Zvezdana Seeger
Mit Stil auf dem Schleudersitz

Zvezdana Seeger kennt sich aus mit schwierigen Fällen: Einst leitete sie die IT von Toll Collect, dann stieg sie in den Vorstand von T-Systems auf. Nun soll die 44-Jährige die Sanierung des Handelsriesen Arcandor vorantreiben - und womöglich einige Mitarbeiter entlassen.

DÜSSELDORF. Auf den ersten Blick wirkt die kleine Frau mit dem Kurzhaarschnitt wie eine typische Karrierefrau: forsch und bestimmt, mit rauer Stimme, die auf reichlich Lebenserfahrung deutet. Im persönlichen Gespräch aber zeigt Zvezdana Seeger schnell auch eine bescheidene Seite. „Es ehrt mich sehr“, sagt sie, „dass Doktor Eick mich angerufen hat.“

Doktor Karl-Gerhard Eick ist seit März Chef des schwer angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor. Und dass er nun von seiner ehemaligen Kollegin bei der Deutschen Telekom verlangt, für ihn die Kohlen aus dem Feuer zu holen, stört die 44-Jährige nicht im Geringsten. „Ich empfinde die Aufgabe keineswegs als Drecksarbeit“, erklärt sie auf Anfrage, „sondern als etwas Wichtiges, was getan werden muss.“

Reichlich Pflichtbewusstsein kann Seeger gut gebrauchen. Denn Freunde im Konzern, so viel ist klar, wird sie nur wenige in Essen sammeln. Der Berlinerin hat Eick den Job zugeschanzt, unprofitable Töchter und Randaktivitäten des vormals Karstadt-Quelle genannten Unternehmens ersatzlos abzuwickeln.

Geschmeidiger drückt dies Arcandors Vorstandschef freilich selbst aus: Den Shops und Technikcentern von Quelle, dem Internetkaufhaus Myby und zwölf Karstadt-Warenhäusern – darunter KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger – verspricht er eine „externe Entwicklung“ .

Die blumige Umschreibung aber macht für Seeger die Sache keineswegs leichter. Jeder dritte Mitarbeiter im Versandhandel und nahezu jeder fünfte in der Warenhaussparte hat damit um die Zukunft seines Arbeitsplatzes zu fürchten. Eine andere Wahl aber bleibt den Essenern wohl nicht. Misslingt es Arcandor, den massiven Geldabfluss aus dem Geschäft zu stoppen, droht die Insolvenz.

Gleich nach dem Abgang des glücklosen Sanierers Thomas Middelhoff setzte Nachfolger Eick deshalb alle Hebel in Bewegung, um die Banken mit überarbeiteten Firmenkonzepten bei der Stange zu halten. Verweigern sie dem ehemaligen Telekom-Finanzchef die Gefolgschaft, gehen bei Arcandor womöglich schon im Juni die Lichter aus.

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