Zum Tod von Anton Rupert
„Viel Geld ist nicht gut“

Zum Sektempfang ist die gesamte Prominenz Südafrikas gekommen. Sie feiert den langjährigen Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp, der von der Universität Stellenbosch den Ehrendoktortitel erhält. Ganz bescheiden, in der hintersten Reihe der Festgesellschaft in Stellenbosch nahe Kapstadt, steht damals zur Jahrtausendwende, wie so oft bei solchen Anlässen, ein älterer, klein gewachsener Herr in einem etwas altmodischen Anzug.

HB KAPSTADT. Wer das Gesicht mit den tiefen Falten und der Boxernase nicht kennt, hält ihn glatt für den Hausmeister. Doch es ist der Multimilliardär Anton Rupert. Südafrikas erfolgreichster Unternehmer. Der Mann, der aus dem Nichts einen Weltkonzern geformt hat mit Zigarettenmarken wie Peter Stuyvesant und Dunhill, mit Luxusmarken wie Cartier und Mont Blanc. Gestern ist er im Alter von 89 Jahren in Stellenbosch gestorben.

Die gleiche Zurückhaltung und Bescheidenheit, die Rupert bei Empfängen und Aktionärstreffen offenbarte, ist zeitlebens typisch für seinen Stil gewesen. „Viel Geld“, warnte er gerne, „ist nicht gut für den Menschen und seine Familie. Wer zu viel davon hat, neigt zum Müßiggang.“ So lebte der Sohn eines Rechtsanwalts trotz seines immensen Reichtums bis zu seinem Tod über 30 Jahre lang in dem gleichen Haus in einer von hohen Eichen gesäumten Allee.

Anders als die diamanten glitzernden Oppenheimers, Südafrikas andere große Unternehmerdynastie, zogen die Ruperts nie in den Wirtschaftsmoloch Johannesburg, sondern regieren ihr Firmenimperium bis heute aus dem Wein- und Universitätsstädtchen Stellenbosch bei Kapstadt. Für den Senior der Familie war der Unternehmenssitz ohnehin nur von geringer Bedeutung. „Die eigentliche Firmenzentrale“, pflegte der Hobbyphilosoph und Naturliebhaber zu sagen, „ist der eigene Kopf.“

In Stellenbosch, der Kaderschmiede des Burentums, beginnt kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg der Aufstieg der Ruperts. Hier kauft der promovierte Chemiker, der lieber Mediziner geworden wäre, 1948 mit Freunden und dem Startkapital von zehn Pfund Sterling die insolvente Tabakfirma Voorbrand – den Vorläufer seiner beiden südafrikanischen Firmensäulen Rembrandt (Tabak) und Distillers (Alkohol).

Wenig später startet er in einer alten Getreidemühle die Produktion der ersten Zigaretten. Bereits damals ist Rupert von dem Ehrgeiz beseelt, der englischen Geschäftswelt am Kap zu zeigen, dass auch die oft von oben herab behandelten Buren wirtschaftlich erfolgreich sein können. Der Jungunternehmer erkennt früh, dass vor allem zwei Produkte weltweit praktisch krisenfest sind: Alkohol und Tabak.

Seite 1:

„Viel Geld ist nicht gut“

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%