100 Mill. Bürger über 65 Jahre
China wird schneller alt als reich

Chinas Premier Wen Jiabao ist auf Deutschlandbesuch. Die Gastgeber wollen sich gut stellen mit den Mächtigen im Reich der Mitte, denn Chinas Einfluss wächst: Die Wirtschaft boomt, Waren überfluten die Märkte, Europas und Amerikas Unternehmen fürchten um ihre Stellung. Doch auch das Milliardenvolk hat neue Probleme. Eins davon klingt den Deutschen sehr vertraut.

bfai/HB SHANGHAI/BERLIN. China schließt rasant zu den größten Wirtschaftsnationen der Welt auf. Doch mit fast derselben Geschwindigkeit nähert sich die demografische Entwicklung des Landes zunehmend derjenigen in weiter entwickelten, "reicheren" Volkswirtschaften an. Ende August 2006 überschritt die Zahl der über 65-Jährigen in China erstmals offiziell die 100-Millionen-Marke. Immer dringender wird die Frage, wovon die Senioren angesichts der ungenügenden Sicherungssysteme überhaupt leben sollen.

Hauptgrund für die Entwicklung ist die 1979 eingeführte Ein-Kind-Politik. Landesweit konnte so die jährliche Geburtenrate pro 1000 Einwohner, welche 1970 mehr als 33 betragen hatte, auf 8 gesenkt werden. Bereits heute sieht sich die Gesellschaft in wachsendem Umfang mit Überalterungserscheinungen konfrontiert. So nimmt der Anteil der über 65-Jährigen in der Bevölkerung rasch zu. Ende 2005 betrug er rund 7,7%, bei einer Gesamtbevölkerung von 1,31 Mrd. Menschen. 2017 könnten es mindestens 10% sein, erklärte ein Vertreter der Chinese Academy of Social Sciences in der "China Daily".

Mittelfristig sei deshalb gar mit einer Verknappung der Arbeitskräfte zu rechnen, denn nach den demografischen Prognosen des Instituts wird der Anteil der Personen im arbeitsfähigen Alter (zwischen 15 und 64 Jahren) ab 2015 schrumpfen. Um diesem Problem zu begegnen, müsse sich das Land trotz bestehender Arbeitslosigkeits- und Unterbeschäftigungsprobleme allmählich von der arbeitsintensiven Produktionsweise verabschieden und kapitalintensiver fertigen. Ansonsten sei mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums zu rechnen.

Angst vor Altersarmut

Während die ersten Unternehmen mit altengerechten Produkten bis hin zu Alters- und Pflegeheimen auf die sich ändernde Nachfrage der alternden Bevölkerung reagieren, wächst die Sorge, wie die älteren Menschen in Zukunft versorgt werden. Solange sie nicht beantwortet ist, wächst die Angst, "schneller alt als reich" zu werden. Dies gilt im Einzelfall genauso wie für die gesamte Volkswirtschaft.

Tradition und auch die chinesische Verfassung verpflichten die Kinder, ihre Eltern im Alter zu versorgen. Aber in Folge der Ein-Kind-Politik und der gewachsenen Mobilität innerhalb des Landes wird dies viele Familien bald überfordern. Denn faktisch muss ein arbeitendes Kind für zwei Elternteile und vier Großeltern aufkommen (4-2-1-Problem) und soll dabei gleichzeitig für das eigene Alter vorsorgen. Eine außerfamiliäre Alterssicherung besteht bislang nur rudimentär. Von den Erwerbstätigen in den Städten sind nur etwa 45 bis maximal 50% rentenversichert. Auf dem Land liegt der Anteil bei nur 11%.

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