Zweitkarriere
Ricke scheitert als Finanzinvestor

Eine große Adresse für den deutschen Mittelstand sollte der Fonds von Kai-Uwe Ricke werden. Doch die zweijährige Suche des ehemaligen Chefs der Deutschen Telekom nach Investoren blieb erfolglos. Am Ende mussten Ricke und seine Partner Miete, Dienstreisen und Büroeinrichtung aus ihrem eigenen Portemonnaies bezahlen.

BONN. Der ehemalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke ist mit seinem Versuch, eine zweite Karriere als Finanzinvestor zu starten, gescheitert. Seine Fondsfirma, German Private Equity Partners, die im August 2007 ins Schweizer Handelsregister eingetragen wurde, ist Ende Juni durch Beschluss einer außerordentlichen Generalversammlung aufgelöst worden. Dies geht aus behördlichen Dokumenten hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Sein Fonds befindet sich damit in Liquidation.

Ricke ließ dies auf Anfrage bestätigen. Man habe zwar Zusagen von Privatleuten erhalten, die in seinen Fonds investieren wollten. Dann habe aber die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Finanzkrise erzeugt - und keiner habe sich mehr getraut zu investieren.

Ricke und seine Partner Claus Peter (Ex- Société Générale), Hartmuth Jung (Ex-UBS) und der frühere FAZ-Journalist und spätere Vermögensverwalter Michael Gotthelf müssen nun ihr Projekt auf eigene Kosten begraben. Die Ausgaben für Büro und ähnliches hätten die Partner selbst gezahlt, erklärt ein Sprecher von Ricke.

Es ist ein Scheitern nach großen Plänen. Ende 2007 hatte Ricke in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, er wolle 500 bis 750 Mio. Euro einwerben, um damit Übernahmen bis zu 2,3 Mrd. Euro zu finanzieren. Dem "Manager Magazin" sagte Ricke im Februar 2008, sein Fonds werde im zweiten Quartal 2008 starten. German Private Equity Partners mit Sitz im Schweizer Steuerparadies Zug solle eine große Adresse für den deutschen Mittelstand werden.

Kenner wundert das Aus für Ricke nicht: "Es war 2008 für die ganze Private Equity Branche schwer, an Geld zu kommen", sagt ein Fonds-Manager. Dass die gebeutelten Investoren einem Branchenneuling wie Ricke in der Krise vertrauen würden, sei von vornherein unwahrscheinlich gewesen. "Als dann auch noch die Telekom-Sache hochkochte, machte jeder einen Bogen um Ricke."

Gemeint ist die Datenaffäre der Deutschen Telekom. Im Frühjahr 2008 kam heraus, dass Sicherheitsmitarbeiter des Konzerns die Telefonverbindungen von Aufsichtsräten, Journalisten, Betriebsräten, aber auch eigenen Vorständen ausspioniert hatten. Ziel war, herauszufinden, wer Interna an die Presse weitergeleitet hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen acht Beschuldigte - darunter auch den ehemaligen Telekom-Chef Ricke. Der bestreitet bislang jedoch, von der Schnüffelei gewusst geschweige denn sie in Auftrag gegeben zu haben.

Ricke ist nicht der einzige prominente Ex-Vorstand, der sich in der Finanzbranche versuchte. Der ehemalige Mannesmann-Vorsitzende Klaus Esser ging 2000 als Europachef zum Private Equity Haus General Atlantic (GA). Sein letzter Deal liegt aber schon zwei Jahre zurück. Seit Ende 2008 hat Esser keine Managementaufgaben mehr, sagt eine GA-Sprecherin. Er sei nun "Advisory Director", aber noch immer stark involviert in das Investmentgeschäft. Ulrich Schumacher, der frühere Infineon-Chef, blieb nur zwei Jahre beim Finanzinvestor Francisco Partners. Wolfgang Bernhard (Daimler) beriet den Finanzinvestor Cerberus beim Kauf des zwischenzeitlich insolventen US-Autoherstellers Chrysler.

Das Verhältnis zwischen Fonds und ehemaligen Industriekapitänen ist also nicht immer ganz unbelastet. Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele. So gelang es dem ehemaligen Thyssen-Chef Dieter Vogel vor kurzem, 4,7 Mrd. Dollar für seinen Fonds Lindsay Goldberg Vogel einzusammeln.

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