Xavier Niel
Robin Hood der Netze

Xavier Niel nervt die Konkurrenz seit Jahren mit günstigen DSL-Angeboten seiner Firma Free. Jetzt dürfte der 42-jährige Selfmade-Milliardär den Zuschlag für die vierte Mobilfunk-Lizenz in Frankreich erhalten – und die Tarife gleich halbieren. Die Rivalen schäumen.
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PARIS. Er ist schüchtern, spricht leise und meidet öffentliche Auftritte. Er fährt lieber U-Bahn als einen Dienstwagen. Er hat nie eine Universität und schon gar nicht eine der Grandes Ecoles besucht. Sein dunkles Haar hat er fein säuberlich nach hinten gekämmt, wo es fast seine Schultern erreicht. Und er sagt Sätze wie: „Ich arbeite nur noch für das Vergnügen.“

Er ist der Schrecken von Frankreichs Telekom-Establishment und pflegt sein Image: Xavier Niel, Gründer und Großaktionär von Iliad, Mutter der Marke Free, dem zweitgrößten Internet-Anbieter Frankreichs. Aus dem Nichts hat er ein Telekomunternehmen aufgebaut, das heute an der Börse vier Mrd. Euro schwer ist, 800 Mio. Euro mehr als Air France-KLM.

In diesen Tagen spielt der 42-jährige Selfmade-Milliardär wieder sein Lieblingsspiel: Allein gegen alle. Denn Niel will sich seinen großen Traum erfüllen und die Platzhirsche wie France Télécom und Vivendi auch im Mobilfunk-Geschäft herausfordern. Daher bewirbt sich sein Unternehmen Iliad gerade um die vierte Mobilfunk-Lizenz, die Frankreichs Regierung vergibt. Ende der Woche läuft die Abgabefrist ab, und Niel ist der einzige Bewerber.

Kein Wunder also, dass die drei Mobilfunker Frankreichs – France Télécom, Vivendis Tochter SFR und Bouygues Télécom – aus allen Rohren schießen, um den Neuankömmling auszubremsen. Sie überziehen Iliad mit Klagen und protestieren gegen die Vergabe-Bedingung vor der EU-Kommission. Der Start-up-Gründer macht ihnen Angst. Zu Recht, denn für den Fall, dass Iliad die Mobilfunk-Lizenz bekommt, hat Niel vorsorglich angekündigt: „Man kann die Preise im Mobilfunk halbieren.“

Niel ist wohl Frankreichs atypischster Unternehmer: Weniger Geld treibt den Erfinder an, sondern die Suche nach der besten technischen Lösung für die Kunden. Den Durchbruch erzielte sein Start-up mit der Freebox, einem Modem, mit dem Nutzer im Web surfen, kostenlos telefonieren und sogar Fernsehen schauen können.

Die Freebox startete 2002 und kostet 29,99 Euro – ein echter Kampfpreis, der seitdem unverändert gilt. Ein ähnliches Modell – unbegrenztes Telefonieren zum günstigen Fix-Preis – will Niel nun auch im Mobilfunk einführen. „Schauen Sie sich die Tarife von SFR, Bouygues und Orange für das iPhone an, es ist quasi der gleiche Preis – ein Witz, nicht wahr?“ höhnt Niel.

Die Analysten von Exane BNP Paribas haben schon mal Szenarien durchgerechnet: Sollte Niel wie angekündigt die Tarife im Schnitt halbieren, könne er so viel Kunden gewinnen, dass Iliads operativer Gewinn um 50 Prozent zulegt, der Gewinn von Bouygues Telecom dagegen um 23 Prozent sinken würde, jener von Orange (France Télécom) um zehn und jener von Vivendis SFR um 17 Prozent.

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