Zwei Jahre nach der Lehman-Pleite: Der tiefe Fall der Erin Callan

Zwei Jahre nach der Lehman-Pleite
Der tiefe Fall der Erin Callan

Der große Moment der Ex-Lehman-Finanzchefin dauerte nur kurz an: Die Pleite der US-Investmentbank schadete auch ihr massiv. Ganz vergessen kann sie auch heute die Insolvenz nicht - denn noch laufen die Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht.
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NEW YORK. Für einen Moment ist Erin Callan die wichtigste Frau der Wall Street. Ihre Telefonkonferenz im März 2008 überzeugt Analysten, dass es offenbar doch nicht so schlecht steht um Lehman Brothers. Callan ist erst seit drei Monaten Finanzchefin der US-Investmentbank und damit die erste Frau im Vorstand in der 160-jährigen Firmengeschichte. Während sie mit den Analysten spricht, steigt der Aktienkurs. Das hat er lange nicht mehr getan.

Doch Callans großer Moment währt nicht lange. Drei Monate später tritt sie zurück. Heute vor zwei Jahren beantragt Lehman Insolvenz. Der Kollaps der Bank reißt auch Callan mit in die Tiefe. Während die meisten ihrer früheren Kollegen heute bei einer anderen Bank an ihrer Karriere arbeiten, lebt die einstige Powerfrau der Wall Street zurückgezogen und will mit der schillernden Finanzwelt offenbar nichts mehr zu tun haben. Für kurze Zeit heuert sie nach Lehmans Insolvenz beim Konkurrenten Credit Suisse an. Dort hält es die ambitionierte Juristin mit Harvard-Abschluss jedoch nur wenige Monate aus.

Von einer längeren Beurlaubung kehrt sie nicht mehr zurück. Callan flüchtet ans Meer. Im 160 Kilometer entfernten East Hampton lebt sie Medienberichten zufolge in ihrem Ferienhaus, das sie 2005 für 3,9 Mio. Dollar gekauft haben soll.

Der neue starke Mann an ihrer Seite sei ein New Yorker Feuerwehrmann, mit dem sie zusammen zur Schule gegangen ist, heißt es. Interviews gibt sie nicht. Ein Fitness-Trainer verrät dem US-Magazin "Fortune", dass die ehemalige Turnerin und Tennisspielerin regelmäßig Spinning-Kurse besucht und beim Strampeln auf einem stationären Rennrad die anderen Frauen motiviert.

So schnell wird Callan ihre Zeit an der Wall Street jedoch nicht vergessen können. Die Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC laufen. Im März kam ein Gerichtsbericht zu dem Schluss, dass die Bank irreführende Tricks genutzt hat, um ihre Bilanzen zu schönen. Callan sei demnach eine von vier Vorständen, die dafür die Verantwortung tragen müssten. Besonders sie als Finanzchefin habe mehrere Warnsignale, vor allem in Bezug auf zweifelhafte Wertpapiergeschäfte, ignoriert. Der Fall Lehman ist auch für Callan noch längst nicht abgeschlossen.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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