Wolfgang Reitzle bei Linde
Der Erfolgsgarant kehrt zurück

Wolfgang Reitzle kehrt zu Linde zurück. Der langjährige Chef des Industriegasekonzerns soll die Leitung des Aufsichtsrats übernehmen. Ein weiteres Amt gibt Reitzle dafür auf.

MünchenDer langjährige Linde-Chef Wolfgang Reitzle soll seinem unter Druck geratenen Nachfolger Wolfgang Büchele auf die Finger schauen. Der engste Führungszirkel will den 66-Jährigen als Aufsichtsratschef zurück in den Münchner Industriegasekonzern holen, wie Linde am Montag mitteilte. Unmittelbar nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Abkühlphase von zwei Jahren solle die Hauptversammlung den ehemaligen Linde-Chef im Mai in das Kontrollgremium wählen, dessen Vorsitz er anschließend übernehmen solle.

Darauf verständigte sich der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Schneider, der seinen Platz räumen will, mit dem früheren Allianz-Boss Michael Diekmann und dem Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach. Die drei einflussreichen Manager bilden den Nominierungsausschuss des Linde-Aufsichtsrats und wollen diesem einen entsprechenden Wahlvorschlag für die Aktionäre unterbreiten, die sich am 3. Mai in München treffen.

Um Zeit für die neue Aufgabe zu haben, schmeißt Reitzle nach nicht einmal einem Jahr seinen Posten als Verwaltungsratspräsident beim Zementriesen LafargeHolcim hin.

Reitzle war im Mai 2014 nach elf Jahren an der Spitze abgetreten. Mit einer makellosen Erfolgsbilanz: Unter seiner Führung hatte sich der Umsatz verdoppelt und der Gewinn versechsfacht. Reitzle galt viele Jahre als einer der erfolgreichsten Manager Deutschlands.

Nach dem Abschied bei Linde aus Altersgründen baute der bestens verdrahtete Reitzle die Zahl seiner Mandate in anderen Konzernen aus. Der mit der Fernseh-Moderatorin Nina Ruge verheiratete Manager ist Verwaltungsratschef des Zementriesen Lafarge-Holcim und Aufsichtsratschef des Autozulieferers Continental. Er sitzt auch in den Kontrollgremien des Medienkonzerns Axel Springer und des Weinhändlers Hawesko. Im August heuerte er bei der US-Investmentbank Perella Weinberg an. Auch als möglicher Aufsichtsratschef von Volkswagen war der frühere BMW-Vorstand Reitzle zeitweise im Gespräch.

Sein Nachfolger Wolfgang Büchele hatte zwar einen gut aufgestellten Konzern, aber keine leichte Aufgabe übernommen. Der frühere BASF -Manager, der den Linde-Chefposten im Mai 2014 von Reitzle übernommen hatte, enttäuschte die Anteilseigner wiederholt. Zuletzt kippte er im Herbst zum zweiten Mal binnen Jahresfrist seine mittelfristige Geschäftsprognose.

Unerwartet stark trafen den Konzern die weltweit lahmende Industriekonjunktur, schlechtere Preise im Medizingeschäft und die Folgen des niedrigen Ölpreises. Bereits ein Jahr zuvor hatte Büchele den bis 2017 geltenden Ausblick zusammengestrichen, den ihm Reitzle hinterlassen hatte. Seit Bücheles Amtsantritt ist der Aktienkurs von rund 150 Euro auf 120 Euro abgesackt.

Einer von Reitzles engsten Weggefährten kehrte bereits zum Jahreswechsel auf seinen früheren einflussreichen Posten bei Linde zurück: Harry Roegner, der Reitzle viele Jahre als Sprecher begleitet hatte, löste überraschend Bücheles Vertrauten Ulrich Porwollik als Kommunikationschef des Konzerns ab.

Wie zuvor Roegner verlässt nun auch Reitzle LafargeHolcim. Als Nachfolger beim Konzern aus Zürich ist sein gegenwärtiger Vize Beat Hess gesetzt. Der 1949 geborene Schweizer war zuvor unter anderem Chefjurist beim Elektrokonzern ABB und beim Ölmulti Shell.

Am Montagnachmittag wurde bekannt, dass Reitzle sein Amt bei Lafarge-Holcim nach nicht einmal einem Jahr wieder abgibt. Der Deutsche trete auf der Generalversammlung im Mai nicht mehr zur Wahl an, teilte das Unternehmen mit. Als Nachfolger schlage der Konzern Reitzles gegenwärtigen Vize Beat Hess vor.

Der Rückzug kommt für den Konzern zur Unzeit. Lafarge-Holcim wurde im vergangenen Juli aus der Taufe gehoben, seither rumort es im Konzernhauptsitz in Zürich und die Aktie hat fast die Hälfte an Wert eingebüßt. Reitzle war maßgeblich daran beteiligt, dass die Fusion nicht scheiterte und wurde als Vertreter der ehemaligen Holcim-Eigner in der Spitze des neuen Unternehmens gesehen.

Axel Höpner
Axel Höpner
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