Management
Zwischen Spätzle und Deichselbohrer

Wenn Dieter Brucklacher von einer Auslandsreise zurückkommt, sehnt er sich nach der schwäbischen Küche. In den Landgasthöfen rund um seine Heimat Oberkochen am Rande der Ostalb ist er bekannt für seine Vorliebe für Spätzle, Rostbraten und Trollinger. Bodenständig ist das Essen, bodenständig sind die Lokale.

OBERKOCHEN. Und bodenständig ist auch der Unternehmer Dieter Brucklacher, Geschäftsführender Gesellschafter der Leitz GmbH & Co. KG aus Oberkochen. Hier wurde er geboren, hierher ist er nach dem Physikstudium und der Arbeit am Kernforschungszentrum Karlsruhe zurückgekehrt, um die Firma seiner Frau zu führen.

Künftig wird er häufiger nach Frankfurt zur Zentrale des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) reisen, denn ab Freitag ist er dessen Präsident.

Brucklacher ist ein echter Mittelständler, wie sie für den deutschen Maschinenbau so typisch sind. Seine Unternehmensgruppe, ein Verband von Firmen, die Werkzeuge für die Bearbeitung von Holz, Metall und Kunststoff herstellen – und nichts mit anderen Leitz-Firmen zu tun hat –, entstand 1876 und wird heute in der vierten Generation geführt. Aus der Werkstatt für Handbohrer, Hobelmesser und Beile ist eine Gruppe mit einem Umsatz von 540 Millionen Euro und 6 300 Beschäftigten in 30 Ländern entstanden. Sie umfasst rund 80 Firmen – die genaue Zahl muss der Chef selbst erst erfragen.

Wie viele andere produziert Brucklacher auch im Ausland – aber bisher nicht wegen der hohen deutschen Löhne. „1961 gründeten wir das Werk in Riedau in Österreich, um die Zollschranken der Efta zu überwinden und aus dem neutralen Österreich besser in die damaligen Comecon-Länder liefern zu können“, sagt er. Das Werk im Südtiroler Lana sollte die früher zahlreichen Sperrungen des Brenners umgehen. Eine Fabrik in China könnte eine Art verlängerte Werkbank werden.

Doch Brucklacher steht zum Standort Oberkochen. „Mir ist es eine innere Pflicht, für Beschäftigung hier zu sorgen. Als Unternehmer ist es unsere oberste Aufgabe, das Problem Arbeitslosigkeit anzugehen.“ Deshalb will er sich als VDMA-Präsident für die richtigen Rahmenbedingungen einsetzen.

Im Stammwerk geht er mit gutem Beispiel voran. Dort habe es seit 30 Jahren keine betriebsbedingten Kündigungen mehr gegeben, bestätigt Betriebsrat Reiner Kopp. „Er lässt die Beschäftigten in schlechten Zeiten lieber andere Arbeiten wie Renovierungen machen, statt sie zu entlassen oder Kurzarbeit zu beantragen“, sagt Kopp. „Er verhandelt hart, sucht aber stets den Dialog, ein Vollblutunternehmer.“

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