Wolfgang Ziebart
Warten auf den Befreiungsschlag

Ein Jahr nach Amtsantritt hat Wolfgang Ziebart Infineon immer noch nicht aus den roten Zahlen herausgeholt. In den letzten drei Quartalen, für die Ziebart voll verantwortlich ist, lief unterm Strich ein Verlust von 212 Millionen Euro auf.

DÜSSELDORF. An der Präsentation der neuen Notebooks von Sony am vergangenen Dienstag im Münchener BMW-Pavillon hätte Wolfgang Ziebart seine Freude gehabt. Nicht nur, weil in dem Glasbau gegenüber der Bayerischen Börse gerade die neuen 3er-BMWs gezeigt werden – eine Modellreihe, für die er in seinem früheren Job beim Münchener Autobauer jahrelang zuständig war.

Nein, dem Infineon-Chef hätte eines besonders gefallen: Gleich mehrmals hoben die Sony-Strategen hervor, dass in ihren schicken Taschencomputern die hoch modernen Chips des Münchener Halbleiterherstellers stecken. Seit Ziebart bei Infineon an Bord ist, stand die frühere Siemens-Tochter selten einmal öffentlich in einem günstigen Licht. Im Gegenteil: Seit seinem Amtsantritt am 1. September vergangenen Jahres muss der ehemalige Conti-Manager einen Brandherd nach dem anderen löschen. Einmal belasten Prozesse mit horrenden Schadensersatzforderungen den Konzern, dann bricht der Handy-Absatz des wichtigsten Kunden Siemens ein und Ende Juli muss sogar noch Speicherchip-Vorstand Andreas von Zitzewitz wegen eines Bestechungsskandals gehen.

Hinzu kommen tiefrote Zahlen: In den letzten drei Quartalen, für die Ziebart voll verantwortlich ist, lief unterm Strich ein Verlust von 212 Millionen Euro auf. Es war kein leichter Start für den promovierten Maschinenbauingenieur. „Ich hätte mir gewünscht, die Restrukturierung in einem freundlicheren Umfeld zu machen“, sagte der 55-Jährige einmal bei einem seiner wenigen Auftritte vor der Presse. Mehr lässt sich der Niedersachse zu seiner persönlichen Bilanz nach einem Jahr Infineon nicht entlocken.

Genauso zurückhaltend ist Ziebart, wenn es um die Zukunft des zweitgrößten europäischen Chipproduzenten steht. „Sicher habe ich eine Vorstellung, wo es mit Infineon hingeht“, sagt der gebürtige Hannoveraner gerne mit einem verschmitzten Lächeln, „aber die erfahren sie von mir nicht.“ Mehr als sein Bekenntnis, Infineon dauerhaft profitabel zu machen, lässt sich Ziebart nicht entlocken.

Lange wird der Manager, dessen Vater den Friedrichshafener Autozulieferer ZF führte, nicht mehr schweigen können. Denn der Druck wächst mit jedem Quartal, in dem Infineon mit Verlust abschließt. Die Aktionäre, die seit Jahren über einen niedrigen Kurs murren, wollen endlich eine Perspektive sehen. Seit Monaten wird deshalb über eine Zerschlagung des Chipkonzerns spekuliert. Nur: Ziebart selbst äußert sich mit keinem Wort dazu.

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