Zurich-Verwaltungsratspräsident
Ackermann und die neue Bescheidenheit

Die Begrüßung hätte freundlicher ausfallen können: Mit dem schlechtesten Ergebnis aller zur Wahl stehenden Verwaltungsräte bestätigten die Aktionäre des Versicherers Zurich den scheidenden Deutsche-Bank-Chef Ackermann.
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Das oberste Organ des von Zurich Financial Services in Zurich Insurance Group umbenannten Versicherers bestimmte Ackermann trotz des schlechten gleich darauf trotz des schlechten Wahlergebnisses zu seinem neuen Vorsitzenden. Als Präsident des weltweit fünftgrößten Versicherer bleibt der Schweizer damit auch nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank im Kreis der aktiven Topfinanzmanager Europas. Und Ackermann kündigte gleich an, dass auch nutzen zu wollen.

Am Rande der Hauptversammlung gab sich Ackermann zwar bewusst demütig. Er müsse sich erst in die Versicherungsmaterie einarbeiten und würde gewiss nicht operativ dem Zurich CEO Martin Senn hineinpfuschen. "Ich bin Verwaltungsratspräsident und nicht CEO, sie werden also in Zukunft viel weniger von mir hören", sagte er zu einigen Journalisten in Zürich. Er müsse nicht jeden Tag seinen Namen in der Zeitung lesen. "Ich freue mich sogar, mich jetzt etwas zurück nehmen zu können."

Doch im selben Atemzug kündigte Ackermann an, dass er sich auch weiterhin in die aktuellen Debatten einmischen werde. "Ich werde mich vielleicht einbringen in Fragen rund um das Thema Finanzplatz oder Standortfragen", so der frisch gewählte Zurich-Präsident.

Frühstücksdirektor zu sein, das ist ganz klar seine Sache nicht. Mit leuchtenden Augen erzählt er von seiner Zeit in Deutschland, "die letzten zehn Jahre dort waren schön", denn Deutschland sei "stark in die großen europäischen Fragen engagiert". Und Ackermann als Chef der größten deutschen Bank und Präsident des International Institute of Finance, der weltweiten Bankerlobby, mischte bekanntlich kräftig mit; etwa bei der Organisation des Schuldenschnitts für Griechenland.

Und er scheint fest entschlossen, sich auch aus seiner Schweizer Heimat und in seiner neuen Funktion weiter in die laufenden Debatten um das Weltfinanzsystem einzumischen. Schließlich verwalten Versicherer "riesige Wertpapierportfolios", und seien damit wie Banken direkt von den Entwicklungen der Märkte und der Regulierung betroffen.

Die Zurich Gruppe ist zwar nicht die Deutsche Bank. Aber als Bühne für Josef Ackermann als Elder Statesman der Weltfinanzbranche taugt der Versicherer allemal.

Und für sein schlechtes Wahlergebnis hatte er auch gleich eine Erklärung parat: er sei nunmal Mitglied des Vergütungskomitees, und diese hätten derzeit bei allen Hauptversammlungen einen schweren Stand.

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