Auch Executive MBA-Programme bleiben MBA-Programme. Mit anderen Worten: Wer einen (E)MBA macht, soll für eine Geschäftsführungsposition (General Management) fit gemacht werden - nicht für eine Spezialistenfunktion. Executive MBA-Programme beispielsweise in Marketing oder Corporate Finance, in Health Care Management oder Immobilienwirtschaft sind da schlichtweg Etikettenschwindel.
Die Rettung kam für so manche Business School durch die technische Entwicklung. Heute gehören E-Learning, virtuelle Arbeitsgruppen und Coaching über das Internet zum Standard. Das führt allerdings dazu, dass aus einem Teilzeit-Studium eigentlich ein Rund-um-die-Uhr-Studium geworden ist: Neben den Präsenzblöcken müssen die Teilnehmer eines Executive MBA-Programms ein bis zwei Stunden täglicher (!) Arbeit einplanen.
Die Struktur eines berufsbegleitenden MBA-Programms - also die Zahl, Länge und Verteilung der Präsenzblöcke - folgt nur bedingt inhaltlichen Erwägungen. Genauso wichtig sind hier Marketinggesichtspunkte. Aus nahe liegenden Gründen kann eine Business School in London oder Frankfurt ein berufsbegleitendes Programm im Wochenendformat anbieten, weil im jeweiligen Einzugsbereich genügend potenzielle Teilnehmer leben. Das wäre etwa für Top-Schulen wie Insead (Fontainebleau) oder IMD (Lausanne) unmöglich.
Unterschiede gibt es aber nicht nur in der zeitlichen Struktur der Programme. Jede Business School versucht, ihrem Executive MBA einen besonderen Touch zu verleihen. Ob es sich dabei um echte Alleinstellungsmerkmale handelt, mag dahin gestellt bleiben. Jede Schule versucht ihre Stärken auszuspielen.
Beispiel Insead. Im Vollzeit-MBA-Bereich gehört Insead zu den drei Top-Anbietern in Europa. Was die Schule von ihren Wettbewerbern unterscheidet, sind ihre zwei Standbeine mit einem Campus im französischen Fontainebleau und einem eigenen Hochschulgebäude in Singapur. Diesen Vorteil versucht Insead auch beim Executive MBA-Programm auszuspielen, das auch Präsenzblöcke in Asien vorsieht. Das verspricht Einblicke in die asiatischen Märkte, die andere Programme vermeintlich so nicht gewährleisten können. Bei der Konkurrenz gibt es dann "field trips" nach Schanghai.
Beispiel London Business School. Fern von britischem Understatement bezeichnet sich die London Business School gerne als die "pre-eminent global business school". Entsprechend hat sie sich auch mit ihrem Executive MBA-Programm positioniert. Der EMBA Global wird von London Business School und Columbia Business School in New York gemeinsam angeboten, und die Teilnehmer absolvieren die Präsenzblöcke in beiden Metropolen. Ob das tatsächlich einen Qualitätsvorsprung des Programms darstellt, muss dahin gestellt bleiben. Die Teilnehmer jedenfalls können sich im Bewusstsein sonnen, einer "globalen Business-Elite" anzugehören, wofür sie dann auch 126 000 US-Dollar für das derzeit wohl weltweit teuerste Executive MBA-Programm bezahlen müssen.
