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28.03.2008 

Interessanterweise haben Sie Ihren MBA (88-90) ja zum Zeitpunkt einer der größten Wall-Street-Krisen gemacht. Inwieweit hat das die Atmosphäre geprägt?

Es hatte in den Jahren zuvor viele mit Fremdkapital finanzierte Übernahmen gegeben, einige dieser Leveraged Buy-outs gehörten zu den Deals der Finanzgeschichte. Und nun gerieten in der Krise ganze Banken ins Taumeln. Das war für viele MBA-Studenten, die im zweiten Studienjahr mit der Job-Suche beschäftigt waren, ein ziemlicher Schock.

Und für Sie?

Für mich nicht. Ich habe zwar im Sommer 1989 ein Praktikum bei der Investmentbank Morgan Stanley in London gemacht, aber eigentlich war für mich klar, dass ich nach meinem MBA zurück zu McKinsey wollte.

Wieso zurück?

Ich hatte als Student ein Praktikum bei McKinsey gemacht.

Nun müssen Sie als McKinsey-Deutschland-Chef natürlich sagen, McKinsey sei die tollste Company der Welt. Aber mal ehrlich, gab es wirklich keine andere denkbare Alternative?

Es gab auch Angebote von Großunternehmen. Ich wollte aber bei McKinsey die bestmöglichen Voraussetzungen fürs Topmanagement schaffen.

Und jetzt sind Sie nur Berater... und da ist McKinsey nachweislich eines der besten Sprungbretter. Viele McKinsey-Berater gehen nach einigen Jahren ins Topmanagement großer Unternehmen. Eine solche Vielfalt an Optionen haben Sie bei kaum einem anderen Unternehmen.

Wie viel von dem, was Sie in Ihrem MBA gelernt haben, konnten Sie denn in Ihrer McKinsey-Karriere umsetzen?

Die Finanzmärkte waren zu dem Zeitpunkt, als ich mit meinem MBA fertig war, in ihrer Entwicklung in den USA deutlich weiter als in Deutschland. Das kennengelernt zu haben, konnte ich als Berater in Deutschland nutzen, beispielsweise bei der Frage, wie man Börsenhandel organisiert. Es ist ja bekannt, dass wir unter anderem an der Entwicklung der Xetra-Handelsplattform der Deutschen Börse mitgewirkt haben. Aber das Entscheidende scheint mir etwas anderes zu sein: Sie lernen an einer guten Business School, Dinge in Frage zu stellen, viel grundsätzlicher, kompromissloser. Es ist eine andere Art zu denken. Eben die Fragestellung: Kann man eine Sache vielleicht auch ganz anders machen? Das ist es, was wir auch ständig bei McKinsey fragen.

Was ist mit Management-Know-how?

Eine Lektion sozusagen fürs Leben ist der an Menschen orientierte Ansatz. Oft scheitert ein Vorhaben in einem Unternehmen ja nicht daran, dass der Manager in der Sache falsch liegt. Aber er hat vielleicht keinen Erfolg, weil etwas in der Organisation oder an seinem Umgang mit Menschen nicht stimmt. Man kann inhaltlich Recht haben und trotzdem grandios scheitern.

Hätten Sie auch ohne Stipendium einen MBA gemacht?

Ja, unbedingt. Sie finden immer eine Finanzierungsmöglichkeit, wenn Sie wirklich einen MBA machen wollen und die Voraussetzungen mitbringen. Ich habe jedenfalls noch niemanden getroffen, bei dem ein MBA am Geld gescheitert wäre.

Zum Mythos MBA gehört auch die ungeheuere Arbeitsbelastung, die Vier-Stunden-Nächte?

Arbeiten müssen Sie an einer deutschen Universität auch. Es stimmt: Sie werden an einer Business School zugeschüttet mit Fallstudien. 80 Seiten Papier in zwei Stunden, und dann müssen Sie zu einer Lösung kommen. Aber man kann nicht sagen, dass ich an der Uni Münster weniger gearbeitet hätte.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: McKinsey und MBA

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