Zetsche macht als Sanierer große Fortschritte
„Kronprinzdebatte“ bei Daimler-Chrysler

Bedeutet die Berufung von Eckhard Cordes zum Mercedes-Chef eine Vorentscheidung für die Nachfolge von Konzernboss Jürgen Schrempp? Absolut nicht, hieß es am Donnerstag in Aufsichtsratskreisen.

HB STUTTGART. Branchenbeobachter gehen allerdings davon aus, dass Cordes, der ein enger Vertrauter von Schrempp ist, nach dem Sprung an die Mercedes-Spitze jetzt bessere Karten hat als Mitfavorit Dieter Zetsche.

Zetsche macht zwar als Sanierer bei Chrysler in diesem Jahr große Fortschritte und dürfte wieder ein gutes Ergebnis abliefern. Die Erneuerung der Modellpalette und die Senkung der Kosten sind ihm gelungen. Aber das Geschäft in den USA dürfte schon wegen der andauernden Rabattschlachten weiter unbeständig bleiben.

Cordes dürfte sich da in einer komfortableren Situation befinden. Sein Vorgänger „Mr. Mercedes“ Jürgen Hubbert hat mit zahlreichen neuen Modellen die Weichen dafür gestellt, dass der Absatz der Mercedes-Gruppe bis Ende des Jahrzehnts von heute rund 1,2 Mill. auf dann 1,8 Mill. Fahrzeuge steigen soll. Schon im kommenden Jahr kann Cordes auf der IAA in Frankfurt das Mercedes-Flaggschiff, die neue S-Klasse, präsentieren.

Der Aufstieg von Andreas Renschler in den Vorstand wird allgemein als Lohn für dessen geglückten Ausbau der Marke Smart, aber auch den Aufbau des Mercedes-Werkes in den USA gesehen. Renschler galt ja auch als Kandidat für den Posten des Mercedes-Chefs - angesichts seiner erst 46 Jahre wird er dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren. Als Nutzfahrzeugchef startet er in einer Phase, in der die Branche brummt und der weltgrößte Lastwagen- und Omnibusbauer in der nächsten Zeit kräftige Gewinne einfahren kann.

Auto-Experten sehen auf Cordes viel Arbeit zukommen. „Nach der Stunde der Car Guys - und dazu zählt Hubbert mit an erster Front - bricht die Zeit der Strategen und Prozess-Optimierer bei Mercedes an“, sagte der Gelsenkirchener Branchenexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer der dpa. Die Kosteneffizienz müsse durch eine verstärkte Gleichteile-Strategie verbessert werden, BWM und Audi seien da weiter. Sein Kollege Prof. Willi Diez von der FH Nürtingen mahnt eine Senkung der Produktionskosten und eine Konzentration der Modellpolitik auf wirklich ertragsstarke Produkte an.

Beide Branchenexperten sind sich einig, dass die Mercedes-Sparte in neuen Märkten, vor allem in China, ihre Marktstrategie überprüfen und diese Region noch intensiver bearbeiten müsse. Cordes als Stratege und Controller habe deshalb zum richtigen Zeitpunkt den laut Diez „schönsten Job, den es in der deutschen Industrie zu vergeben gibt“, bekommen.

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