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Keine Geschenke, bitte!

Weihnachtszeit, Geschenkezeit? Das war einmal. Seit den Finanzskandalen um Enron und Worldcom ist das Verschenken von Aufmerksamkeiten in den US-Firmen arg unter Beschuss. Trotzdem verschwinden die teuren Gaben nicht komplett – sie werden unauffälliger.

LOS ANGELES. Fran Zell erinnert sich noch an die Zeiten, „als der gesamte Flur mit Geschenkkörben vollgestellt war“. Aber das war vor den Skandalen um Enron und Worldcom. Die Spendierfreudigkeit der großen Geschäftskunden ist längst vorbei. Heute passen die „kleinen Aufmerksamkeiten“, die die PR-Managerin in den Fox-Studios in Los Angeles von treuen Kunden kurz vor den Feiertagen erhält, „locker auf meinen Schreibtisch“, so die 54-Jährige. Ein Studio-Boss, der lieber ungenannt bleiben möchte, stimmt zu: „Ich vermute mal, dass in diesem Jahr sehr viele Spenden in meinem Namen gemacht werden. Die können von der Steuer abgesetzt werden. Persönliche Präsente sind out.“

Weihnachtszeit, Geschenkezeit. In der Entertainment-Industrie in und um Los Angeles sind die Offerten, die hier unter der Sonne Kaliforniens auch gerne ganz liebevoll als „goodie bags“ bezeichnet werden, so wertvoll wie ein Vorsprechtermin für eine Rolle bei Steven Spielberg. Schauspielagenten belohnen Studiomanager für das Anheuern ihrer Klienten. Werbekunden wurden in der Vergangenheit für ihre Aufträge mit Geschenken regelrecht überhäuft.

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„Es ist ein Geben und Nehmen. Und Geschenke gehören nun einmal zum Geschäft“, so Zell. Aber die extravaganten Goodies bleiben in diesem Jahr aus. Hollywood muss sparen – und hat auch ein bisschen Angst vor allzu neugierigen Staatsanwälten wie Eliot Spitzer in New York, der sich gerne unlauteren Geschäftsgebaren annimmt. Denn was für den einen als Geschenk gilt, ist für den anderen bereits ein Kickback, also eine Art Bestechung.

„Es passt einfach nicht gut zusammen, wenn ein Studio im Oktober bekannt gibt, dass 25 Prozent aller Angestellten eingespart werden müssen, und zu den Feiertagen die Bosse mit großen Geschenkkörben belohnt werden“, findet Bob Strauss, Autor und Hollywood-Kenner aus Los Angeles über die neue Spardevise in den US-Firmen. Außerdem ist es ein offenes Geheimnis in der Entertainment-Industrie, dass Geschenke natürlich dazu dienen, Beziehungen mit mächtigen Geldgebern zu pflegen. Im Show Business wird deshalb auch gerne von der „süßen Kraft der Überzeugung“ gesprochen.

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