24.05.2006

Erfahrungsberichte: So ist der MBA wirklich

Denis Francis, MBA-Student am Instituto de Empresa (IE) in Madrid schwärmt: "In meiner Arbeitsgruppe haben wir tatsächlich acht verschiedene Berufe und Nationalitäten: ein Unternehmensberater aus Dänemark, eine Public Relations-Spezialistin aus Indien, ein Investmentbanker aus Italien, ein IT-Berater aus Litauen, ein peruanischer Ingenieur, ein Marketing-Manager aus Saudi-Arabien, eine Juristin aus den USA..."

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von Christoph Mohr
Die Begeisterung des 24-jährigen Kölners, dem Bayer die Teilnahme an dem MBA-Programm finanziert, ist typisch. Denn fragt man Deutsche, die gegenwärtig an einer der führenden europäischen MBA-Schulen studieren, nach ihren ersten Erfahrungen und Überraschungen, dann kommen so gut wie nie Berichte über die klassischen MBA-Programminhalte, über "Finance" oder "Strategy". Was die Deutschen beeindruckt, ist die internationale Zusammensetzung der Studentenschaft und Arbeitsgruppen - mitsamt der damit verbundenen Probleme.

So weiß auch Rudolf Hausladen, MBA-Student an der Cranfield School of Management, über Spannungen in den Teams zu berichten. "Intercultural Management" hautnah, nennt das Ralf Rieckmann, MBA-Student an der Nimbas im niederländischen Utrecht. "Unterschiedliche Grundeinstellungen zu Terminen, Hierarchien oder auch simplen Gesten". Manchmal kommt es sogar zum großen Knall: "Die Nimbas-Verantwortlichen haben versucht, die Wogen zu glätten; bislang erfolglos. Sie haben uns aber einen sehr wichtigen Ratschlag mit auf den Weg gegeben: Wir sollen den Konflikt und seine Entstehung als Lernerfahrung verbuchen."


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Auch eine zweite Erfahrung machen die deutschen MBA-Studenten: Obwohl sie alle aus Jobs kommen, in denen sich nicht gerade wenig gearbeitet hatten, ist die Arbeitsbelastung und der Stress in einem MBA-Programm doch deutlich höher als erwartet. Alle berichten über den Dauerdruck von "Assignments" (zu erledigenden Aufgaben) und anstehenden Prüfungen.

"Auch wenn eine Aufgabe geschafft ist, bleibt nie Zeit zum Ausruhen", berichtet Rudolf Hausladen, der immerhin auf zehn Jahre Berufserfahrung zurückblickt. "Bei jedem war nach den ersten Prüfungen erst einmal die Luft raus, aber wir hatten unterschätzt, was noch kommen würde". Da entwickeln selbst Deutsche britischen Sarkasmus: "Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen. Und ich lächelte und war froh - und es kam schlimmer..."
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