Zukunft der Unternehmensberatung
Eine Branche orientiert sich um

Vor einigen Monaten rumorte es kräftig bei einem Münchener Beratungsunternehmen: Die Mitarbeiter der zweiten Ebene begehrten offen auf, weil sie für ihre Karriere auf absehbare Zeit keine Perspektive mehr sahen. „Das passt ins Bild“, beantwortet Dietmar Fink Fragen zu diesem ungewöhnlichen Vorgang.

HB DÜSSELDORF.Der auf Unternehmensberatungen spezialisierte Lehrer an der Fachhochschule Bonn Rhein Sieg hat festgestellt, dass der Einbruch beim Umsatzwachstum, den die erfolgsverwöhnte Branche in den letzten Jahren hinnehmen musste, seine Bremsspuren hinterlassen hat: Bei stagnierendem Geschäft haben die Mitarbeiter nicht mehr die Chance, so schnell in die nächste Hierarchiestufe aufzusteigen, wie vorher. Das führt zu Unmut: „Viele haben diesen Beruf gewählt, weil man hier schnell nach oben kommt.“

Fink bezweifelt, ob sich das so bald ändert, denn die Zeit der Umbrüche bei den Beratern sei noch nicht vorbei: Zuerst hätten die betreuten Unternehmen immer wieder darauf gedrängt, dass die Berater sich nicht mehr nach der Ablieferung von Konzepten in bunten Mappen aus dem Staub machten, sondern sich an der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen beteiligten.

Jetzt, so Fink, ist die Stimmung umgeschlagen: Die Unternehmen, die zunehmend auch ehemalige Berater auf der Lohnliste führen, wollen die Umsetzung wieder selbst übernehmen. Der Schwarze Peter bleibe den Beratern: „Die Umsetzung macht derzeit einen großen Prozentsatz des Geschäfts aus.“

Finks Kollege Kurt Jeschke von der European Business School in Oestrich-Winkel meint, den Beratern blase noch aus einer anderen Richtung der Wind ins Gesicht: „Das Image der Beratung ist nachhaltig geschädigt!“ Hierzu hätten Unternehmenskrisen wie die von Enron, Worldcom oder auch der Swissair erheblich beigetragen. Den Vertrauensverlust müssten die Berater jetzt erst einmal wettmachen.

Das geht aber nicht nach dem alten Rezept, sich einen neuen Beratungsansatz auszudenken und diesen dann zu vermarkten: „Die einzige Mode, die heute den Beratungsmarkt kennzeichnet, ist die, vor Beratungsmoden zu warnen“, meint Jeschke, der selbst bis vor zehn Jahren als Berater gearbeitet hat.

Die Beraterkunden wiederum, so Jeschke, sähen die Beziehung zu ihrem Ratgeber zunehmend professionell, wenn es um Basisdienstleistungen geht: „Das einstmals partnerschaftliche Verhältnis scheint sich zum Kunden-Lieferanten-Verhältnis zu wandeln.“ So schalteten die Unternehmen immer häufiger die Einkaufsabteilung ein, wenn Beratungsleistung benötigt wird. Die Anbieter müssten dann im Wettbewerb „strenge, kriteriengestützte Auswahlverfahren“ durchlaufen. Es ginge nicht mehr nach Empfehlungen.

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