0 Bewertungen
30.03.2007 
Executive MBA

Vollzeit oder Teilzeit? Das ist hier die Frage

von Jürgen Weigand

Die Auswahl des geeigneten Programmtyps sollte verschiedenen Kriterien folgen. Hier einige Nachdenkhilfen und Tipps aus der Praxis.

Der MBA-Studiengang ist der Intention nach ein so genanntes Post-Experience-Programm, das heißt er richtet sich an Interessenten, die in der Regel schon ein grundständiges Studium absolviert haben und vor allem über ausreichend Berufserfahrung verfügen. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, aus welcher Disziplin oder Berufssparte ein Teilnehmer kommt. In der Mehrzahl sind die Teilnehmer an MBA-Programmen Nichtökonomen. Ein Hauptkontingent stellen üblicherweise Ingenieure und Naturwissenschaftler, aber auch Juristen, Mediziner oder Geistes- und Sozialwissenschaftler sind anzutreffen. Auch Ökonomen begeistern sich vermehrt für die Zusatzqualifikation, da sich Fokus und Methodik von MBA-Kursen bei renommierten Anbietern deutlich von grundständigen Studiengängen der Volks- und Betriebswirtschaftslehre unterscheiden.

Wer sich für ein klassisches MBA-Programm bewirbt, sollte wenigstens 24 Jahre alt sein und über zwei Jahre Berufserfahrung verfügen. Hierbei ist tatsächliche Berufserfahrung nach dem Erstabschluss gemeint, nicht etwa Praktika.

Im Durchschnitt ist der deutsche MBA-Bewerber 28 Jahre, hat einen Diplomstudiengang sowie den (Standardtest) GMAT mit mindestens guten Bewertungen absolviert und verfügt über zwei Jahre "post experience". Bewerber aus anderen Bildungssystemen, etwa dem angelsächsischen, sind im Schnitt zwei Jahre jünger, haben einen Bachelor-Abschluss und verfügen über drei Jahre Berufserfahrung.

Die Zielgruppe für den Executive MBA sind Führungskräfte (executives), also Bewerber der oberen Entscheidungsebenen in Unternehmen. Es werden üblicherweise mindestens fünf Jahre Erfahrung in managementnaher Tätigkeit vorausgesetzt. In manchen Executive-Programmen ist auch signifikante Führungserfahrung erforderlich. Nicht selten haben Teilnehmer von EMBA-Programmen zwischen acht und zwölf Jahren Berufserfahrung. Für den EMBA sollten Interessenten wenigstens 30 Jahre alt sein. Hier liegt der Durchschnitt der deutschen Bewerber bei 35 Jahren.

Es gibt auch MBA-Programme für Hochschulabsolventen ohne jegliche Berufserfahrung. Damit wird die ursprüngliche Intention des MBA ad-Studienganges absurdum geführt. Lehrinhalte und Methoden sind in MBA-Programmen fundamental auf den interaktiven Erfahrungsaustausch der Teilnehmer im Unterricht sowie in den Arbeitsgruppen ausgerichtet. Qualität und Lernerfolg stehen und fallen mit dem Mix von Teilnehmerprofilen (Alter, Länge und Art der Berufserfahrung, Fachrichtung der Erstausbildung, kulturübergreifende Erfahrungen etc.). Ein E/MBA-Programm ist daher kein Aufbaustudiengang für unerfahrene Hochschulabsolventen, sondern lebt von der Vielfalt an Persönlichkeiten, Ausbildungen und Erfahrungen. Hier sollte man sich sorgfältig informieren und die Programme vergleichen.

Der Unterschied im Teilnehmerprofil führt auch zu einer unterschiedlichen Schwerpunktsetzung bei den Kursen. In EMBA-Programmen sind Kursinhalte und Methoden stark auf die typischen Aufgaben- und Problemstellungen international agierender Führungskräfte zugeschnitten und stark lösungsorientiert, während bei Junior-Programmen wegen der weniger erfahrenen Teilnehmer zunächst die Aufgabenund Problemstellungen im Managementbereich herausgearbeitet und generische Lösungsansätze abgeleitet werden müssen.

Tipps:

1. Sie sollten sich nicht für ein MBA-Programm bewerben, wenn Ihre berufliche Erfahrung ausschließlich aus Praktika stammt, die Sie vor, während oder direkt nach dem universitären Erstabschluss absolviert haben. Auch ein Promotionsstudium mit der üblichen Lehrstuhltätigkeit eines Doktoranden stellt üblicherweise nicht die gewünschte Art von Berufserfahrung dar.

2. Sie sollten sich nicht für ein Executive MBA-Programm bewerben, wenn Sie unter 30 sind und keinen für Ihr Alter herausragenden beruflichen Werdegang haben.

3. Prüfen Sie, ob ein für Sie interessantes Programm tatsächlich berufserfahrene Teilnehmer aus unterschiedlichen Fachrichtungen sowie Branchen gewinnen kann. Fragen Sie aktuelle Teilnehmer und nehmen Sie als Gast am Unterricht teil.

In MBA-Programmen ist in der Regel ein anerkannter Abschluss in einem grundständigen Studiengang beliebiger Fachrichtung Voraussetzung (etwa Universitätsdiplom, Bachelor, Master). Zudem wird bei Junior-Programmen der GMAT (General Management Admission Test) mit einem akzeptablen Ergebnis (score) verlangt. Was akzeptabel ist, legen Business Schools allerdings sehr individuell aus, da die eigentliche Bewerberselektion in der Regel nicht am Kriterium GMAT allein festgemacht wird. Das trifft insbesondere auch auf EMBA-Programme zu. Viele Top-EMBA-Programme verzichten auf den GMAT. Berufsund Führungserfahrung sowie der Eindruck in den Auswahlgesprächen sind maßgeblich für die Zulassung.

Wenn der GMAT gefordert wird, sollte man ihn jedoch nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn zum einen kann er die Vorauswahl beeinflussen (wer wird zu Interviews eingeladen?), zum anderen bedarf es einer (zeit-) intensiven Vorbereitung, um den Test mit einem guten Ergebnis (wenigstens 600 Punkte) zu bestehen. Hervorragende Englisch-Kenntnisse in Wort und Schrift sind obligatorisch, da die Unterrichtssprache in MBA-Studiengängen guter und sehr guter Anbieter Englisch ist.

Tipps:

1. Prüfen Sie selbstkritisch, ob Ihr Persönlichkeits- und Leistungsprofil Sie zu einem Adressaten von MBA-Studiengängen macht.

2. Das grundständige Studium sollte wenigstens mit "gut" abgeschlossen worden sein.

3. Sie sollten über ein sehr gutes Englisch verfügen.

Ein MBA-Studiengang kann sowohl als (klassisches) Vollzeitstudium als auch berufsbegleitend (Teilzeit-, Modular- bzw. Fernstudium) organisiert sein. Von der Organisation und Zielrichtung eines Programms hängt wesentlich die Dauer ab. Sie liegt bei Vollzeit-Programmen zwischen neun und 24 Monaten. Bei Teilzeit-Programmen sind mindestens zwei Jahre anzusetzen.

Das Executive MBA-Programm ist in den meisten Fällen ein berufsbegleitendes Teilzeit- oder modulares Programm, das auch längere Präsenzperioden (residential periods wie etwa live-in weeks) an der Business School sowie Auslandsaufenthalte beinhalten kann. Die Teilnehmer an berufsbegleitenden Programmen müssen ihr Studium in der Regel in einer vorgegebenen Zeit beenden und gleichzeitig im vollen Anstellungsverhältnis in ihrem Unternehmen verbleiben.

Ein berufsbegleitendes Programm stellt deutlich höhere Anforderungen an Eigenmotivation, Belastbarkeit und Zeitmanagement. Der Student nimmt erhebliche Anstrengungen in Kauf, um Beruf, Studium und Familie in Einklang zu bringen. Die ohnehin schon beruflich intensiv reisenden Teilnehmer müssen dann die Präsenzwochen und Wochenendmodule entsprechend einplanen. Zusätzlich zu den Unterrichtsstunden fallen noch ein bis zwei Stunden täglich für das Selbststudium an, die eine hohe Eigenmotivation und Disziplin verlangen. Unsere EMBA-Studenten betonen immer wieder, dass die größte Herausforderung während des Studiums darin besteht, die Work-Life-Study-Balance zu finden.

Ein Vorteil der Teilzeitstruktur besteht darin, das über das Wochenende erlernte Wissen direkt im eigenen Arbeitsumfeld anzuwenden und umzusetzen. Ein Teil des hohen Nutzens der Investition in den MBA wird somit unmittelbar für den Teilnehmer und das fördernde Unternehmen spürbar. Das erklärt auch, warum in Europa 73 Prozent der EMBA-Studenten von den Unternehmen entweder teilweise oder ganz gefördert werden.

Bei Vollzeitprogrammen ist es wichtig, sich über den Einkommensverzicht während des Studiums im Klaren zu sein. Er ist neben den Studiengebühren ein Teil der Investition in die eigene Zukunft. Um die Finanzierungslast abzumildern, vergeben viele Anbieter Stipendien. Auch staatliche Zuschüsse (in Deutschland Bafög) sind mitunter möglich. Dass Unternehmen einen Mitarbeiter für ein Vollzeitprogramm freistellen und finanziell unterstützen, ist eher selten. Daher ziehen Vollzeit-Programme in erster Linie Jobwechsler oder Umsteiger an. Sie können in den führenden MBA-Programmen die Career oder Placement Services in Anspruch nehmen, um die Weichen für die berufliche Zukunft zu stellen. Ein solcher Service fehlt bei EMBA-Programmen aus einem wichtigen Grund: Ein hoher Anteil von Teilnehmern wird von ihren Unternehmen finanziell unterstützt. Die Unternehmen investieren intensiv in die Weiterbildung ihrer High Potentials, so dass sie zu einem Key Account für das EMBA-Programm werden. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, offeriert das EMBA-Programm daher keine Unterstützung für einen Jobwechsel.

Tipp:

Setzen Sie sich ein berufliches Ziel, das Sie nach dem MBA innerhalb von fünf Jahren erreichen möchten (etwa Bereichsleiter). Stellen Sie die Gesamtkosten des Programms - Ihre Investition - dem zukünftig erwarteten Einkommen gegenüber und fragen Sie sich, wie lange es dauert, um die Kosten des Studiengangs unter günstigen Umständen (Sie werden Bereichsleiter) und unter ungünstigen Bedingungen (Sie schaffen es nicht) zu amortisieren.

Professor Dr. Jürgen Weigand ist Akademischer Leiter MBA an der WHU Otto Beisheim.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Herkulesaufgabe für Schaeffler und die Banken  Artikel in Merkliste

14.10.2008 von Axel Höpner

Für vieles musste die Schaeffler-Gruppe in den vergangenen Monaten herhalten. Als leuchtendes Beispiel für den Erfolg deutscher Familienunternehmen gelten die Franken und als gewiefter Investor. Doch nun zeigt sich, was für einen Kraftakt sich die Schaeffler-Gruppe mit dem Einstieg beim börsennotierten Dax-Konzern Continental zumutet. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Verpasste Gelegenheiten  Artikel in Merkliste

14.10.2008 von Joachim Hofer

Qimonda steht vor dem Aus. Das Unternehmen büßt für Fehler der Vergangenheit. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Wissenstest: Wie gut ist Ihr Manager-Deutsch?

Los geht's!Sie sprechen Deutsch? Aber sprechen Sie auch Manager-Deutsch? In unserem Quiz erfahren Sie, ob Sie auf dem neuesten Stand sind.
Testen Sie Ihr Wissen!
Anzeige