Zementhersteller
Merckle belastet Heidelcement

Die Verhandlungen über eine umfassende Refinanzierung der angeschlagenen Merckle-Gruppe werden sich nach Einschätzung von Bankenvertretern voraussichtlich bis ins kommende Jahr hinein ziehen. Das sorgt für wachsende Unruhe bei externen Aktionären und Anleihe-Inhabern der Merckle-Mehrheitsbeteiligung Heidelberg Cement.

FRANKFURT. Nach Standard & Poor's und Moody's hat am Freitag auch die Ratingagentur Fitch die Bonitätsbewertung für Anleihen von Heidelcement abermals zurückgestuft. Anleihen und Aktien des führenden deutschen Baustoffkonzerns, der sich zu knapp 80 Prozent im Besitz der Merckle-Gruppe befindet, gaben am Freitag um mehr als zehn Prozent nach und notierten damit auf neuen Tiefstständen. Länger laufende Anleihen des Unternehmens werden inzwischen zu weniger als der Hälfte ihres Nennwerts gehandelt.

Hintergrund ist die Furcht, dass Merckle zu einer Kapitalspritze für Heidelcement nicht mehr in der Lage sein wird und der Baustoff-Konzern damit ebenfalls zu einer umfassenden Refinanzierung gezwungen sein könnte. „Dem Markt fehlt jegliches Vertrauen, dass die Banken ihre Linien verlängern könnten“, so Kreditanalyst Jochen Schlachter von Unicredit.

Heidelberg Cement ist nach der Übernahme der britischen Hanson im vergangenen Jahr mit mehr als 12 Mrd. Euro verschuldet und kämpft wie die Branche mit rückläufigen Cash-Flows. Rein operativ hatte der Baustoffriese dabei in den letzten Jahren Fortschritte gemacht und den Renditeabstand gegenüber Konkurrenten wie Lafarge und Holcim auf zwei bis vier Prozentpunkte verringert. Mit der Hanson-Übernahme hat Heidelcement-Chef und Merckle-Vertrauter Bernd Scheifele aus Sicht vieler Analysten strategisch im Prinzip zwar den richtigen Schritt getan – bei Timing, Kaufpreis und Finanzierung aber falsch taktiert.

Relativ zu Cash-Flow und Gewinn ist die Verschuldung deutlich höher als bei den Konkurrenten. Kreditexperten fürchten daher, dass der Konzern im nächsten Jahr, möglicherweise sogar schon Ende 2008, die Kreditbedingungen nicht mehr einhalten kann und damit seine Finanzierung neu aushandeln muss. In diesem Fall dürften die Banken höhere Zinsen und Sicherheiten verlangen. Das wiederum würde die Position der Aktionäre wie der Anleihe-Inhaber schwächen.

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