1 Bewertung *****
24.05.2007 
Managerfortbildungsprogramme

Was ist Exec ed?

von Christoph Mohr

Mit Managerfortbildungsprogrammen verdienen Business Schools weltweit viel Geld. Aber dafür leisten sie auch eine ganze Menge.

Es ist das kleine, schmutzige Geheimnis der internationalen Business School-Welt: Nicht mit ihren gleichwohl atemberaubend teueren MBA-Programmen verdienen die großen Business Schools in Europa und den USA ihr Geld, sondern mit der schnöden, wenig glamourösen Managerfortbildung. Exec ed heißt das im Business School-Slang, kurz für Executive Education.

Wohl wahr: Es gibt keine international führende Business School ohne gutes MBA-Programm. Der Master of Business Administration ist das Aushängezeichen einer Manager-Schmiede, manchmal sogar nur das güldene Feigenblatt.

Die Spielregeln sind einfach: Man stelle ein ordentliches Vollzeit-MBA-Programm auf die Beine, also ein postgraduales General Management-Programm, kein Spezialisierungsprogramm, lasse es von einer der beiden international maßgeblichen Akkreditierungsorganisationen, der US-amerikanischen AACSB oder der europäischen EFMD prüfen ("akkreditieren") und hoffe auf ein einigermaßen gutes Abschneiden auf einem der international einflussreichen Ranglisten ("Rankings") von Business Week, Economist, Financial Times oder Wall Street Journal.

Damit ist man im Spiel - oder wie praktisch alle deutschen Hochschulen, Business School und sonstigen Anbieter eben auch nicht. Mit der erworbenen Reputation kann man dann auch in die eigentlich lukrativen Märkte gehen - die Kurzzeitprogramme für zahlungskräftige Manager.

Wie lukrativ dieser Markt für die Business Schools ist, zeigt eine Handelsblatt-Recherche in den Bilanzen einiger Top-Schulen diesseits und jenseits des Atlantiks.

Beispiel Harvard Business School. Die US-amerikanische Top-Schule, lange Zeit weltweit der Inbegriff der Business School schlechthin, verzeichnete im letzten Bilanzjahr (2006) Einnahmen von gewaltigen 368 Millionen US-Dollar. Erlöse aus eigenen Aktivitäten wohlgemerkt, nicht Zinserlöse aus dem geradezu astronomischen Stiftungsvermögen von 2,34 Milliarden US-Dollar.

Aber der Großteil der Einnahmen stammt keineswegs von den 1 800 MBA-Studenten, die für ihr Managementstudium jährlich 37500 US-Dollar berappen müssen, aber nur 73 Millionen US-Dollar in die Harvard-Kassen spülten. 200 Millionen US-Dollar hingegen kamen aus Managerfortbildungskursen und den Verlagsaktivitäten der Schule!

Auch auf dieser Seite des Kontinents lässt sich mit Executive Education gutes Geld verdienen. Bei der London Business School schlagen solche Programme mit etwa 30 Millionen Pfund, also rund 44 Millionen Euro zu Buche.

Während sich der aktuelle Jahresbericht der französischen Top-Schule Insead (Fontainebleau) über solchen finanziellen Details ausschweigt, vermitteln die Vorjahresberichte noch eine Ahnung von den Dimensionen: So kamen im Bilanzjahr 2004/05 51 Prozent der Insead-Gesamterlöse von 131 Millionen Euro aus Executive Education-Programmen, während die klassischen MBA-Programme (Vollzeit und Teilzeit) nur für 32 Prozent der Einnahmen standen.

Es wäre jedoch völlig falsch, in solchen Zahlen ein Indiz dafür zu erblicken, dass die Business Schools mit ihren Manager-Programmen nur ihr MBA-Knowhow zweitvermarkten und zahlungskräftige Manager, bzw. die entsendenden Unternehmen "abzocken" wollen. Ein gutes Executive Education-Programm ist inhaltlich und pädagogisch so anspruchsvoll, dass die meisten deutschen Hochschulen dies nicht auf international gängigem Niveau leisten können.

Zum einen sollten dabei Programminhalte und Dozenten auf dem letzten Stand der Forschung sein. Zum anderen müssen diese Inhalte aber teilnehmergerecht vermittelt werden. Hier geht es nicht um Vorträge auf hohem wissenschaftlichen Niveau, sondern um interaktives Lernen, bei dem die Erfahrungen der Teilnehmer genauso wichtig sind wie der Input der Dozenten, was wiederum erklärt, warum der richtige Teilnehmer-Mix bei solchen Programmen "die halbe Miete" ist.

Noch höhere Anforderungen an das Leistungsvermögen einer Business School stellen so genannte custom/customized oder company specific programs. Hier entwickelt die Schule maßgeschneiderte Lösungen für einzelne Unternehmen. Weltweit sind wohl nur 20-25 Business Schools in der Lage, solche sehr komplexen Angebote zu entwickeln. Und international zu "liefern".



Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Zuletzt besucht / gesucht

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Credit Suisse: Gemeinsam abwärts  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 08:51 Uhr von Torsten Riecke

Lange Zeit konnte sich die Credit Suisse hinter den Problemen ihrer großen Rivalin UBS verstecken. Das ist jetzt vorbei. Nach einem erneuten Verlust von drei Milliarden Franken und dem massiven Abbau von 5 300 Arbeitsplätzen steht die Nummer zwei der Schweiz plötzlich im Zentrum der Finanz- und Wirtschaftskrise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Käufer suchen  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 05:21 Uhr von Joachim Hofer

Das ganze Debakel zeigt: Infineon ist auf eigenen Beinen nicht überlebensfähig. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Vorstandsbezüge: Quiz: Was Dax-Manager verdienen

Los geht's!Über Ihre Gehälter wird derzeit viel diskutiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet 2008 nun auf jegliche Boni. Aber was verdienen die Chefs der Dax-Unternehmen überhaupt?
Testen Sie Ihren Realitätssinn!
Anzeige