Wulf von Schimmelmann
Ein überzeugter Banker geht nun segeln

Am zurückliegenden Rosenmontag, zu seinem 60. Geburtstag, hat sich der Bayer Wulf von Schimmelmann ein letztes Mal als Postbank-Chef feiern lassen: Er will sich ins Privatleben zurück ziehen. Fragt sich, was Schimmelmann mit seiner neu gewonnenen Freiheit machen wird.

FRANKFURT. Zwar pfiffen es die oft bemühten Spatzen schon lange von den Frankfurter Banktürmen, dass Wulf von Schimmelmann vor dem Rückzug ins Privatleben stehe. Aber dieses Ereignis wollte er sich offenbar nicht nehmen lassen. Immer korrekt mit einem zur Krawatte passenden Einstecktuch gekleidet, gilt Wulf Freiherr von Schimmelmann - so sein voller Name - als großer Fan solcher Anlässe.

Der als Unternehmensberater bei McKinsey gestartete Bayer hatte sich in Frankfurt vor allem als Vorstand bei der genossenschaftlichen DG Bank (heute DZ Bank) und der BHF Bank einen Namen gemacht, bevor er 1999 nach Bonn wechselte. Er trimmte den ehemaligen Staatsbetrieb auf Kapitalmarkttauglichkeit und brachte sein Baby - wenn auch unter Mühen - 2004 an die Börse. Damals, als die Deutsche Bank an einer Übernahme interessiert war und die Analysten den Wert des Konzerns herunterredeten, galt er als wichtigster Verfechter einer Eigenständigkeit des Instituts. Der Börsengang war alles andere als ein Kinderspiel. Der Marketingname "P-Aktie" war plötzlich nicht nutzbar, weil er zu sehr an die "T-Aktie" der Deutschen Telekom erinnerte. Die Alternative "Aktie Gelb" überzeugte nicht. Dann musste kurzfristig auf Druck der Investoren das Ausgabevolumen und der Preis gesenkt werden. Dadurch verzögerte sich die Mitgliedschaft im Deutschen Aktienindex (Dax) um rund zwei Jahre. Die Startschwierigkeiten sind längst ausgebügelt - der Kurs der Postbankaktie hat sich seither verdoppelt.

Zu den Leistungen Schimmelmanns als Postbankchef gehört die Reorganisation der Bank und der Umgang mit dem Erbe des Staatsbetriebs mit seinem hohen Anteil unkündbarer öffentlicher Angestellter und Beamter. Viele von diesen arbeiten heute in der Transaktionsbank, wo mit hohem Personalaufwand die Überweisungsträger auch der Dresdner Bank und der Hypo-Vereinsbank gesammelt, sortiert und wenn nötig korrigiert werden. So wurde praktisch aus der Not eine Tugend gemacht, auch wenn dieser Bereich der Bank sicher nicht zu den profitabelsten gehört.

Fragt sich, was Schimmelmann mit seiner neu gewonnenen Freiheit machen wird. Der Golfer und Segler dürfte sich häufiger in seinem Haus in Südfrankreich aufhalten, nachdem sein Domizil auf den Bahamas zuletzt mehrfach von Hurrikans heimgesucht wurde. Einen lukrativen Beratervertrag dürfte er aber auch nicht ausschlagen.

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