Zeiss
Erfolgreiche Versager aus Kocher-Valley

Auch Misserfolg darf belohnt werden – und das macht unter den richtigen Umständen auch Sinn. Zum sogenannten Innovationsmanagement gehört, aus seinen Fehlern zu lernen und erfolglose Projekte zeitig zu beenden. Das Unternehmen Carl Zeiss beweißt anhand vieler Neuentwicklungen, dass dieses Modell Erfolg verspricht.

OBERKOCHEN. Sehen so Verlierer aus? An diesem Tag bleibt der Schlips im Schrank. Gerd Benner lächelt etwas verlegen und hält den Glasquader mit einem gelaserten Hologramm der Büste des Firmengründers Carl Zeiss in die Kamera. Er musste aufgeben und hat doch gewonnen: den Innovationspreis für „successful failure“ – erfolgreiches Versagen.

Jedes Jahr vergibt das High-Tech-Unternehmen Carl Zeiss im 90 Kilometer östlich von Stuttgart gelegenen Oberkochen sechs Innovationspreise an die Mitarbeiter. Das Unternehmen zeichnet aber nicht nur die besten Erfindungen und Verbesserungen aus, sondern auch erfolglose Projekte, die rechtzeitig und damit kostensparend eingestellt wurden oder deren Ergebnisse trotzdem verwertet werden konnten, weil das Wissen mit anderen Abteilungen geteilt wurde.

Benner und sein Team gewannen den Pokal in diesem Jahr für die Entwicklung eines Transmissionselektronenmikroskops mit fundamental neuen, elektronenoptischen Komponenten. Das Projekt hatte nur einen Haken: Aufgrund von Fehlern im Projektmanagement wurde das Mikroskop vom Kunden nicht abgenommen. Die entwickelten Komponenten flossen in die nächste Gerätegeneration ein.

„Der Preis soll Ansporn sein, auch aus den Scherben eines Projektes noch etwas zu machen“, sagt Zeiss-Chef Dieter Kurz. Es sei auch wichtig, dass die Preise Wanderpokale seien. Jeder habe den Ansporn, das auch sein Name einmal eingraviert wird. Zudem soll die Mannschaft motiviert werden, nicht vor riskanteren Projekten zurückzuschrecken, bei denen auch ein Scheitern droht.

Und so entstehen Geschichten wie diese: Durch den Ausstieg eines Joint-Venture-Partners musste ein Projekt der Elektronenstrahl-Technologie kurzfristig storniert werden. Das Team verlor keine Zeit und machte sich sofort an eine neue Entwicklung auf der Basis des erworbenen Wissens. Daraus entstand wiederum ein Mikroskop zur Inspektion von Halbleiter-Wafern. „Rechtzeitig aufzuhören oder umzudenken ist für Entwickler, die mit aller Energie ein bestimmtes Ziel verfolgen, sehr schwer“, weiß der promovierte Physiker Kurz aus eigener Erfahrung. Geschieht es rechtzeitig, spare es dem Unternehmen horrende Summen und setze Kapazität frei für anderes.

Was auf den ersten Blick wirkt wie ein Trostpreis, hat einen festen Platz im Zeiss-System. „Unsere Innovationsstärke beruht ganz klar auf drei Säulen“, erklärt Kurz: engagierte Top-Talente in einer innovationsfördernden Unternehmenskultur, hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung und internationale Netzwerke.“

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