Nirgendwo gibt es an einem Ort mehr hochklassige MBA-Angebote als in London. Mit einigen Unterschieden. Ein Überblick über die wichtigsten Business Schools.
Man könnte London, Europas Zentrum des Geldes und der Finanzen, auch MBA-Kapitale nennen. Tatsächlich gibt es in keiner anderen Stadt in Europa oder den USA so viele MBA-Angebote an einem Ort. Ein gutes Dutzend Anbieter sucht zahlungskräftige Studenten, wobei etwa die Hälfte tatsächlich für deutsche MBA-Interessenten in Frage kommt.
Wohl gemerkt: Wir reden bei London Business School, Tanaka und Cass, bei LSE, Henley und Chicago von MBA-Programmen, die zur ersten europäischen Liga gehören. Das ist eine Spielklasse höher als selbst die Spitzengruppe der sechs bis sieben führenden MBA-Anbieter in Deutschland. Damit wird London, auch wegen der glänzenden Job-Chancen für MBA-Absolventen in der Finanzindustrie der City, zu einer MBA-Destination, die sich jeder MBA-Interessent mit Ambition genauer anschauen sollte.
Natürlich gibt es auch zwischen den Schulen in London signifikante Unterschiede. Hier folgt alles, was man wissen sollte, wenn man sich für einen MBA in London interessiert.
London Business School
Die London Business School (LBS) ist ohne Zweifel nicht nur die beste britische Business School, sondern formt mit IMD (Lausanne) und Insead (Fontainebleau) auch das europäische Spitzentrio. Formal eine Graduate School of Management der University of London, genießt die 1964 gegründete LBS weite Autonomie. Die LBS sieht sich als einzige europäische Schule auch auf Augenhöhe mit den großen amerikanischen Business Schools. Sie bezeichnet sich selbst gerne als "pre-eminent global business school".
Man mag das für ein bisschen dick aufgetragen und sehr unbritisch halten. Tatsache bleibt, dass kaum eine Business School weltweit so international wie die LBS ist, und das sowohl in Bezug auf ihre Studenten als auch ihre Forscher und Forschung.
Daraus ergibt sich möglicherweise auch ihre größte Schwäche: Die LBS hat es nicht nötig, sich besonders für Deutschland zu interessieren und hat deshalb auch nur begrenzt Kontakte nach Deutschland und zu Arbeitgebern hierzulande. Das begrenzt auch die Job-Chancen von LBS-MBA-Absolventen in Deutschland.
Cass Business School
Hinter der Cass Business School verbirgt sich die nach einer Millionenspende durch die Sir John Cass's Foundation umbenannte ehemalige City University Business School. Sie stand lange im Schatten der alles überragenden London Business School, hat aber in den letzten Jahren ein eigenes Profil entwickeln können, wovon auch ihre hochmodernen Gebäude in den beiden Londoner Finanzvierteln City und Canary Wharf zeugen.
Finance ist denn auch die besondere Stärke der Schule. Übrigens nicht nur beim MBA: Wer sich in diesem Bereich spezialisieren will, dem bietet die Schule neben dem MBA noch rund 20 andere spezialisierende Programme mit Master-of-Science-Abschluss (MSc) an. Einige davon sind einmalig in Europa.
Tanaka Business School
Vielleicht den spannendsten Aufstieg unter den Londoner MBA-Schulen kann man gegenwärtig bei Tanaka, der Business School des Imperial College, beobachten. Historisch gesehen ist das Imperial College die Hochschule für Wissenschaft und Technik des britischen Empire. Ihre Management School, die ihren neuen Namen einer 27-Millionen-Pfund-Spende eines Absolventen, des US-IT-Investors Gary Tanaka, verdankt, wurde erst 1987 gegründet. Das Imperial College ist mit 14 Nobelpreisträgern eine der führenden technischen Hochschulen Europas. Die hier erdachten Ideen werden häufig von Startup-Unternehmen erfolgreich umgesetzt.
Die Tanaka Business School gilt auch als Geheimtipp für angehende Unternehmensgründer. Eine weitere Stärke liegt im Health Care Management. Wer auf ein deutsches Ingenieurstudium einen MBA aufsatteln will, der sollte sich Tanaka genauer anschauen. Das gilt auch für die Verantwortlichen an den deutschen TU, um zu lernen, wie man ein MBA-Programm aufbaut.
London School of Economics
Die London School of Economics and Political Science (LSE) versteht sich als Ausbildungsstätte der globalen Elite. Unbestritten ist die Weltklasse der LSE in den Sozialwissenschaften und als intellektuelle Ideenschmiede. Manager-Ausbildung im engeren Sinne betreibt die LSE allerdings nicht.
Eine Ausnahme stellt der berufsbegleitende MBA, den die LSE zusammen mit der Pariser Business School HEC und der Stern School of Business in New York (NYU) seit einigen Jahren anbietet. Dieses "Trium MBA" genannte Programm führt die Teilnehmer auch nach Shanghai und in eine südamerikanische Metropole. Spöttisch kann man es auch als Jet Set-MBA für zeitknappe Menschen bezeichnen: Der "Trium MBA" nimmt nur 10 Präsenzwochen über einen Zeitraum von 16 Monaten ein.
University of Chicago
Die University of Chicago Graduate School of Business ist eine der allerbesten Business Schools in den USA. Seit einigen Jahren bietet sie ihren berufsbegleitenden Executive MBA auch in Europa an; zuerst mit einem eigenen Campus in Europa, nun in London. Das sich über 21 Monate erstreckende Programm umfasst 15 Präsenzwochen, davon 13 in London, zwei in Chicago und eine in Singapur. www.chicagogsb.edu n Henley Management College. Henley gehörte seit Jahren zu den in Deutschland aktivsten britischen MBA-Anbietern. Gegenwärtig macht die Schule eine Transformation durch. Ausgang offen.
