Zbigniew Jagiello, Chef der PKO
Der auf dem Schleudersessel sitzt

Damit Zbigniew Jagiello heute sein Amt als neuer Chef der größten Bank Polens antreten kann, musste extra die Warschauer Finanzaufsicht seine Fähigkeit überprüfen. Denn der 45-Jährige, dessen Karriere die liberale Zeitung „Gazeta Wyborcza“ als „vom Oppositionellen zum Investor“ beschrieb, hat noch nie ein Geldhaus geleitet.

BERLIN. Dementsprechend überrascht hatten einige Insider der Warschauer Finanzszene auf die Wahl des früheren Fondsmanagers zum neuen Vorstandsvorsitzenden der PKO Bank Polski reagiert. Mitte September hatte der Aufsichtsrat Jagiello unter mehr als einem Dutzend Bewerber ausgewählt.

Die hohe Anzahl der Willigen verwunderte, denn der Chefsessel bei der mehrheitlich in Staatsbesitz befindlichen PKO gilt als Schleudersitz: Die letzten PKO-Chefs wechselten wie ansonsten nur die Vorsitzenden der Sozialdemokraten in Deutschland. Nun also wird ein früherer Jugend-Aktivist der polnischen Arbeiterbewegung Solidarnosc und begeisterter Tennisspieler der sechste Vorstandschef der nach Assets größten Bank Polens.

Der Weg Jagiellos nach oben war frei geworden, nachdem der Aufsichtsrat im Juli Vorgänger Jerzy Pruski gefeuert hatte. Seither spekulierten Warschauer Medien über die Hintergründe des Sturzes. Einige sehen Pruski dabei als Opfer eines regierungsinternen Streits: Finanzminister Jacek Rostowski habe das teilstaatliche Geldhaus zwingen wollen, den gesamten Vorjahresgewinn in Höhe von 2,9 Mrd. Zloty (rund 688 Mill. Euro) in Form von Dividenden auszuzahlen, um Haushaltslöcher stopfen zu können. Der für die Verwaltung des staatlichen Eigentums zuständige Schatzminister Aleksander Grad hingegen sei dafür gewesen das Geld zur Stärkung der Kapitalbasis im Institut zu belassen. So hatte es auch die Notenbank vorgeschrieben und sich am Ende durchgesetzt. Das Warschauer Wirtschaftsblatt „Puls Biznesu“ hingegen meldete, Pruski sei gefeuert worden, weil er die Übernahme der polnischen Tochter des US-Großversicherers AIG abgeblasen habe.

Nun soll es Jagiello richten, der bislang die in Polen führende Investmentfondsgesellschaft Pioneer Pekao geleitet hatte und im Jahr 2007 als „Business-Leader von Polen“ ausgezeichnet wurde.

Mit dem Vorstandsvorsitz der PKO wird der Informatiker Herr über 37 000 Mitarbeiter und eine der großen Banken der Welt. Laut „Forbes“-Rating ist die PKO als Nummer 618 unter den 2 000 größten Unternehmen der Welt. Unter den Banken Ost- und Mitteleuropas gilt sie gar als das größte Geldhaus.

Jagiello muss gleich mehrere Herausforderungen meistern. Erstens: Die Vormacht des Staates zurückdrängen, der 51,2 Prozent der Anteile hält und in Zeiten leerer Staatskassen gierig nach Einnahmen greift. Zweitens: Er muss binnen einer Woche 300 Mio. PKO-Aktien verkaufen. Es ist die größte Emission an der Warschauer Börse in den letzen fünf Jahren. Fünf Mrd. Zloty will er damit einnehmen. Drittens: Er muss Ordnung schaffen bei der Tochter Kredobank in der besonders gebeutelten Ukraine, bei der Internet-Plattform Inteligo und bei der polnischen Postbank, an der die PKO Anteile hält. Und er muss der Crédit Suisse für 120 Mio. Zloty jene 25 Prozent Anteil an der PKO-Investment-Tochter TFI abkaufen, die die Schweizer Bank noch hält.

Damit wäre Jagiello auch als PKO-Chef auch wieder Chef-Fondsmanager – dort, wo er schon 1996 gearbeitet hatte.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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