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18.03.2008 
Ein Vergleich: IMD, Insead und London Business School

Die europäische Top-Liga

von Christoph Mohr

Die Lage ist übersichtlich. Wenn es um die besten MBA-Schulen in Europa geht, sprechen alle Rankings, Experten und sonstigen Auguren eine eindeutige Sprache: Es gibt IMD, Insead, die London Business School, und dann lange nichts. Doch ein Vergleich der einzelnen Schulen lohnt sich für potenzielle MBA-Interessenten, denn wenn die drei Business Schools auch in derselben Top-Liga spielen, ist die Lernerfahrung, die sie bieten, doch ganz unterschiedlich.

IMD

Die Schule: Das International Institute for Management Development, weltweit nur als IMD bekannt, ist aus der ehemaligen Weiterbildungseinrichtung des Nestlé-Konzern hervorgegangen, die 1990 mit dem von Alcan Aluminium gegründeten IMI fusionierte. Den Aufstieg in die Top-Liga der Business Schools verdankt die Schule mit ihren heute ca. 60 Professoren allerdings vor allem Professor Peter Lorange. Eine sagenhafte Erfolgsgeschichte: Als der Norweger vor 15 Jahren den IMD-Chefsessel einnahm, machte die Schule einen Jahresumsatz von 35 Millionen SFr und hatte 25 Millionen SFr Schulden. Heute ist sie schuldenfrei und macht über 115 Millionen SFr Umsatz, das meiste davon mit Managerfortbildung. Seit 2002 unterhält das IMD auch eine Kooperation mit der MIT Sloan School of Management.

Die Location: Ursprünglich in einer Villa am Genfer See beheimatet, ist das IMD über die Jahre gewachsen und gewachsen, und erstreckt sich heute über mehrere hochmoderne Gebäude. Von der parkähnlichen Anlage sind deshalb nur noch wenige Rasenflächen übrig geblieben, die gerne von Arbeitsgruppen genutzt werden. Bis zum Stadtzentrum von Lausanne sind es etwa 20 Minuten - steil bergauf.

Die MBA-Programme: Das sich nur über elf Monate erstreckende IMD-Vollzeit-MBA-Programm (58 000 SFr) ist eines der kürzesten und mit lediglich 90 Teilnehmern auch kleinsten MBA-Programme aller Top-Schulen. Von der Struktur ähnelt es darüber hinaus eher einem Leadership-Programm. Die Mehrheit der Teilnehmer ist zwischen 28 und 32 Jahre alt und verfügt über durchschnittlich sieben Jahre Berufserfahrung. Die Zusammensetzung ist sehr international und praktisch alle Teilnehmer haben bereits Auslandserfahrung, was sich auch in der Tatsache widerspiegelt, dass die meisten vier (!) Sprachen sprechen. Die Absolventen gehen anders als bei anderen Business Schools überwiegend in die Industrie.

Neben dem Vollzeit-MBA bietet das IMD auch einen berufsbegleitenden Executive MBA (122 000 SFr) an, dessen ca. 60-70 Teilnehmer zwischen 35 und 50 Jahren alt sind. Die Besonderheit dieses in sechs Bausteinen aufgebauten EMBA liegt darin, dass zwei Module aus dem IMD Program for Executive Development (PED) stammen, so dass sich PED-Teilnehmer diese später auf den MBA anrechnen lassen können.

Sonstige Programme: Keine weiteren Master-Programme; kein Ph.D. -Programm

Executive Education: Ein Großteil der IMD-Aktivitäten besteht aus hochkarätigen Weiterbildungsprogrammen für Manager (executive education) aller Hierarchiestufen. Hier ist die Business School einer der weltweiten Marktführer. Aushängeschild ist das seit 1994 angebotene, einwöchige Programm "Orchestrating Winning Performance" (OWP), für das das IMD eine Vielzahl seiner besten Professoren und Dozenten auffährt. Eine Alternative zum MBA-Programm sind das zehnwöchige Program for Executive Development oder das dreiwöchige "Building on Talent"-Programm für High Potentials.

Schwächen: Die geringe Teilnehmerzahl des MBA-Programms bewirkt, dass die Zahl von MBA-Alumni weltweit und auch in Deutschland begrenzt ist, was den Zusammenhalt und das Networking-Potenzial begrenzt. Offen bleibt, inwieweit John R. Wells, der in diesen Tagen den IMD-Chefsessel übernimmt, die großen Schuhe seines Vorgängers Peter Lorange füllen kann. Sonst würde sich der große Erfolg des vielleicht besten Business School-Chefs Europas auch als die größte IMD-Schwäche erweisen.

www.imd.ch

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Alle Infos zu Insead

Insead

Die Schule: Das 1957 als Institut Européen d'Administration des Affaires gegründete Insead verstand sich von Beginn an als europäische Harvard Business School mit dem Ziel, international ausgerichtete Manager hervorzubringen. Mit über 1000 Diplomstudenten Diplomstudenten (MBA, EMBA, Ph.D.), 140 Professoren und Dozenten und ca. 17 000 Ehemaligen ist Insead heute eine der großen Business Schools in Europa. Seit dem Jahr 2000 ist Insead mit dem eigenen "Asia Campus" in Singapur vertreten und damit heute die einzige der Top-Business School weltweit, die an zwei Standorten einen vollen Studienbetrieb unterhält. Darüber hinaus unterhält Insead ein Centre for Executive Education in Abu Dhabi, ein Forschungszentrum in Israel und eine Repräsentanz in New York. Seit 2001 unterhält Insead eine Kooperation.

Die Schule ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation mit einem international mit Managern besetzten Board.

Die Location: Fontainebleau ist eine französische Kleinstadt, eine Autostunde südlich von Paris gelegen. Insead unterhält hier einen weitläufigen Campus, dessen internationale Atmosphäre schnell vergessen lässt, dass man hier auf französischem Boden ist. Viele MBA-Studenten wohnen in einer Wohngemeinschaft in einem kleinen, angemieteten "Château". Legendär sind die Insead-Partys, die von den einzelnen Nationalitäten ausgerichtet werden.

Die MBA-Programme: Mit fast 900 Teilnehmern ist das einjährige Insead-Vollzeit-MBA-Programm (50 000 Euro) eines der größten MBA-Programme in Europa. Die Teilnehmerzusammensetzung ist sehr international (über 75 verschiedene Nationalitäten). Die Größe erlaubt auch ein großes Angebot an Kursen (80 verschiedene Wahlpflichtkurse). Zwei Drittel der Teilnehmer nutzen auch die Gelegenheit, einen Teil des MBA-Programms entweder in Singapur oder an der Wharton School zu absolvieren.

Das sich über 14 Monate erstreckende Executive MBA-Program (90 000 Euro) besteht aus acht Präsenzblöcken, die sowohl in Fontainebleau als auch in Singapur absolviert werden. Seit 2007 bietet Insead auch ein Doppeldiplomprogramm (EMBA) mit der chinesischen Universität Tsinghua (Beijing) an.

Sonstige Programme: Insead bietet ein eigenes zweijähriges Ph.D. -Programm nach amerikanischem Vorbild an, das auf eine akademische Karriere an einer internationalen Business School vorbereiten soll und aus dem mittlerweile ca. 100 Jungwissenschaftler hervorgegangen sind. Seit kurzem gibt es auch ein eigenes Master of Finance-Programm.

Executive Education: 9 500 Manager besuchen jedes Jahr eines der zwei Dutzend verschiedenen Fortbildungsprogramme (executive education) an einem der Insead-Standorte.

Schwächen: Mit einem Stiftungsvermögen (endowment) von ca. 100 Millionen Euro ist Insead "zu arm", um mit den großen US-Schulen mithalten zu können. Insead fehlt es auch an "Management-Gurus" von internationaler Bekanntheit. Verschiedene Führungswechsel in den letzten Jahren haben auch zu einer gewissen Management-Diskontinuität geführt.

www.insead.edu

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Alle Infos zur London Business School

London Business School

Die Schule: Formal eine Graduate School of Management der University of London genießt die 1964 gegründete London Business School weite Autonomie. Ihre große Stärke zieht sie aus dem Standortvorteil London als einem der führenden Finanzzentrum der Welt. Entsprechend international ist die LBS sowohl bei Professoren und Dozenten als auch bei MBA-Studenten und sonstigen Programmteilnehmern. Die LBS sieht sich als einzige europäische auf Augenhöhe mit den großen amerikanischen Business School wie Harvard, Wharton, Columbia etc. Die LBS ist eine der forschungsstärksten europäischen Business Schools.

Die Location: Die Schule verfügt über ein eigenes Gebäude am noblen Regent?s Park.

Die MBA-Programme: Das ursprünglich nach US-Vorbild konzipierte 21-monatige MBA-Programm (44 500 Pfund) kann heute auch in einer eher "europäischen" 15-monatigen Variante absolviert werden. Neben dem großen eigenen Kursangebot besteht auch die Möglichkeit zu einem Austauschsemester an einer von 30 verschiedenen Partneruniversitäten.

Neben dem Vollzeit-MBA-Programm bietet die LBS auch ein sich über 20 Monate erstreckendes berufsbegleitendes Executive MBA-Programm (45 900 Pfund), sowie in Kooperation mit der Columbia Business School in New York den "EMBA-Global" (133 000 US-D), der in London und New York absolviert wird und mit dem MBA-Diplom beider Business Schools abschließt. Ähnlich konzipiert ist auch der "Dubai-London-EMBA".

Sonstige Programme: In Deutschland weniger bekannt ist die Tatsache, dass die LBS neben dem MBA auch eine Reihe hochkarätiger Masterprogramme anbietet, darunter einen Masters in Finance (MiF) und den Solan Fellowship MSc, ein zehnmonatiges Master in Management-Programm. Interessant ist auch das eigenständige Ph.D. -Programm.

Executive Education: Etwa 6 000 Manager jährlich besuchen eines der LBS-Fortbildungsprogramme. Besonders stark ist die Schule hier insbesondere im Bereich Finance.

Schwächen: Das LBS-Gebäude ist nur von der Schauseite imposant; tatsächlich leidet die Schule an Raumknappheit. Das Interesse der Schule an Deutschland scheint schwach; entsprechend gering sind die Kontakte zu Deutschland und die Zahl deutscher MBA-Studenten und Alumni.

www.london.edu
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