden. Jetzt rückt der 64-Jährige immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und steigt zum mächtigsten Mann der Autodynastie auf. Das muss selbst Ferdinand Piëch akzeptieren.

STUTTGART/FRANKFURT. Er sitzt in der ersten Reihe vor dem Podium. Dort, wo die Plätze für Ehrengäste wie MAN-Chef Håkan Samuelsson reserviert sind. Das Einstecktuch wie immer akkurat gefaltet in der Brusttasche des Jacketts, die grauen Haare nicht minder akkurat gekürzt. Die Krawattennadel sitzt.

Wolfgang Porsche, den man in der Porsche-Zentrale in Zuffenhausen gerne WoPo nennt, kommt wie immer überpünktlich. Aber entspannt wie ein Universitätsstudent vor einer Vorlesung lehnt er sich an die Kante des hochgeklappten Sitzes im Hamburger Kongresszentrum. Dann lauscht der 64-Jährige den Worten seines Cousins Ferdinand Piëch, der kurz nach zehn Uhr die Hauptversammlung von Volkswagen eröffnet.

Die große Bühne gehört seit je seinem Cousin, der schon Audi und später den gesamten Volkswagen-Konzern führte und mit 71 Jahren an der Spitze des Aufsichtsrates von VW steht. Piëch wird in der Öffentlichkeit als treibende Kraft des Einstiegs von Porsche bei VW gesehen. Ihm wird die Mission zugeschrieben, eine neue automobile Großmacht vom Supersportwagen bis zum 40-Tonner aufbauen zu wollen.

Doch Wolfgang Porsche tritt immer mehr aus dem Schatten des Ingenieurs. Spätestens seit der Doktor der Handelswissenschaft Anfang 2007 an die Spitze des Porsche-Aufsichtsrats aufstieg, ist er in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Zwei Hauptversammlungen hat er bei Porsche bereits geleitet – souverän, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Da übergibt er die Leitung seinem verdutzten Stellvertreter, Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, mal mit den Worten: „Können Sie mal kurz weitermachen?“

Gestern in Hamburg bei der VW-Hauptversammlung sitzt er dagegen noch nicht auf dem Podium. Zum letzten Mal: Denn das Oberhaupt des Porsche-Clans, der rund 53 Prozent an dem Stuttgarter Sportwagenbauer hält und damit mehr als die Familie Piëch, will sich auf dem Aktionärstreffen als vierter Porsche-Vertreter in den VW-Aufsichtsrat wählen lassen. Der gebürtige Stuttgarter wird dort Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer ablösen, der das Kontrollgremium auf eigenen Wunsch verlässt.

Wolfgang Porsche, der am 10. Mai seinen 65. Geburtstag feiert, gibt in einem Alter, in dem andere in Rente gehen, noch einmal richtig Gas. In der Porsche-Zentrale ist er in seinem Büro häufig zu sehen. Er nimmt sein Aufsichtsmandat sehr ernst, bereitet sich akribisch auf die Sitzungen vor.

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