Zum 65. Geburtstag
Dieter Ameling: Die Stimme der Stahlindustrie

Dieter Ameling wird heute 65 Jahre alt. Beim Thema Emissionshandel gerät er wohl auch an seinem Geburtstag in Fahrt.

DÜSSELDORF. Die Politik habe mit dem Anfang 2005 gestarteten Handel von Kohlendioxid-Zertifikaten ein „bürokratisches Monstrum“ geschaffen. Das belaste die „energieintensiven Industrien unerträglich“, während sich die Energieversorger „eine goldene Nase“ verdienten. Falls diese „Fehlkonstruktion“ nicht korrigiert werde, drohe den Stahlherstellern ein ähnliches Schicksal wie der Aluminiumindustrie. Viele Hütten würden dann ins Ausland abwandern, warnt der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf.

Seit dem Frühjahr 2000 ist Ameling die Stimme der Branche und vertritt die Interessen der noch etwa 100 Unternehmen und ihrer 93 000 Beschäftigten gegenüber Politik, Wirtschaft und der Öffentlichkeit. Während die Amtszeit seines Vorgängers Ruprecht Vondran noch in die schwerste Zeit der Stahlindustrie mit lang anhaltenden Krisen, Unternehmenspleiten und Massenentlassungen fiel, erlebte die Branche unter Ameling einen kaum für möglich gehaltenen Aufschwung.

Gleichwohl sieht der promovierte Metallurge und Honorarprofessor der TU Clausthal noch immer Verbesserungsbedarf. Drei Themen liegen ihm besonders am Herzen: der möglichst effiziente Einsatz von Rohstoffen, der sparsame Verbrauch von Energie und der Klimaschutz. Seinen Dienstwagen, einen silberfarbenen 7er BMW, fährt er trotzdem gerne schnell. „Zehn Prozent unter Höchstgeschwindigkeit“ seien ein guter Kompromiss, findet er.

Praktische Erfahrung für den Spitzenjob beim Stahlverband sammelte Ameling als Manager in der Industrie. Seine berufliche Laufbahn startete der in der Nähe von Osnabrück geborene Stahlexperte 1971 im Saarland. Er arbeitete für Mannesmann, Willy Korf, Thyssen, Saarstahl und Krupp, bevor er mit 58 Jahren das Amt des Cheflobbyisten übernahm.

Amelings Detailkenntnisse über die weltweite Stahlindustrie und seine scheinbar unendliche Chart-Sammlung sind legendär. Beides setzt der schlanke, groß gewachsene Mann mit dem zurückdrängenden Haupthaar gekonnt bei Vorträgen und Pressegesprächen ein. Geschickter und auch überzeugender als andere Verbandsfunktionäre versteht er es, seine mit Fakten unterlegten Botschaften an den Mann zu bringen.

Der Hobbysegler liebt den Werkstoff, um den sich sein ganzes Berufsleben dreht. Statt von „Stahlverbrauch“ spricht Ameling stets von „Stahlverwendung“, weil das in Autos, Waschmaschinen oder Brücken eingesetzte Metall durch Einschmelzen unendlich recycelbar ist.

Ameling, der bis 2008 als Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl gewählt ist, lebt in Dortmund. Heute wird der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder 65.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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