Xerox
Frau Burns schreibt Unternehmensgeschichte

Für die Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen in den USA war es ein gewaltiger Schritt, als Barack Obama zum US-Präsidenten gewählt wurde. Nicht ganz so historisch, aber auch sehr wichtig ist es bei Ursula Burns. Sie ist die erste afro-amerikanische Frau an der Spitze eines großen US-Konzerns.

DÜSSELDORF. Ursula Burns ist eine bescheidene Frau. Und die 50-Jährige will bloß nicht, dass man um ihre Person irgendein Aufheben macht. Es sei ja schließlich nichts besonderes, dass sie Chefin bei Xerox geworden ist. Der riesigen US-Firma, die in Deutschland vor allem für seine Drucker bekannt ist.

Womöglich ist es in naher Zukunft nichts Besonderes mehr, dass eine afro-amerikanische Frau solche Posten bekleidet. Aber Ursula Burns ist nun mal die erste, die das schafft. Außerdem passiert es in den USA zum ersten Mal, dass eine Frau den Chefsessel von einer anderen Frau erbt.

Nun begibt sich Ursula Burns erst einmal auf Reise. 30 Tage nimmt sie sich Zeit, um die wichtigsten Abteilungen im Ausland zu besuchen. Immerhin macht Xerox hier die Hälfte des Umsatzes. Die neue Chefin will vor Ort Strategien entwickeln, wie man die Kunden wieder verstärkt zum Kauf anregen kann.

Das ist angesichts der Wirtschaftskrise nicht gerade einfach. Firmen sparen sich alle Zukäufe, die irgendwie zu verschieben sind. Die Preise sinken, die Margen gleich mit. Bruns Vorgängerin Anne M. Mulcahy, die ihr freiwillig Platz gemacht hat, hatte den Konzern schon begonnen zu sanieren. Sehr weit war Xerox mit seinem Umsatz von 17,6 Mrd. Dollar damals nicht von der Insolvenz entfernt.

Da muss Burns nun weitermachen. Im ersten Quartal sanken die Verkäufe von Xerox um 18 Prozent. Der Wert des Aktienkurses hat sich seit September mehr als halbiert. Beobachter trauen Ursula Burns zu, dass ihr große Dinge gelingen werden. Sie verfüge über eine profunde Kenntnis über die Industriebranche und auch technische Belange. Ihre Mitarbeiter schätzen Burns Offenherzigkeit, ihren scharfen Humor und die Bereitschaft, Risiken einzugehen.

Ursula Burns ist als mittleres von drei Kindern einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen. Heute hat sie selbst zwei Kinder, einen 20 Jahre alten Stiefsohn und eine 16-jährige Tochter. Ihr inzwischen pensionierter Mann Lloyd Bean hat früher auch bei Xerox gearbeitet als Entwickler. Sie selbst ist seit 1980 bei Xerox. Ihren Master-Abschluss in Ingenieurwissenschaften hat sie auf der Colimbia Universität gemacht.

Börsianer erwarten von Ursula Burns, dass sie Xerox effizienter macht und das Geschäft in den Emerging Markets vorantreibt. Wenn es um den Aktienkurs geht, wird sicherlich niemand darauf schauen, ob die Chefin schwarz oder weiß ist. An dieser Stelle ist die Normalität längst eingekehrt.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%