Zentrale von Novartis
Gehry baut an Vasellas Denkmal

Der Stararchitekt Frank Gehry verwirklicht einen aufwendigen Entwurf auf dem Basler Novartis-Campus. Nun hat er – wohl aus Versehen – auch den Preis dafür verraten.

BASEL. Er hat sich ein bisschen verplappert: Als Star-Architekt Frank Gehry bei einer Podiumsdiskussion in Los Angeles über sein neuestes Projekt berichtete, den Bürobau auf dem Gelände des Pharmakonzerns Novartis, entlockte der Moderator dem 77-Jährigen etwas, was in der Regel ungenannt bleibt: Die Kosten für den Glaspalast, der die aufwärts strebenden, verwinkelten Formen eines Kristalls annehmen soll, seien ziemlich hoch – umgerechnet auf einen Quadratmeter liegen sie bei etwa 8 000 Franken. Das sei das Doppelte des sonst üblichen Baupreises, monierte die Schweizer Sonntagszeitung. Insgesamt werden die Ausgaben auf 200 Millionen Franken (128 Millionen Euro) geschätzt.

Der Pharmakonzern sagt dazu offiziell nichts. Novartis beschäftigt sich unter dem persönlichen Einsatz von Konzernchef Daniel Vasella seit fünf Jahren mit der Umgestaltung seines Werksgeländes im Basler Stadtteil St. Johann. Aus dem ehemaligen Produktionsstandort soll bis zum Jahr 2008 ein „Campus des Wissens“ entstehen, eine Stadt in der Stadt, die nebenbei ein Architekturmekka werden soll: Neben Gehry bauen Stararchitekten wie Peter Märkli und Tadao Ando. Die Kosten werden allerdings in keiner Novartis-Mitteilung genannt. Das nährt den Verdacht, dass der Konzern seinen Aktionären nicht unmittelbar aufs Brot schmieren möchte, wie viel von ihrem Geld ausgegeben wird, um ein Projekt zu realisieren, das in Basel auch gerne als „Vasellas Denkmal“ bezeichnet wird.

Egal. Für Gehry erfüllt sich ein Traum, den die meisten seiner Kollegen längst begraben haben. Er kann unter finanziell großzügigen Bedingungen eines seiner typischen Gebäude errichten: Ein collagenartiges, nicht nach strengen Konstruktionsprinzipien aufgebautes Bauwerk, das verschiedene Elemente auf ungewöhnliche Weise verknüpft. In diesem Stil hat Gehry unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao gebaut. Nach ähnlichem Muster hat er auch Bauten für viele andere Städte entworfen. In Düsseldorf beispielsweise winden sich seine Häuser an der Kaimauer des Medienhafens empor. Niemand spektakele mehr herum als er, halten ihm Kritiker vor.

Dass die Bedingungen in Basel den Architekten besonders reizen, verriet Gehry dem Moderator in Los Angeles ebenfalls. Es sei eben etwas anderes, sagte er sinngemäß, für einen Pharmakonzern zu bauen als für irgend jemanden, der ständig nur auf das Portemonnaie achte.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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