Zurück auf Erfolgskurs
„Ich ordne mich nicht unter“

Hans-Paul Bürkner würde den Satz an den Anfang eines Selbstporträts stellen: „Ich glaube daran, dass ich meine Zukunft gestalten kann.“ Ein starkes Lebensmotto und Berufscredo. Als Unternehmensberater empfiehlt er es seinen Kunden – und als frisch wiedergewählter Weltchef der Boston Consulting Group (BCG) predigt er es seinen Kollegen.

FRANKFURT. Denn Bürkner verabscheut eines ganz besonders: Larmoyanz. Die bringt den ansonsten eher ruhigen Ostfriesen aus der Fassung. Die einschlägigen deutschen TV-Talkshows findet der 53-Jährige deshalb grässlich. „Ich schalte ab, wenn wieder Jammern auf dem Programm steht.“

Solch innerer Aufruhr ist beim Chef einer der weltweit führenden Beratungsfirmen aber eher die Ausnahme. Gefühlswallungen sind nicht seine Sache. Bürkner kommt leicht unterkühlt daher, so wie die Menschen von der Küste eben sind. Klar, ohne geschnörkeltes Beraterdeutsch. Meist folgen seine Antworten auf Fragen erst nach kurzer Denkpause. Dann aber umso ausführlicher. Bürkner schweift gerne ab, mit Vorliebe in die Praxis. Damit sammelt er Punkte, denn der echte Fall kommt besser an als die perfekte Strategietheorie. Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin von Würth, dem Hersteller von Befestigungssystemen, konnte ihren Chef nicht erreichen. Die Frau ließ ihren Gast aber nicht am Empfang stehen, sondern versuchte, die Lage geschickt und freundlich zu meistern. Das ist ganz nach dem Geschmack Bürkners: Initiative ergreifen, statt abarbeiten. Da spüre man, wie ein Unternehmen tickt.

Bürkners Understatement ist Markenzeichen und Masche. Selbst bei der Beraterkonkurrenz findet sich kaum jemand, der etwas über ihn zu sagen weiß, geschweige denn jemand, der ihn persönlich kennt. Bürkner führt eher unauffällig – nach außen. Blauer Anzug, weißes Hemd, gemusterte Krawatte, die Haare ein wenig unsortiert – nichts lässt vermuten, dass da gerade einer der einflussreichsten Berater dieser Welt den Flieger nach New York besteigt. Er muss ständig zwischen Mainhattan und Manhattan pendeln. Und damit das so weitergeht, haben ihn seine 400 Mit-Geschäftsführer als Weltchef von BCG wiedergewählt.

Dabei macht Bürkner es ihnen nicht leicht. Denn nach innen hat er einen klaren Führungsanspruch. Böse Zungen sprechen gar von „Leichen-Paule“, weil unter seiner Ägide schon so mancher altgediente BCG-Mann seinen Posten geräumt hat. Nicht ganz freiwillig, wie in der Branche berichtet wird. „Hans-Paul lässt keine Zweifel aufkommen, dass er der Chef ist“, sagt einer seiner Geschäftsführerkollegen. Bürkner sieht das selbst so: „Ein neuer Chef hat das Recht und die Pflicht, die Dinge anders zu machen.“ Dieses Managementprinzip verordnet er nicht nur seiner Kundschaft, er nimmt es auch für sich selbst in Anspruch.

„Ich ordne mich nicht unter“, lautet seine viel sagende Antwort auf die Frage, welche Eigenschaften eine Führungspersönlichkeit haben müsste, damit er sich selbst unterordnen könne. Bürkner versucht gar nicht erst, diese Aussage herunterzuspielen. „Wenn man eine Überzeugung hat, dann muss man diese auch durchsetzen wollen.“

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