„Zeitenwende“
Der Weg zum Bonus wird für Chefs länger

Die Vergütungssysteme für Spitzenmanager stehen vor einem radikalen Umbau. Statt kurzfristiger, nur an Rendite gemessener Anreize sollen langfristiges Handeln und risikoorientierte Indikatoren die Einkommen von Vorständen und Managern bestimmen. Das Thema zieht Kreise weit über die Finanzwirtschaft hinaus.

DÜSSELDORF. "Wir stehen an einer Zeitenwende", sagt Michael Kramarsch, Deutschlandchef der Unternehmensberatung Towers Perrin. Mit Hochdruck arbeiten seinen Angaben zufolge Banken an einem Systemwechsel vom "Wie viel" auf das "Wie", weil das Bankendebakel unter anderem auf falsche Leistungsanreize zurückgeführt wird.

Das Thema zieht Kreise weit über die Finanzwirtschaft hinaus. In den Führungsetagen der Industrie wird erwogen, die Vergütungssysteme auf Nachhaltigkeit zu trimmen. Druck wird dabei möglicherweise die Deutsche-Corporate-Governance-Kommission machen. Das Thema stehe ganz oben auf der Agenda, bestätigte der neue Vorsitzende, Commerzbank-Chefaufseher Klaus-Peter Müller, dem Handelsblatt.

Müller, der im Juli die Führung der Kommission von Gerhard Cromme (Thyssen-Krupp) übernommen hatte, sondiert unter den elf Kommissionsmitgliedern. Wegen der Bankenkrise ist Müllers Arbeitsplan in Verzug. Allerdings fordert der Verhaltenskodex der Kommission schon heute, dass die variablen Vergütungsteile "auch Komponenten mit langfristiger Anreizwirkung und Risikocharakter enthalten".

Doch selbst in Deutschlands Topriege der Dax-Konzerne hat ein Drittel bis heute keine langfristigen Vergütungsanreize. Darunter ausgerechnet die Hypo Real Estate und Postbank. Das hält Personalberater Jochen Kienbaum für "äußerst kritisch". Für den Berater hat die aktuelle Krisendebatte auch etwas Positives: "Sie wirkt wie ein reinigendes Gewitter." Nun werde sichtbar, wie wichtig die Vergütung als Steuerungsinstrument ist.

Vergütungsexperten empfehlen verschiedene Modelle, um die Bezahlung der Manager auf Nachhaltigkeit auszurichten. Variable Bestandteile sollen weiterhin 60 bis 70 Prozent der Gesamtbezüge ausmachen, nur müsse die Bedeutung der jährlichen Boni drastisch zurückgefahren werden. Sie sollten zudem auf anderen Indikatoren beruhen. Statt des traditionellen Return on Capital (ROC) sollte ein Risk adjusted ROC, eine Kennziffer, mit der Banken und Versicherungen arbeiten, verwendet werden, fordert etwa Towers Perrin. So könnten auch Kreditrisiken oder Aspekte des Kapitaleinsatzes berücksichtigt werden.

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