Küchenbauer Alno
Neustart für Weg aus den roten Zahlen

Eine interne Schlammschlacht hat der Traditions-Küchenbauer Alno hinter sich. Nach einem Wechsel an der Führungsspitze soll das Unternehmen nun die Krise überwinden.
  • 2

Pfullendorf Der oberschwäbische Küchenbauer Alno hat eine echte Schlammschlacht hinter sich: Bis hinauf zur Chefetage wurde geschimpft, geflucht und gebangt. Hunderte Beschäftigte wollte Ex-Chef Jörg Deisel rauswerfen, vom einstigen Stammwerk in Pfullendorf blieb kaum etwas übrig. Dann flog Deisel selbst raus. Sein Nachfolger ist nun damit beschäftigt, die Weichenstellungen der vergangenen Jahre rückgängig zu machen. Für Pfullendorf ist das eine gute Nachricht: An diesem Donnerstag wird die Alno-Hauptversammlung das Traditionswerk stärken und den Unternehmenssitz wohl zurück dorthin verlegen. 

„Die Stimmung in der Belegschaft ist wieder sehr positiv. Wir schauen optimistisch in die Zukunft“, sagt Betriebsratschef Hermann Zweifel. Dabei ist es gerade mal ein gutes Jahr her, da war die Stimmung in Pfullendorf noch eine ganz andere. Deisel konnte mit dem einstigen Stammwerk so recht nichts anfangen: Nicht modern genug, weit weg von den Autobahnen und den wichtigen Finanzzentren. Gerüchten, sein Büro in Pfullendorf sei ihm einfach zu weit weg von seiner Wohnung in Dortmund gewesen, hat Deisel immer widersprochen. 

Auf jeden Fall schloss der Manager die Verwaltung in Pfullendorf und mietete Büros am Düsseldorfer Flughafen an. Auch die komplette Serienproduktion in Pfullendorf sollte geschlossen und nach Nordrhein-Westfalen verlegt werden.

Pfullendorfs Bürgermeister von Sicherheitsdienst abgewiesen

Für das ohnehin eher strukturschwache Oberschwaben war diese Ankündigung ein harter Schlag. Von den früher einmal mehr als 2000 Alno-Beschäftigten in Pfullendorf wären höchstens noch 300 übrig geblieben. Die Kommunalpolitik machte Alno eine ganze Reihe von Angeboten, um den wichtigen Arbeitgeber doch noch am Ort zu halten. Doch als eine Delegation um Bürgermeister Thomas Kugler (CDU) extra nach Düsseldorf reiste, wurde sie vom Sicherheitsdienst abgefangen und unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt. Selbst der sonst sehr besonnene Rathauschef ließ sich danach zu einigen recht unfreundlichen Äußerungen hinreißen. 

Aber auch in der Alno-Chefetage brodelte es. „Die Führungsleute verbrachten monatlich vier bis sechs Tage nur auf der Autobahn, weil sie immer in Düsseldorf antanzen mussten. (...) Jörg Deisel ist ja nicht in die Werke gegangen“, erzählte der jetzige Vorstandschef Max Müller vor kurzem dem „Südkurier“. Schließlich reichten neun Topleute ihre Kündigung ein - es sei denn, Deisel würde gefeuert. In dieser Situation zog der Aufsichtsrat die Notbremse: Die Tinte unter Diesels neuem Fünf-Jahres-Vertrag war kaum getrocknet, da flog er raus.

Seite 1:

Neustart für Weg aus den roten Zahlen

Seite 2:

Der steinige Weg auf der Krise

Kommentare zu " Küchenbauer Alno : Neustart für Weg aus den roten Zahlen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wo ist Deisel Wandet wer hat ihn gesehen

  • tja, Deisel gehört wohl zur heute weit verbreiteten Sorte von Supermanagern, die im Telefonbuch unter A... eingetragen sind

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%