Zahnarzt Joachim Plum kauft zeitgenössische Kunst nur nach akribischer Vorbereitung: Die absolut individuelle Gedankenverwirrung

Zahnarzt Joachim Plum kauft zeitgenössische Kunst nur nach akribischer Vorbereitung
Die absolut individuelle Gedankenverwirrung

Dass sich die Kunst derart gravierend in sein Leben mischen würde, hatte Joachim Plum anfangs nicht geahnt. 1994 kaufte der bei Aachen praktizierende Zahnarzt sein erstes Bild: eine kleinformatige „Braune Vermalung“.

HB STOLBERG. Das Bild ist 1988 entstanden, mit den Fingern aufgetragen, der Maler: Gerhard Richter. Das war schon damals keine preiswerte Angelegenheit, heute aber zählt der deutsche Maler, dessen Werk derzeit in Düsseldorf dokumentiert wird, zu den am höchsten bezahlten Künstlern der Gegenwart.

Es sollte bei der „Braunen Vermalung“ nicht bleiben. Denn ein richtig heißes Herz bekam der heute 45-jährige Plum, als er seine kleine Erwerbung anhand des mitgelieferten Werkverzeichnisses in die Malerei-Konzepte des Künstlers einordnen konnte. Das hatte Folgen: Weitere neun abstrakte Richter-Bilder gelangten in den zahnärztlichen Privathaushalt. Der Grundstock für eine inzwischen auf bis zu 200 Werke von weit über 30 Künstlern angewachsene Sammlung, die längst die Dimensionen des Einfamilienhauses gesprengt hat.

Die Kunst verfolgt den Sammler bis in die Praxis, wo er zwischen Zahnbehandlungen dem ein oder anderen Kunstkritiker Auskünfte am Telefon erteilt. „Ich brauche nur fünf bis sechs Stunden Schlaf“, beantwortet er die Frage, wie er Beruf und Leidenschaft unter einen Hut bringt. Auf dem Wohnzimmertisch liegt bereits der Katalog, mit dem er die Nacht teilen wird. Vorher muss er aber noch einen Privatsammler beruhigen, dessen Dauerleihgabe zwischen die Fronten der in Bewegung geratenen Aachener Museumspolitik geraten ist.

In der Mittagspause haben Joachim und Caroline Plum die jüngste Erwerbung inspiziert. Eine 80-teilige Dia-Projektion von Francis Alys, Träger des prominenten Blue-Orange-Preises 2004, „in einer Blitzaktion“ an die Esszimmerwand geworfen. Es sind die Früchte einer Langzeitbeobachtung in Mexiko City, die einzelne, Waren oder Habseligkeiten transportierende Menschen auf der Straße in den Fokus rückt. Für zu Hause ist die Arbeit indes nicht gedacht, Diaprojektor und -karussell werden deponiert, bis eine Institution Interesse anmeldet.

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