Zum Geburtstag einen Popstar
K+S-Investor Melnitschenko gönnt sich gerne etwas Besonderes

Seit der vergangenen Woche ist der Name Melnitschenko in Deutschland zwar noch nicht so bekannt wie der von Abramowitsch – doch erstmals hat der studierte Physiker für Aufmerksamkeit gesorgt: Er stieg bei der Kali + Salz AG (K+S) ein, dem im MDax notierten Hersteller von Pottasche und Dünger.

MOSKAU. Andrej Melnitschenko und seine Frau Alexandra sind große Fans von Jennifer Lopez. Daran kann eigentlich kein Zweifel bestehen, denn zum 30. Geburtstag seiner Gemahlin im vergangenen April ließ der 35-jährige Russe den Latino-Popstar zur Party einfliegen. Kosten: über zwei Millionen Euro.

Unter den etwa 60 geladenen Gästen auf seinem britischen Landsitz fand sich auch ein anderer wohlhabender junger Mann: der Milliardär und Lenker der Kicker des Chelsea FC, Roman Abramowitsch. Ihm hat Melnitschenko in den 90ern geholfen, sein Vermögen zu verwalten.

Anfang der 90er-Jahre legte der gebürtige Weißrusse als Student an der renommierten Moskauer Lomonossow-Universität den Grundstein für sein Vermögen mit dem Betrieb von Wechselstuben. Die Sowjetunion war gerade zusammengebrochen, und der Rubel taumelte von einer Krise in die nächste. Melnitschenko hatte erkannt, wie ihm die Hyperinflation in die Hände spielen konnte: Er lieh sich Rubel für ein Jahr, tauschte sie für kurze Zeit in Dollar – und dann mit beträchtlichem Gewinn wieder zurück.

Aus dem Geldwechselservice wurde eine Kette und schließlich 1993 die MDM-Bank, zu deren Kunden schnell weitere Wendegewinner zählten, darunter Abramowitsch. Anders als viele laute Raubritter des Ost-Kapitalismus zählte Melnitschenko jedoch eher zur Kategorie der stillen Geschäftsleute und machte wenig von sich reden. Die Bank entwickelte sich und schaffte es nach der Währungskrise 1998, verhältnismäßig gut dazustehen. Eine Top-Investmentbank wurde MDM aber nie. Vor zwei Jahren zog sich der Jung-Milliardär vom Aufsichtsratsvorsitz der Bank zurück, im vergangenen Jahr dann schließlich vollständig im Zuge eines groß angelegten Tausches von Beteiligungen mit seinem Partner Sergej Popow.

Beide zusammen hatten mit der MDM-Group in den 90ern eine ganze Reihe von Firmen und Industriebeteiligungen zusammengekauft. Melnitschenko übernahm nach der Tauschaktion mit Popow den Düngerhersteller Eurochem, Nummer sieben in der Welt. Beide kontrollieren gemeinsam noch Suek, den größten Kohleförderer der Landes, der nun wiederum eine Liaison mit Gazprom eingehen soll.

Zu Eurochem passe K+S sehr gut, urteilen Analysten. Von Kontrolle oder gar einer Übernahme will Melnitschenko zwar nichts wissen – sein Engagement liegt nur bei 6,75 Prozent. Eurochem und der deutsche Konkurrent könnten aber enger zusammenarbeiten, heißt es bei Melnitschenkos Investmentfirma Linea. Im Übrigen wolle er erst mal einen Gewinn aus seiner Investition sehen. Darauf muss er vielleicht gar nicht lange warten, denn das Geschäft mit der Pottasche läuft bei K+S derzeit gut, die Nachfrage aus Schwellenländern treibt auch den Preis für Dünger nach oben.

Analysten sehen den russischen Zug nach Kassel zunächst als rein finanzielles Engagement: Wie viele russische Unternehmer sieht Melnitschenko die Chancen des Einstiegs bei einem gut aufgestellten westlichen Unternehmen. Genug Mittel für den Drang nach Westen hat er: Forbes schätzt sein Vermögen auf 4,6 Milliarden Dollar. Davon kann sich der Pop-Fan noch öfter Jennifer Lopez kommen lassen. Oder Christina Aguilera. Aber die war ja schon auf seiner Hochzeit.

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