Zu seinem jetzigen Job kam der 44-Jährige eher zufällig
Der Vieltelefonierer

Ralf Kogeler ist Chef des Call-Center-Riesen Walter Tele-Medien. Jetzt will er bei der Autobahn-Maut mitverdienen.

ETTLINGEN. Wenn er etwas von seinen Mitarbeitern will, verlässt sich Ralf Kogeler auf das gesprochene Wort. „Einen Blackberry habe ich nicht“, sagt der sportlich wirkende 1,94-Meter-Mann. Er telefoniert lieber, als mit dem handlichen Lieblingsspielzeug des deutschen Führungspersonals E-Mails zu versenden. Ein Telefongespräch sei persönlicher und zielgerichteter.

Da spricht der 44-jährige gebürtige Hamburger auch pro domo. Kogeler ist Vorstandschef von Walter Tele-Medien im badischen Ettlingen, ein paar Kilometer außerhalb von Karlsruhe. Das Unternehmen ist der größte konzernunabhängige Call-Center-Dienstleister in Deutschland. Und es wird viel telefoniert. Trotz schwacher Branchenkonjunktur peilt Kogeler mit 4 200 Mitarbeitern dieses Jahr einen Umsatz von 100 Millionen Euro und eine zweistellige Umsatzrendite an.

Und jetzt will er im mehrfach vom Betreiberkonsortium Toll Collect verschobenen Geschäft mit der LKW-Maut für deutsche Autobahnen mitmischen. Gestern stellte er in Berlin die neue Tochterfirma Toll Direct vor. Sie bietet LKW-Fahrern an, ihre Fahrtrouten direkt über das Handy zu buchen. Damit steht sie im Wettbewerb mit anderen.

Zu seinem jetzigen Job kam Kogeler vor rund einem Jahr eher zufällig. Beim früheren Finanzvorstand von Europas größtem Zeitungskonzern, der Axel Springer AG („Bild“, „Welt“, „Hörzu“), meldete sich ein Headhunter und bot ihm den Chefposten bei Walter Tele-Medien an, weil in Ettlingen ein Generationswechsel bevorstand.

Kogeler, der gerade bei Roland Berger als Unternehmensberater arbeitete, sagte zu. Er übernahm nicht nur den Chefsessel, sondern stieg auch gleich als Gesellschafter ein. „Für mich ist das ein Traum, Manager und Unternehmer zu sein“, sagt er. Bei Walter Tele-Medien ist er weitgehend sein eigener Herr. Die Leine zum Hauptgesellschafter des Unternehmens, der Beisheim Holding in der Schweiz, ist lang. Kogeler nutzt den Spielraum, um das früher von Jürgen Lankers patriarchalisch geführte Unternehmen im Wettbewerb mit den beiden Spitzenreitern Arvato, Tochter von Bertelsmann, und SNT, Tochter der niederländischen Telekomgesellschaft KPN, in eine moderne, schlagkräftige Firmengruppe umzubauen. Er kauft Unternehmen hinzu, gründet neue Call-Center, achtet auf flache Hierarchien. Gleich zu seinem Amtsantritt krempelt er das Management um. Dabei geht er keinem Konflikt aus dem Weg. Bei den Arbeitnehmervertretern kommt er gut an. „Der ist in Ordnung, richtig menschlich“, lobt ein Betriebsrat.

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