Auch wenn die Zahl der Bewerber für MBA-Programme an einer Top-Business School seit dem Rekordjahr 2001 zurückgegangen sein mag, bleibt es doch verdammt schwer, an einer renommierten Schule aufgenommen zu werden. Denn zum einen ist die Bewerberzahl nach wie vor so groß, dass eine Top-Schule wie beispielsweise die Stanford Graduate School of Business nur jeden 12. Bewerber akzeptiert. Zum anderen steigt die Qualität der Bewerber und damit natürlich auch die Konkurrenz.
Da man als Bewerber keinerlei Einfluss auf die Qualität oder Quantität seiner Mitbewerber hat, ist es wichtig, bei der eigenen Bewerbung äußerste Sorgfalt walten zu lassen, um sich den nötigen Vorsprung zu verschaffen. Im Laufe dieses Artikels nehmen wir den Bewerbungsprozess unter die Lupe und legen in neun Schritten dar, wie man sich von der Masse abheben kann.
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SCHRITT 1: Das Zulassungsverfahren verstehen
Das Auswahlverfahren für MBA-Programme unterscheidet sich deutlich von anderen Programmen, bei denen vor allem vorausgehende akademische Leistungen oder Zulassungstests entscheiden. Natürlich gibt es beim MBA auch den Standardtest GMAT, aber ein gutes GMAT-Ergebnis garantiert noch keinen Platz bei einer Top-Business School.
Genauso wichtig sind Leistungen und Erfolge im Privat- und Berufsleben sowie erwiesenes Leadership-Potenzial. Doch eine magische Formel gibt es nicht. Um ein besseres Verständnis des Charakters und der Stärken und Schwächen eines Bewerbers zu erhalten, richten die Zulassungskomitees ihre Aufmerksamkeit auf die folgenden Elemente eines Bewerbungspakets:
1. Akademische Qualifikationen
Das M in MBA steht für Master, und das nicht umsonst. Es ist sehr wichtig dass man gute akademische Qualifikationen vorweisen kann. Dazu gehören:
- eine beglaubigte Kopie des Universitätsabschluss mit Notendurchschnitt. (Dafür sollte man genügend Zeit einplanen, damit die Originale von einem offiziellen Übersetzungsdienst übersetzt werden können.)
- das GMAT - Ergebnis (und TOEFL für alle, deren Muttersprache nicht Englisch ist).
2. Berufserfahrung
Alle Top-MBA-Programme setzten ein Minimum von 2 Jahren Berufserfahrung voraus. Ausnahmen gibt es manchmal für Leute mit Promotion, und oft wird der Militär- bzw. Zivildienst teilweise als Berufserfahrung angerechnet.
3. Persönliches Profil
Für Deutsche ungewöhnlich, schauen Business Schools bei der Auswahl ihrer MBA-Studenten sehr stark auf das persönliche Profil. Dazu gehören alle möglichen Erfolge im nicht-beruflichen Bereich, Wettbewerbe, die gewonnen wurden, Konzerte, die vor großem Publikum gegeben wurden, gemeinnützige Arbeit, die geleistet wurde, etc. Allerdings sollte man eine lange und oberflächliche Liste von mittelmäßigen Leistungen vermeiden.
Um all diese Elemente der Bewerbung effizient zusammenzustellen, sollte man von Anfang an einen guten Zeitplan aufstellen und diesem stets einen Schritt voraus sein. Bis man alle Dokumente beisammen hat, kann eine geraume Zeit dauern. Ganz gleich, ob man sich lediglich für eine Schule gezielt bewirbt oder mehrere MBA Programme ins Auge fasst, es ist unerlässlich, dass man genügend Zeit einplant, um eine makellose Bewerbung abzuliefern. Man sollte dies quasi als Marketing in eigener Sache betrachten und sich stets vor Augen halten, dass die Bewerbungsunterlagen eine der wichtigsten Chancen sind, die Bewerbung positiv zu beeinflussen.SCHRITT 2: Recherche über Business Schulen
Ob man sich bei INSEAD, IMD, MIT oder Michigan bewirbt - alle Business Schulen erwarten, dass man seine Wahl der Schule eingehend begründen kann. Dies wird oft auch über die Essay abgefragt und meist zuerst gelesen. Es ist daher ratsam, sich vorab Gedanken über diesen ersten, wichtigen Eindruck zu machen, und in circa 300 Worten eloquent erklären zu können, was den Bewerber zur Auswahl einer bestimmten MBA-Programms motiviert hat und wie die jeweilige Schule zur Verwirklichung der Karrierepläne des Kandidaten beitragen kann.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich über Business Schulen zu informieren, angefangen bei Websites über Bücher und Ratgeber bis hin zu speziellen Organisationen, nicht zuletzt natürlich Zeitungen und Zeitschriften wie das "Handelsblatt", die "Financial Times" oder "Business Week" und deren Websites. Und natürlich die MBA-Messe "World MBA Tour", die zweimal im Jahr in Deutschland (Frankfurt und München) stattfindet.
Besonders empfohlen sei auch, sich selbst vor Ort bei einer Business School einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Persönliche Gespräche sind unersetzlich, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie das jeweilige MBA Programm in den Karriereplan des Kandidaten passen könnte, ob es das bietet, was man durch einen MBA erreichen möchte und ob man generell mit der Philosophie der Schule im Einklang steht. Bei den Schulen kommt es außerdem stets gut an, wenn man ein persönliches Treffen in einem der Essays erwähnt.SCHRITT 3: Timing
Nach diesen Recherchen ist man in der Lage, die geeignete(n) Schulen zu bestimmen. Der nächste Schritt ist eine Sache des Timings. Obwohl einige Schulen behaupten, dass es kein ideales Timing für eine Bewerbung gibt, kann der Zeitpunkt der Bewerbungsabgabe doch eine große Rolle spielen.
Manche Business Schulen haben ein ganzjähriges Zulassungsverfahren. Dies bedeutet aber lediglich, dass die Schulen Anmeldungen über das ganze Jahr hinweg annehmen und innerhalb von ca. 6 - 8 Wochen auswerten.
Die meisten Business Schulen akzeptieren Bewerbungen hingegen in 3 bis 4 Phasen im Jahr, meist im Oktober/November, Januar und März/April bei einem Start des MBA-Programms im September. Bei diesem Verfahren entscheidet ein Komitee von Direktoren, Professoren und Studenten, welche Bewerbungen interessant sind und welche akzeptiert, abgelehnt oder auf die Warteliste gesetzt werden.
Entscheidungen werden nur bei vollständigen Bewerbungen getroffen. Wenn also ein oder mehrere Elemente einer Bewerbung fehlen, kann es durchaus passieren, dass die Bewerbung liegen bleibt oder ganz und gar verschollen geht.
Daher die wiederholte Betonung: Sorgfalt und gute Vorbereitung sind das A und O im Bewerbungsprozess. Je gewissenhafter die Bewerbung, desto positiver der Eindruck den man bei dem Zulassungskomitee erweckt. Es macht also keinen Sinn, eine halbfertige Bewerbung einzureichen, nur um eine Terminfrist einzuhalten. Da ist es schon besser, man wartet das nächsten Jahr ab und ist dann richtig vorbereitet.
Wenn man allerdings ausreichend Sorgfalt in die Bewerbung gesteckt und all Dokumente beisammen hat, ist es ratsam, die Bewerbung so früh wie möglich , d.h. in der 1. Phase, einzureichen, denn nun spielen Zahlen eine Rolle: Top-Business Schools erhalten ein Minimum von 4000 bis 5000 Bewerbungen für lediglich einige Hundert MBA Programmplätze pro Jahr. Anmeldefrist für Phase 1 ist generell Mitte Oktober, wenn alle (oder die meisten) Studienplätze noch frei sind. Zu diesem Zeitpunkt vergibt das Komitee Programmplätze an die zu diesem Zeitpunkt besten Bewerber.
Bis Januar, in Phase 2, sind im Schnitt etwa 50 Prozent der Plätze vergeben, und der Wettbewerb wird härter. In der 3. Phase reduziert sich diese Anzahl weiter und schlussendlich, kurz vor Anmeldeschluss der letzten Phase, sind nur noch wenige Plätze frei. Zusätzlich muss man in Betracht ziehen, dass in dieser letzten Phase, meist eine Woche vor Anmeldeschluss, die meisten Bewerbungen eingereicht werden. Daher kann man nicht genug betonen, dass eine gute Vorbereitung, zusammen mit dem richtigen Timing, einen deutlichen Vorteil verschaffen können.SCHRITT 4: Vorbereitung für den GMAT (und TOEFL)
Nichts spiegelt den Wettbewerb im MBA-Bewerbungsprozess so deutlich wider wie der GMAT, der Graduate Management Admissions Test. Dieser standardisierte Test ist ein fester Bestandteil der Bewerbung und wird oft als erstes von dem Komitee im Auswahlprozess zu Rate gezogen. Doch, wie schon erwähnt, der GMAT ist lediglich ein Teil von vielen, welcher zur erfolgreichen Bewerbung führt. Ein gutes Testergebnis allein öffnet generell noch keine Türen bei der Schule der Wahl, doch ohne gutes GMAT Ergebnis hat man deutlich geringere Chancen.
Die Zahlen sprechen Bände. In diesem Jahr werden ca. 210000 Bewerber den GMAT machen. Davon werden voraussichtlich weniger als 15000 ein Testergebnis erreichen, das den Anforderungen beispielsweise von Harvard,. Wharton oder INSEAD entspricht. Und lediglich 5000 erreichen ein Testergebnis, das für die Standards von Stanford ausreicht. Generell lässt sich sagen, dass erst ein GMAT-Ergebnis in der Gruppe der 10%-Besten die Aufnahme an einer dieser Schulen sichern kann.
Daher sollte man ausreichend Resourcen darauf verwenden, sich so gut wie möglich auf den GMAT vorzubereiten, um sich von dem Feld der Mitbewerber abzuheben. Der GMAT ist einer der Teile der Bewerbung, den man am besten durch intensive Vorbereitung beeinflussen kann. Nur so kann das Ergebnis dann zu einem Vorteil werden. Daher unser Rat: sich mittels Büchern, Kursen, Testsoftware und Expertenrat schlau machen und dann üben, üben, üben! Da dieser Test standardisiert ist, tauchen die gleichen Testbereiche wiederholt auf. Mit diesem Wissen und ausreichend Übung kann man böse Überraschungen am Testtag weitgehend vermeiden.SCHRITT 5: Essays
Teil einer jeden Business School-Bewerbung sind die Essays. Die Anzahl der geforderten Essays variiert von Schule zu Schule, aber die grundlegende Absicht ist für alle gleich: Essays bieten die beste Gelegenheit, die jeweiligen Kandidaten als Menschen kennenzulernen und deren persönliche Ziele und Motivationen zu erfahren, kurz: sich ein besseres Bild über den Bewerber zu machen. Typische Essays beinhalten Fragen zu Stärken und Schwächen des Bewerbers, Erfolge und Niederlagen, und was aus diesen gelernt wurde, und andere Bereiche, die für die einzelnen Schulen von Wichtigkeit sind.
In der Vorbereitung ist es wichtig, dass man sich Zeit nimmt, seine eigenen Schwächen, Stärken, Erfolge, Leistungen und Niederlagen zu analysieren, um sich selbst realistisch einschätzen zu können. Bevor man allerdings darauf los schreibt, sollte man stets im Auge behalten, was diese Essays vermitteln sollen. Wer wird das Essay lesen und was soll besondere Beachtung erhalten? Für viele ist dies wie ein Schnellkurs in Marketing, wobei man quasi selbst das zu vermarktende Produkt ist und die Business Schulen die Konsumenten, deren Bedürfnisse sich in Kleinigkeiten unterscheiden können. Es gibt also keine Standardessays, die garantiert Erfolg haben werden, sondern lediglich Richtlinien, die ein Essay erfolgreich machen können.
Die Essays sollen hauptsächlich dazu dienen, dem Zulassungskomitee einen Eindruck der individuellen Persönlichkeit des Bewerbers zu vermitteln. Dies ist also die perfekte Chance, seine Erfolge, Charakterstärken und persönliche Ambitionen zu vermitteln. Außerdem ist es wichtig, Ziele und Motivationen klar und eloquent zu kommunizieren. Konkrete Beispiele sind unersetzlich in einem erfolgreichen Essay. Wenn also nach Stärken oder Schwächen gefragt wird, sollte man seine Antwort möglichst mit eindeutigen Beispielen unterstreichen. Die Aussage: "Ich verfüge über ein großes Potenzial an Kreativität" ist nicht sehr hilfreich, wenn sie nicht durch konkrete Beispiele unterstützt wird und je beeindruckender das Beispiel desto besser.
Auf jeden Fall sollte man es vermeiden, Eigenschaften und Errungenschaften einfach nur aufzulisten. Dafür ist der Lebenslauf zuständig. Darüber hinaus kann sich bei durchschnittlich 7000 Bewebungen niemand an die aufgezählten Erfolge erinnern. Weniger ist also mehr, und es lohnt sich, zwei oder drei solide Stärken und Erfolge anhand interessanter Details zu erörtern. Dies dient auch als Untermalung für den Lebenslauf und sagt einfach mehr über den Charakter eines Bewerbers aus. Zum Beispiel ist es interessant zu lesen, aus welchen Gründen ein Bewerber den Komfort der Heimat verließ, um im Ausland zu arbeiten. Grund dafür könnte der Drang nach neuen Herausforderungen sein, oder das Verlangen nach einem besseren internationalen Geschäftsverständnis. Beispielgeschichten multikultureller Erfahrungen und Erlebnisse sind interessante Elemente für einen guten Essay und helfen dabei, sich weiterhin von der Masse abzuheben.
Neben dem Aufzeigen von persönlichen Stärken und Erfolgen ist es ebenso wichtig, dem Zulassungskomitee seine Karriereziele und beruflichen Pläne zu vermitteln. Wenngleich es natürlich nicht möglich ist, einen 10-Jahres-Plan komplett im Detail darzulegen, sollte man sich dennoch bemühen, den Eindruck zu vermitteln, dass man die Bewerbung zum MBA-Programm gut durchdacht hat und damit ein klares Ziel verfolgt. Ganz ähnlich wie bei einem Geschäftsplan hat ein gewissenhafter Bewerber sich konkrete Ziele gesetzt und kann diese kommunizieren.
Was würden solche Zielvorstellungen also beinhalten? Zunächst sollte in wenigen, aber aufschlussreichen Worten ein Karriereplan, sowohl für die Zeit nach Abschluss des MBA-Studiums, als auch für die Zeit fünf Jahre danach, dargelegt werden. Ein gutes Beispiel dafür wäre: "Ich strebe eine Karriere in einer der Top fünf-Unternehmensberatungsfirmen an und möchte meine bisherige Erfahrung in Human Resources, sowie meine Sprachkenntnisse nutzen, um mich langfristig als Experte im Bereich Internationale Personalarbeit zu etablieren. Innerhalb der anschließenden fünf Jahre möchte ich in den Vorstand aufsteigen oder HR Manager einer Fortune 500Firma werden."
Die konkrete Formulierung solcher Ziele zeigt den Komitees nicht nur, dass der Bewerber über Motivation und Zielstrebigkeit verfügt, sondern fördert auch das eigene Selbstbewusstsein. Außerdem hat man nun die perfekte Gelegenheit, eine solide logische Erklärung geben, weshalb ein MBA wichtig für den geplanten Karriereweg ist.
Es ist schwer genug, Essayfragen bezüglich Stärken und Erfolgen konstruktiv und effektiv zu beantworten, doch wie verwendet man Fragen nach Schwächen zu seinem Vorteil? Eine schmucklos ehrliche Antwort könnte oft negativ wirken, eine Lüge ("Ich habe keine Schwächen") führt selten zu einem guten Ziel. Eine einstudierte Antwort ("Meine größte Schwäche ist, dass ich oft zur Perfektion neige") kann oft arrogant wirken. Und am wenigsten hilfreich ist es die Frage einfach zu ignorieren.
Was also tun? Natürlich sollte man bei der Beantwortung solcher Fragen nicht in die dunklen Tiefen seiner persönlichen Schwachpunkte greifen, doch ist es nicht von Nachteil, eben jene Schwächen zu erwähnen, die weniger wichtig für das jeweilige MBA-Programm sind. Es ist also nicht ratsam, eine Schwäche in Mathematik einzugestehen, wenn man sich für ein Programm interessiert, das einen Schwerpunkt auf quantitativ-analytische Elemente legt. Am besten ist es, einen nicht all zu schlimmen Makel darzulegen, und dann zu erwähnen, welche Schritte man unternimmt, um die Situation zu ändern. Eine solche Methode zeigt dem Zulassungskomitee, dass man sich der Situation bewusst ist und um Verbesserung bemüht ist.
Wie in jedem guten Aufsatz ist es ratsam auf den Stil zu achten und den Essay für den Leser leserlich und interessant zu gestalten. Einmal mehr sind sich die besten der Business Schulen darüber einig, dass es weder richtige oder falsche Antworten gibt, noch eine magische Formel. Doch kann man nicht genug betonen, dass die Essays eine wichtige Gelegenheit bieten, das zum Ausdruck zu bringen, was für den Kandidaten persönlich wichtig ist.SCHRITT 6: Empfehlungsschreiben
Bei diesem Schritt ist es ausgesprochen wichtig, die richtigen Personen nach einer Referenz zu fragen. Die Schulen bevorzugen Empfehlungen von jemandem, mit dem man täglich zusammenarbeitet, am besten ein direkter Vorgesetzter. Wenn man seinen Chef allerdings in dieser Phase nicht mit den Plänen für einen MBA behelligen möchte, akzeptieren die meisten Business Schulen auch Briefe von anderen qualifizierten Referenten. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass durch ein Empfehlungsschreiben eines Vorgesetzten ganz klare positive Zeichen bezüglich Motivation und Entschlossenheit zum MBA-Programm gesetzt werden.
Nach Aussagen vieler Schulen sind Referenzen von ehemaligen Professoren generell nicht sehr hilfreich, da diese zwar die akademische Fähigkeit bezeugen können, jedoch keine gute und glaubhafte Einsicht liefern können, ob der jeweilige Bewerber das Zeug zum Senior Management hat. Wenn man allerdings eben erst ein Promotion abgeschlossen hat, ist der begleitende Professor natürlich eine gute Wahl, um Zeugnis abzugeben.
Empfehlungsschreiben können ebenso von Kunden und Geschäftspartnern kommen. Diese können am besten einschätzen, wie sich ein Bewerber in geschäftlichen Umständen verhält, wie umgänglich er oder sie ist und wo seine oder ihre Stärken liegen. Man sollte diese Referenzen allerdings sorgfältig auswählen, um sicher zu gehen, dass es keine unangenehmen Überraschungen gibt. Um beste Ergebnisse zu erzielen, sollte man ein ausführliches Gespräch mit dem Verfasser des Schreibens führen und durchsprechen, was in einer solchen Referenz wichtig ist und was genau hervorgehoben werden soll. Ein Gespräch vorab ist besonders ratsam, wenn man einen Vorgesetzten oder Arbeitskollegen einer vorherigen Anstellung als Referenz wählt, speziell wenn die Zusammenarbeit schon einige Jahre zurück liegt. Hilfreich ist es oft auch, wenn die Verfasser des Empfehlungsschreibens eine Version eines persönlichen Essays (muss nicht ganz ausgefeilt sein) zur Hand haben, um widersprüchliche Aussagen zu vermeiden. Ganz ähnlich wie bei den Essays macht es einen wesentlich besseren Eindruck, wenn alle Aussagen mit Beispielen unterstützt werden. Das dürfen auch relevante Anekdoten und spezielle Details aus der gemeinsamen Arbeitszeit sein. Je spezifischer das Beispiel, desto glaubwürdiger und beeindruckender das Empfehlungsschreiben.
Eine der größten Herausforderungen bei diesem Schritt ist es, alle Verfasser der Schreiben dazu zu bewegen, die Referenz innerhalb eines gewissen (oft knappen) Zeitrahmens zu verfassen. Deshalb ist es wichtig, dass man sich von Beginn an eine konkrete Frist setzt und diese auch an die jeweiligen Personen weitergibt, die eine Empfehlung schreiben. Eine freundliche Email oder ein kurzer Anruf in den darauf folgenden Tagen hilft dabei das Einhalten der gesetzten Frist im Auge zu behalten, und der Bewerber kann so sicher gehen, dass das Schreiben den gewünschten Adressaten rechtzeitig erreicht.SCHRITT 7: Einreichen der Bewerbung, online oder per Post
Die meisten Bewerbungen werden heutzutage online abgewickelt. Das hat den konkreten Vorteil, dass man den Status der Bewerbung oft direkt online verfolgen und sehen kann, welche Elemente des Bewerbungspakets möglicherweise noch fehlen, wie zum Beispiel Empfehlungsschreiben oder akademische Dokumente. Wird die Bewerbung per Post eingereicht, sollte man darauf achten, dass man genügend Zeit lässt, um den Anmeldeschluss nicht zu verpassen. Generell wird das Postdatum nicht als Beweis einer rechtzeitigen Abgabe akzeptiert. Zusätzlich sollte man stets eine Kopie der gesamten Anmeldung für sich selbst behalten und einen Rückmeldeschein von der Post verlangen.
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SCHRITT 8: Das Interview
Das so genannte Interview mit dem Zulassungskomitee der Business School bietet noch einmal die Gelegenheit, all das, was in der Bewerbung dargelegt wurde, persönlich zu unterstreichen. Eine gute Vorbereitung ist hier ebenso unumgänglich wie bei allen vorherigen Schritten der Bewerbung. Was generell für Vorstellungsgespräche gilt, trifft bei dieser Art Interview ebenso zu, doch ist es ganz wichtig, dass man sich wohl fühlt in seiner Haut und natürlich auch, dass man seinen Bewerbungsunterlagen nicht widerspricht. Bei einem Interview hat der Bewerber die einmalige Gelegenheit, sich als selbstsichere und eigenständige denkende Person zu beweisen und seine Stärken zu demonstrieren. Diese Chance sollte unter allen Umständen genutzt werden.
Die Business Schools wählen die Bewerber aus, die zum Interview eingeladen werden. Selten kann ein Bewerber die Möglichkeit zum Interview einfordern, da die Anzahl der Bewerber dafür zu hoch ist. Außerdem sind die Komitees darum bemüht, den Bewerbungsprozess so fair wie möglich zu gestalten. Das Zulassungskomitee bewertet alle Anmeldungsunterlagen, und qualifizierte Bewerber werden dann zum Interview geladen. Wenn man also eine Einladung zum Interview erhält, bedeutet das, dass die Bewerbung interessant genug war, um die Aufmerksamkeit des Zulassungskomitees zu erwerben. Gut! Doch damit ist es nicht getan. In einem Interview möchten das Komitee gerne mehr Details über den Bewerber erfahren. Wie schon erwähnt, eine gute Vorbereitung ist das A und O hier. Man sollte seine eigene Bewerbung in- und auswendig kennen, sollte sich in die Schuhe der Interviewer versetzten und auf jeden Fall auf alle angenehmen und unangenehmen Fragen vorbereitet sein.
Das Interview findet entweder mit einem Ehemaligen, einem MBA-Studenten oder mit einem Zulassungsdirektor statt.
Der Verlauf eines Interviews ist kontrollierbar. Starke Kandidaten nehmen den Ablauf eines Interviews selbst in die Hand, ohne es den Interviewer spüren zu lassen. Dazu gibt es eine spezielle Methode: die gestellte Frage wird beantwortet, indem ein weiteres Thema eingeflochten wird. Dies führt meist dazu, dass der Interviewer das Thema aufgreift und eine entsprechende Frage dazu stellt. Diese kann man dann nach dem selben Prinzip beantworten und dadurch den Verlauf des Interviews zu einem bestimmten Grad kontrollieren.
Meistens hat der Interviewer eine Anzahl Standardfragen parat (Warum ein MBA? Warum diese Schule? Was sind Ihre Pläne nach Abschluss?) doch ebenso werden spezifische Fragen gestellt, welche das Leadership-Potenzial zur abzuschätzen suchen (z.B. Beschreiben Sie ein Projekt, das Sie innerhalb einer Gruppe geleitet haben). Ebenso wichtig ist für viele Schulen herauszufinden, wie sich der Bewerber im Team verhält und mit anderen Mitarbeitern auskommt. Eine typische Frage dazu ist: "Wie tragen Sie zu Diskussionen innerhalb des Unterrichts bei?" Wir raten daher eine Antwortliste zu ca. 30 Standardfragen zu erstellen, damit man für diese bestens vorbereitet ist.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt aber nicht allein darin, die Antworten gut zu durchdenken und vorzubereiten, sondern ebenso in der Fähigkeit, diese auch zu kommunizieren. Wer nicht von Natur aus auf der Bühne zuhause ist, sollte mit Freunden und Kollegen ein solches Interview so oft wie möglich üben. Freunde und Bekannte, die einen MBA absolviert haben und die die Prozedur kennen, sind dafür am besten geeignet. Diese Übungsinterviews sind die allerbeste Vorbereitung und helfen zusätzlich dabei, die Nerven ein wenig zu beruhigen.
Am Ende eines jeden Interviews kann man erwarten, dass man die Gelegenheit hat, ein oder zwei Fragen an den Interviewer zu stellen. Diese Fragen sollte man sorgfältig vorbereiten und nichts dem Zufall überlassen. Je intelligenter die Frage, desto besser der Eindruck, den man erweckt. Ebenso ist dies eine ausgezeichnete Möglichkeit, Fragen vorzubereiten, die für Karrierepläne und Ziele relevant sind.SCHRITT 9: Zulassung
Herzlichen Glückwunsch! Ziel erreicht! Jetzt fängt die Arbeit erst an. Im Frühjahr und Sommer vor Beginn des MBA-Programms ist der erfolgreiche Bewerber damit beschäftigt Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, dem Arbeitgeber die neuen Pläne zu unterbreiten, eine Wohnung zu suchen, Visumsangelegenheiten zu klären und weitere logistische Details in Ordnung zu bringen. Nichtsdestotrotz sollte man sich Zeit nehmen, den neuen und aufregenden Abschnitt im Leben willkommen zu heißen.
Daher unser letzter Tipp: Feiern Sie! Sie haben es verdient!
