ZUGFeRD
Rechnungsstandard könnte Firmen Millionen ersparen

Nein, das ist keine Meldung aus dem Tierreich: „ZUGFeRD“ meint einen Standard für digitale Rechnungen. Das umständliche Verschicken einer Rechnung entfällt, gerade kleinere Unternehmen erhoffen sich Entlastungen.
  • 0

BerlinEin neuer Standard für die elektronische Rechnung soll vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie in Verwaltungen den Weg zur papierlosen Rechnungstellung ebnen. Das Verfahren wurden am Mittwoch vom IT-Branchenverband Bitkom zusammen mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft in Berlin vorgestellt. Mit dem „ZUGFeRD“ genannten Standard sollen digitale Rechnungen künftig ohne zusätzliche Prüfungsprozesse und ohne Medienbruch erstellt und bearbeitet werden können.

„Die E-Rechnung ist mehr als eine modische Form der Buchhaltung“, sagte Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Bundesinnenministerium. „Durch die Einführung der E-Rechnung entlasten wir die deutsche Wirtschaft insgesamt und sichern ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Verbund.“

Das Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD) hat sich dabei für ein Format entschieden, das zwei verschiedene Darstellungsformen eines Datensatzes in einer einzigen Datei verbindet. Das Dokument lässt sich sowohl als PDF-Datei als auch im maschinenlesbaren XML-Format nutzen und ansehen. Da zwei inhaltlich identische Kopien einer Datei vorliegen, sei es steuerrechtlich einerlei, welcher der beiden Datensätze als Originalbeleg für den Vorsteuerabzug verwendet werde, erklärt der Verband elektronische Rechnung.

Großbetriebe hätten bislang das aufwendigere Format EDI genutzt, sagte Jürgen Biffar vom Bitkom in Berlin. Mit „ZUGFeRD“ könnten nun auch Kleinstbetriebe einfach das verbreitete PDF-Format nutzen und den anderen XML-Datensatz ignorieren. Das umständliche Drucken, Unterschreiben und Verschicken einer Rechnung entfalle damit in Zukunft.

„Die ZUGFeRD-Datei kann das Papier vollständig ersetzen, indem sie für den Versand, die Bearbeitung und die Aufbewahrung einer Rechnung genutzt wird“, erklärte Biffar. Die Branche verspricht sich davon Einsparungen in Millionenhöhe. „Erfahrungen zeigen, dass ein elektronischer Rechnungsversand 70 bis 80 Prozent der Kosten gegenüber manueller Bearbeitung einspart“, sagte Biffar. Auch die Liquidität der Unternehmen verbessere sich durch den beschleunigten Zahlungseingang.

Jahr für Jahr würden laut einer Stellungnahme des Normenkontrollrats zum Steuervereinfachungsgesetz 2011 jährlich 32 Milliarden Rechnungen ausgetauscht. Der postalische Rechnungsaustausch koste laut einer Studie der Uni Hannover 5 bis 7 Euro je versandter und 10 bis 12 Euro je empfangener Rechnung. Der Software-Hersteller Sage berechnete, dass Unternehmen damit pro Rechnung durchschnittlich 11,60 Euro sparen können.

Der Bitkom will sich dafür einsetzen, dass der „ZUGFeRD“-Standard auch in der Europäischen Union verwendet wird. Im Blick auf das europäische Standardisierungsverfahren bringe das neue Format „ein Pfund in Brüssel ein, das wesentliche Kriterien für den elektronischen Rechnungsaustausch erfüllt“, sagte Rogall-Grothe. „ZUGFeRD“ sei ein offenes Format und sei flexibel ohne größeren Aufwand nutzbar. Entscheidend sei zudem, dass es auf freiwilliger Basis von Wirtschaft und Verwaltung gemeinsam entwickelt worden sei.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " ZUGFeRD: Rechnungsstandard könnte Firmen Millionen ersparen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%