Management
Zoff in Zuffenhausen

Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch sucht im Machtkampf um VW den Showdown mit der eigenen Familie. Ein Konflikt, der den Konzern zerreißen könnte.

WOLFSBURG. Wolfgang Porsche ist für sein diplomatisches Wesen bekannt. Dem Porsche-Aufsichtsratschef, der auch im VW-Kontrollgremium sitzt, kommt im Eigentümer-Clan des Sportwagenbauers eine ausgleichende Rolle zu. Was er aber nach der VW-Aufsichtsratssitzung über seinen Cousin Ferdinand Piëch kundtut, hat mit Diplomatie rein nichts mehr zu tun. Porsche ist nahezu fassungslos. "Ich bin entsetzt über das Abstimmungsverhalten des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden", lässt er wissen.

Das zuletzt nur noch ausgewaschene Tischtuch zwischen den Porsche-Eigentümerfamilien Piëch und Porsche ist zerschnitten. Ausgerechnet kurz vor der Übernahme von VW durch Porsche ist der Machtkampf unter den Granden des Sportwagenbauers offen ausgebrochen. Die Folgen könnten auch den Konzern in Mitleidenschaft ziehen.

Was ist geschehen? VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat es auf der Sitzung des Kontrollgremiums am Freitag zum offenen Bruch mit den Vertretern von Porsche kommen lassen. Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen machte der Porsche-Eigentümer mit einer überraschenden Stimmenthaltung den Weg frei für die Annahme des Antrags der Arbeitnehmer, Kooperationen zwischen Audi und Porsche künftig im VW-Aufsichtsrat genehmigen zu lassen. Piëch, der als Vorsitzender ein Doppelstimmrecht hat, hätte den Erfolg der Arbeitnehmerbank verhindern können. Doch er tat dies nicht.

Ein Coup ganz nach dem Geschmack von Taktiker Piëch. Denn als der Schuss aus dem Hintergrund fällt, ist der Österreicher nicht mal in Wolfsburg. Der 71-Jährige ist bei der Sitzung selbst nicht anwesend, lässt aber durch seinen Stellvertreter, den Ex-IG-Metall-Boss Jürgen Peters, per Stimmbotschaft überraschend seine Stimmenthaltung übermitteln. Damit ist der Weg frei, den Antrag gegen die Stimmen der Porsche-Vertreter Wolfgang Porsche, Wendelin Wiedeking und Holger Härter sowie aller Kapitalvertreter durchzubringen. Ein Eklat.

Der parallel stattfindende Protest von 40 000 VW-Beschäftigten auf dem Werksgelände gegen das VW-Gesetz verkommt dabei nur noch zur Randnotiz. Der Burgfrieden zwischen Porsche und seinem Cousin Piëch ist aufgekündigt. Der VW-Patriarch ist seiner eigenen Familie in den Rücken gefallen, kalt und ohne Vorankündigung. Bereits seit Wochen ist klar, dass Piëch im Hintergrund gegen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking intrigiert. Piëch wirft dem Manager vor, aus den befreundeten Unternehmen fast Feinde gemacht zu haben. Nun hat der Patriarch das Visier hochgeklappt - und lässt den seit Monaten lodernden Machtkampf eskalieren.

Ein Affront, der die Familien vor eine Zerreißprobe stellt - und den genialen Ingenieur und Machtmenschen Piëch im Clan in die Ecke drängt. Denn längst ist Wolfgang Porsche dabei, den Widerstand gegen den unberechenbaren Cousin in der Familie zu organisieren. Der Mann, der den legendären Namen des Sportwagenbauers trägt, ist zu allem entschlossen. Seit langem empfindet er Piëchs Extratouren als "schlicht unnötig".

Ferdinand Piëch, der Feind in der eigenen Familie, weicht aber nicht zurück. "Der Alte hat einen Plan, und den zieht er durch. Den Ärger mit Wolfgang Porsche hat er einkalkuliert", sagt ein mit den Wolfsburger Verhältnissen Vertrauter. Der seit Monaten schwelende Streit im nähert sich damit dem ultimativen Showdown.

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