Der Master of Business Administration ist kein BWL-Studium "light". Und bei der Ausbildung der Manager von morgen geht es ganz anders zu als an einer deutschen Uni.
Im Prinzip ist alles ganz einfach: Der Master of Business Administration, kurz: MBA, ist ein ein- bis zweijähriger Aufbaustudiengang, der Leute mit mehrjähriger Berufserfahrung für Führungsaufgaben in Unternehmen fit machen soll.
Postgradual - also für Menschen mit einem abgeschlossenen Erststudium und praxisnah - also kein theorielastiges, wissenschaftliches Studium. International und intensiv. Der MBA ist damit gerade kein Spezialisierungsstudiengang, sei es in Marketing oder Medienmanagement, sei es in Finanzen oder Führung. So weit, so gut.
Die Realität ist natürlich vielfältiger. MBA ist nicht gleich MBA, und selbst in der US-amerikanischen Top-Liga gibt es zwischen einzelnen Business Schools - sagen wir: Harvard und Kellogg - erstaunliche Unterschiede. Ganz zu schweigen von den vielen MBA-Programmen auch und gerade in Deutschland, die sich MBA nennen, aber keine "richtigen" MBA-Programme sind.
Diese Handelsblatt-Beilage versucht darzustellen, was von einem "richtigen" MBA zu erwarten ist. Oder anders gesagt: Was sollte drin sein, wenn MBA drauf steht.
Für wen?Der MBA ist etwas für Leute, die nach einem abgeschlossenen Erststudium bereits über mehrere Jahre Berufserfahrung verfügen. Damit sind sie typischerweise Ende 20 bis Ende 30.
Karrieretechnisch gibt es zwei "Sorten" von MBA-Interessenten: die, die den MBA nutzen wollen, um sich für höhere Aufgaben im eigenen Unternehmen zu empfehlen, und die, die den Job wechseln wollen. In beiden Fällen ist er so etwas wie der Ausweg aus einer beruflichen Sackgasse: Er hilft Spezialisten, z.B. Ingenieuren, in eine Führungsposition, in der sie mit Entscheidungen betraut sind, für die sie ihr Studium nicht vorbereitet hat. Und er eröffnet allen anderen den Sprung in Industrien, für die sie von ihrer Ausbildung nicht qualifiziert waren und oft nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Die Germanistin, die Pharma-Managerin wird, der Forstwirt, der zu Siemens geht...
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aus den wichtigsten Business Schools
Was vermittelt wird, ist das Rüstzeug für Manager. Damit dürfte der MBA eigentlich für niemanden in Frage kommen, der in Deutschland acht oder mehr Semester BWL studiert hat. Doch viele Beispiele zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist. Dass das so ist, spiegelt vor allem die großen Schwächen der betriebswirtschaftlichen Ausbildung in Deutschland wider. Sie ist eben nicht praxisnah und international genug, nicht ganzheitlich und teamorientiert. Und vor allem interessiert sie sich nicht für die Menschen, die sie ausbildet.
Die Inhalte
Der MBA ist ein General Management-Studium, das heißt er umfasst alle für die Unternehmensführung relevanten Bereiche.
Nicht, dass der MBA-Absolvent am Ende in allen diesen Bereichen zum Experten würde - wenngleich sich wohl mancher nach seinem MBA-Studium tatsächlich für einen "Super-Experten" hält. Entscheidend ist, dass er begreift, wie diese Aufgaben ineinander greifen, und dass er in der Lage ist, Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen zu führen und zu kontrollieren.
Zu den Kernbereichen eines MBA-Studiums gehören Finance & Accounting, Marketing, Operations Management, Human Ressources Management und natürlich die "Königsdisziplin" Strategy. Dazu Economics, frei übersetzt mit Basiswissen Volkswissenschaft und Quantitative Analysis.
Organisiert ist das Ganze in das Kernstudium, so genannte "core courses" und Wahlpflichtfächer ("electives"). Bei einem zweijährigen MBA-Studium wie in den USA nehmen die "core courses" überlicherweise das gesamte erste Studienjahr in Anspruch, bei einem einjährigen wie in Europa das erste, manchmal auch noch das zwei Drittel ("term"). Manche Business Schools verlangen, dass man mehrere "electives" aus einem Themenfeld zu einem Schwerpunkt ("major" oder "specialisation") zusammenfügt.
Entrepreneurship
Als marktorientierte Unternehmen reagieren Business Schools schnell auf eine veränderte "Marktlage" und die Bedürfnisse von Unternehmen und "Kunden". Das hat während der 90er Jahre in der Hochphase des Internet-Booms dazu geführt, dass jede Business School, die auf sich hält, das "Fach" Entrepreneurship eingeführt hat. Mit einem Mal träumten die MBA-Studenten eben nicht mehr von einer Karriere in der Industrie oder im Investmentbanking, sondern von der Gründung der eigenen Internet-Firma. Die Zeiten haben sich bereits wieder geändert, aber das Thema Sich-Selbstständig-Machen ist geblieben, und eine unternehmerische Herangehensweise ist auch das, was heute in klassischen Großunternehmen gebraucht und gesucht wird. Das Schreiben von Business Plänen gehört heute zum Standardrepertoire von MBA-Studenten, und die Teilnahme an Business Plan-Competitions ist so etwas wie der Business School-Sport schlechthin geworden. Eine Reihe von Schulen sind noch einen Schritt weiter gegangen und bieten ihren MBA-Studenten die Möglichkeit, während des Studiums ihr eigenes Unternehmen aufzubauen.
Leadership
In jüngster Zeit entwickeln sich viele der MBA-Programme weg vom klassischen Modell hin zu dem, was man ein "Leadership-Programm" nennen könnte. Überhaupt gibt es keine Business School vor allem in den USA, die nicht von sich behauptete: "We educate leaders." Überspitzt formuliert: Statt die "harten Fächer" zu unterrichten, setzen diese Programme eher auf psychologische Trainingscamps. Ob dies eine Modeerscheinung ist oder genau das, was Unternehmen heute brauchen, wird die Zukunft zeigen.
Sprachen und Softskills
Ein oft übersehener Aspekt beim MBA-Studium ist auch die Möglichkeit, neben Englisch eine weitere Fremdsprache zu erlernen oder zu vertiefen. Das gilt insbesondere für Business Schools in Frankreich, Spanien und Italien, wo die Landessprache oft auch Unterrichtssprache in zweisprachigen Programmen ist. Interessant ist eine solche Option natürlich auch für China.
Daneben sind an einer Business Schools jede Menge soft skills zu erlernen. Wer während seines MBA-Studiums das Präsentieren nicht lernt, lernt es nimmermehr!
Persönlichkeitsentwicklung
Self Assessment-Elemente und andere Dinge, die in deutschen Ohren eher nach Psycho-Workshop klingen, gehören mittlerweile fast zum Standard eines MBA-Programms. Beliebt sind auch "Trainingseinheiten", die die MBA-Studenten bis an die emotionalen, mentalen oder physischen Grenzen belasten. Einige Schulen bieten auch individuelles Coaching an.
Die Pädagogik
Ein MBA ähnelt in nichts dem, was man aus dem Studium an einer deutschen Hochschule kennt. Wer zum ersten Mal im Hörsaal einer Business School sitzt, der fühlt sich eher in einer TV-Show als in einer akademischen Veranstaltung. Interaktion ist das Schlüsselwort, Diskussionen die Regel. Berüchtigt sind die "cold calls", die direkte Ansprache durch den Dozenten: "Und was ist Ihre Meinung dazu?"
Welche deutschen Unternehmen Interesse an MBA-Absolventen haben
Eine Business Schools ist nichts für Eigenbrötler. Gruppenarbeit ist angesagt. Die Arbeit - manchmal sogar in mutwillig schwierigen Gruppen - soll das trainieren, worauf es später einmal ankommt: Teamwork, soziale Kompetenz, auch Durchsetzungsfähigkeit.
An einer guten Business Schools ist "peer learning", also die Vorstellung, dass man von den Mitstudenten und deren beruflichen Erfahrungen genauso viel lernt wie von den Dozenten und Professoren, kein leeres Gerede. Denn es geht ja beim MBA-Studium immer darum, wie man bestimmt Managementprobleme löst, gelöst hat und lösen wird. Und gerade deshalb ist die Zusammensetzung der Studierenden so wichtig. Sind es mehrheitlich Deutsche, lernt man eben nicht den Umgang mit Anderen und die Arbeit in einem internationalen Team. Hat der Nachbar keine oder nur wenig Berufserfahrung, fällt er als Diskussionspartner und Informationsquelle aus. Es ist wie beim Tennisspielen: Wer nur mit Spielern trainiert, die schlechter sind als er selbst, kann zwar demonstrieren, wie toll er ist, verbessern wird er sich aber nicht.
Ungewohnt und gewöhnungsbedürftig ist für deutsche MBA-Studenten auch die weit verbreitete Fallstudien-Methodik. Die meisten Business Schools der Welt verwenden solche "case studies"; mancherorts besteht das gesamte MBA-Studium zu drei Vierteln aus dieser erstmals an der Harvard Business School entwickelten Methode. Die Arbeit mit solchen "Cases" simuliert die Entscheidungssituationen, vor denen Manager tagtäglich stehen.
Noch realitätsnäher ist die Projektarbeit. Einzeln oder in ganzen Teams wird hier an konkreten Unternehmensprojekten gearbeitet. Insbesondere bei berufsbegleitenden MBA-Programmen können damit die erworbenen Kenntnisse direkt in der Wirklichkeit umgesetzt werden, was für manche Unternehmen ein zusätzlicher Grund ist, ihren Mitarbeitern das MBA-Studium zu finanzieren. Eine Spielart sind beraterähnliche Projekte, bei denen MBA-Studenten wie Consultants, die sie oft selbst einmal werden wollen, für Unternehmen tätig werden.
Was bringt der MBA?Der MBA verspricht die große Karriere. Zweifellos ist richtig, dass es vor allem in den USA eine Vielzahl von Top-Managern einen MBA gemacht haben. Aber allein ein Blick auf die Zahlen dürfte deutlich machen, dass nicht jeder MBA-Absolvent die große Karriere machen wird; allein die Harvard Business School wirft jährlich 900 MBA-Absolventen auf den Markt!
Der MBA liefert das Rüstzeug für eine Karriere im Management, aber es gibt keinen Karriere-Automatismus, schon gar keine Garantie.
Zudem ist nicht der formale Abschluss entscheidend, sondern die Business School, an der man sein MBA-Studium absolviert. Wer glaubt, sich bei einem drittklassigen MBA-Anbieter den Titel billig kaufen zu können, der macht eine Milchmädchenrechnung. Sein "Diplom" ist auf dem Arbeitsmarkt nichts wert ist.
Es sollte auch nicht übersehen werden, dass der MBA in gewisser Weise quer zur Karrierelogik deutscher (Groß-)unternehmen liegt. Ein MBA "beißt sich" mit dem Karrierepfad Studium + (eventuell) Promotion + Traineeprogramm/Vorstandsassistenz. Das erklärt auch, warum eine Reihe von namhaften deutschen Industrieunternehmen bislang noch nichts mit MBA-Absolventen anzufangen weiß.
Hier sind wir zweifellos mitten in einer Umbruchsituation. Zum einen zwingt die Internationalisierung deutsche Unternehmen dazu, neu über den MBA als anglo-amerikanisches Standarddiplom nachzudenken. Wer international Mitarbeiter einstellt, muss auch die Manager-Karrieren in seinem Unternehmen den internationalen Gepflogenheiten anpassen. Deshalb gilt schon heute die Faustregel: Je internationaler orientiert und geprägt ein deutsches Unternehmen ist, je weniger "deutsch" sozusagen, desto größer scheinen die Job-Chancen für MBA-Absolventen.
Zum anderen wird das, was bildungspolitisch Bologna-Prozess genannt wird, auch in Deutschland zu einer ganz anderen Einstellungspraxis führen. In Zukunft werden ja auch hierzulande immer mehr Absolventen mit Bachelor-Abschluss auf den Markt drängen, für die der MBA nach einigen Jahren im Job eine interessante Option darstellen wird. Und die Unternehmen werden sich auch darauf einstellen, wollen sie gute Leute anwerben und halten.
Deshalb gilt: Je besser MBA-Absolventen heute in den Unternehmen "performen", desto größer die Chancen für zukünftige Jahrgänge.
