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30.03.2007 
Executive MBA-Programme

Stress pur rund um die Uhr

von Christoph Mohr

Executive MBA-Programme locken zahlungskräftige Manager mit allerlei Gimmicks. Aber wer ins Top-Management will, muss vor allem viel arbeiten.

Florian Schwarthoff ist einer von ihnen. Der Zwei-Meter-Mann, vielen noch als einer der erfolgreichsten deutschen Leichtathleten der 90er-Jahre in Erinnerung, macht einen MBA. Einen berufsbegleitenden Executive MBA, um genau zu sein. Denn im Hauptberuf ist der Ex-Hürdenläufer Architekt beim weltweit renommierten Architekturbüro von Gerkan, Mark und Partner (GMP).

Die Herausforderungen, vor denen Business Schools weltweit heute stehen, sind Menschen wie Schwarthoff. Eigentlich wären sie ideale Kandidaten für ein (Vollzeit-)MBA-Programm. Jung, ambitioniert, hungrig auf Veränderung. Doch sie wollen einen MBA, ohne dafür ein oder gar zwei Jahre mit dem Beruf auszusetzen. Und sind bereit, dafür den Preis der Doppelbelastung Job und MBA zu bezahlen.

"Von meinem Sozialleben habe ich mich bis Ende 2008 abgemeldet", beschreibt Schwarthoff diese Lebenssituation. "Seit September letzten Jahres gibt es für mich nichts anderes als GMP und MBA." Die neue Existenz hat etwas Mönchhaftes: "Wenn ich am Donnerstag in den Flieger steige, dann gehe ich für drei Tage ins Kloster", sagt Schwarthoff, um dann noch einen Vergleich aus seinem Sportlerleben heranzuziehen. "Es ist wie ein Trainingslager, in dem sie alles andere ausblenden." Ein solches Leben über den Zeitraum von zwei Jahren durchzuziehen, geht nicht ohne Unterstützung des persönlichen Umfelds: "Wenn meine Lebensgefährtin nicht dahinter stehen würde, wäre mein MBA-Studium nicht möglich."

Menschen wie Schwarthoff sind für Business Schools ein Markt und ein Problem, galt es doch lange als unmöglich, ein (Vollzeit-)MBA-Programm in ein Teilzeit-Programm umzutopfen. Heute sind praktisch alle führenden Business Schools in Europa und den USA der Marktnachfrage gefolgt und bieten auch Part-time-Programme an. Nur die Harvard Business School, lange Jahre der Inbegriff der Business School schlechthin, weigert sich bis heute, ein Executive MBA-Programm auf den Markt zu bringen.

"Viele Professoren hier glaubten nicht, dass es möglich ist, die Erfahrungen eines (Vollzeit-)MBA in einem Executive-Programm zu machen, und wollten deshalb keinen Executive MBA. Aber auf diesem Markt kann man gutes Geld verdienen. Also haben wir es dann doch gemacht", sagt ein Vertreter einer der Top-Business Schools in Europa, der sich mit einer solchen Aussage dann doch lieber nicht namentlich zitiert sehen möchte.

Erfahrung ist das Stichwort, geht es bei einem MBA doch genauso um die Vermittlung von Managementwissen wie um einen persönlichen Transformationsprozess. Doch der braucht Zeit und Gelegenheit, von und mit anderen zu lernen. Fällt die weg, ist der MBA nur noch die Hälfte wert.

"Die Inhalte sind nicht das Problem", sagt der Business School-Vertreter. "Da gibt es praktisch keinen Unterschied zwischen Vollzeit- und Teilzeit-MBA. Finance, Marketing, Strategy - das ist überall ähnlich."

Auch Executive MBA-Programme bleiben MBA-Programme. Mit anderen Worten: Wer einen (E)MBA macht, soll für eine Geschäftsführungsposition (General Management) fit gemacht werden - nicht für eine Spezialistenfunktion. Executive MBA-Programme beispielsweise in Marketing oder Corporate Finance, in Health Care Management oder Immobilienwirtschaft sind da schlichtweg Etikettenschwindel.

Die Rettung kam für so manche Business School durch die technische Entwicklung. Heute gehören E-Learning, virtuelle Arbeitsgruppen und Coaching über das Internet zum Standard. Das führt allerdings dazu, dass aus einem Teilzeit-Studium eigentlich ein Rund-um-die-Uhr-Studium geworden ist: Neben den Präsenzblöcken müssen die Teilnehmer eines Executive MBA-Programms ein bis zwei Stunden täglicher (!) Arbeit einplanen.

Die Struktur eines berufsbegleitenden MBA-Programms - also die Zahl, Länge und Verteilung der Präsenzblöcke - folgt nur bedingt inhaltlichen Erwägungen. Genauso wichtig sind hier Marketinggesichtspunkte. Aus nahe liegenden Gründen kann eine Business School in London oder Frankfurt ein berufsbegleitendes Programm im Wochenendformat anbieten, weil im jeweiligen Einzugsbereich genügend potenzielle Teilnehmer leben. Das wäre etwa für Top-Schulen wie Insead (Fontainebleau) oder IMD (Lausanne) unmöglich.

Unterschiede gibt es aber nicht nur in der zeitlichen Struktur der Programme. Jede Business School versucht, ihrem Executive MBA einen besonderen Touch zu verleihen. Ob es sich dabei um echte Alleinstellungsmerkmale handelt, mag dahin gestellt bleiben. Jede Schule versucht ihre Stärken auszuspielen.

Beispiel Insead. Im Vollzeit-MBA-Bereich gehört Insead zu den drei Top-Anbietern in Europa. Was die Schule von ihren Wettbewerbern unterscheidet, sind ihre zwei Standbeine mit einem Campus im französischen Fontainebleau und einem eigenen Hochschulgebäude in Singapur. Diesen Vorteil versucht Insead auch beim Executive MBA-Programm auszuspielen, das auch Präsenzblöcke in Asien vorsieht. Das verspricht Einblicke in die asiatischen Märkte, die andere Programme vermeintlich so nicht gewährleisten können. Bei der Konkurrenz gibt es dann "field trips" nach Schanghai.

Beispiel London Business School. Fern von britischem Understatement bezeichnet sich die London Business School gerne als die "pre-eminent global business school". Entsprechend hat sie sich auch mit ihrem Executive MBA-Programm positioniert. Der EMBA Global wird von London Business School und Columbia Business School in New York gemeinsam angeboten, und die Teilnehmer absolvieren die Präsenzblöcke in beiden Metropolen. Ob das tatsächlich einen Qualitätsvorsprung des Programms darstellt, muss dahin gestellt bleiben. Die Teilnehmer jedenfalls können sich im Bewusstsein sonnen, einer "globalen Business-Elite" anzugehören, wofür sie dann auch 126 000 US-Dollar für das derzeit wohl weltweit teuerste Executive MBA-Programm bezahlen müssen.

Gleichwohl haben sich solche anfangs spöttisch als "Jet-Set"-Programme bezeichnete Angebote am Markt durchsetzen können. Und wenn die gängigen Rankings nicht täuschen, sind die Arbeitgeber auch tatsächlich bereit, für globale Studienerfahrungen Premiumgehälter zu zahlen.

"Unser Programm hat seinen Markt gefunden", freut sich denn auch Professor Bertrand Moingeon, der das Trium-MBA-Programm mit aufgebaut hat, das HEC Paris zusammen mit der Stern School of Business (New York) und der London School of Economics and Political Science (LSE) anbietet. Zusätzlich zu Paris, London und New York macht der Trium MBA auch noch für jeweils eine Woche in Asien und Lateinamerika Station. 117 000 US-Dollar sind für das sich über 16 Monate erstreckende Teilzeit-Programm zu bezahlen.

Ein weiterer Wettbewerber auf dem Jet set-MBA-Markt ist der One MBA. Das Prinzip ist identisch (Five schools, four continents), die Werbesprüche auch (One truly global MBA). Angeboten wird das mit 45 000 US-Dollar preisgünstige Programm von RSM Erasmus University (Niederlande), der University of North Carolina at Chapel Hill (UNC), der Chinese University of Hong Kong (CUHK), sowie Egade (Monterrey, Mexico) und der Fundacao Getulio Vargas (FGV-EAESP) in Sao Paulo (Brasilien).

Aber man muss sein MBA-Programm nicht in aller Welt stattfinden lassen, um eine internationale Perspektive zu bieten. Die drei großen spanischen Anbieter, Esade, IESE und Instituto de Empresa punkten damit, dass sie in Barcelona oder Madrid auch den Zugang zu der spanischsprachigen Welt Lateinamerikas ermöglichen.

Mitunter sind die Vorzüge eines Executive MBA-Programms auch nicht auf den ersten Blick erkenntlich. Relativ neu auf dem Markt ist das Executive MBA Programm der Said Business School der University of Oxford. Die Besonderheit liegt hier im College-System: Alle MBA und EMBA-Studenten werden automatisch (und auch lebenslang) Mitglied eines der berühmten Colleges von Oxford. Dort leben, essen und schlafen sie auch während der Oxford-Aufenthalte. Was andere Business Schools mühsam an Alumni- und sonstigen Netzwerken aufbauen müssen, bietet die Uni Oxford und damit auch ihre Business School gleichsam aus jahrhundertealter Tradition: Kontakte zu den Mächtigen und Einflussreichen von heute und morgen.

Eines der ungewöhnlichsten Executive MBA-Programme auf dem Markt bietet die Schweizer Top-Schule IMD in Lausanne. Alle Teilnehmer sind gestandene Manager mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren und einer Berufserfahrung von im Schnitt 15 Jahren, die von ihrem Unternehmen "gesponsort" werden müssen. Das schafft eine Vorselektion, die fast automatisch ein höheres Niveau der EMBA-Teilnehmer garantiert.

Eine weitere Besonderheit des IMD-Programms besteht darin, dass die ersten zwei Präsenzblöcke identisch sind mit den jeweils fünfwöchigen Blöcken des Program for Executive Development. Anders gesagt: Es ist am IMD möglich, erst einmal diese Programme zu belegen, und sie sich dann auf das EMBA-Programm "anrechnen" zu lassen. Als Schnupperkurse sozusagen. Im eigentlich EMBA-Programm geht es dann auch nach Schanghai und ins Silicon Valley. Auch in Lausanne denkt man global.

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