2011
Creditreform befürchtet neuen Rekord bei Privatinsolvenzen

Wirtschaftsboom hin oder her: Im kommenden Jahr werden so viele Verbraucher Privatinsolvenz anmelden wie nie zuvor. Das klingt negativ, ist aber eigentlich gar nicht.
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HB NEUSS. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform prognostiziert, dass die Zahl der Privatpleiten um bis zu sechs Prozent auf 120 000 steigen wird - auch ein Ergebnis der wachsenden Beliebtheit des Entschuldungsverfahrens. Gleichzeitig rechnet Creditreform mit einem leichten Anstieg der Zahl überschuldeter Privatleute, die derzeit bei rund 6,5 Millionen liegt. Rund jeder zehnte Erwachsene in Deutschland ist von Überschuldung betroffen.

Im Vergleich zum Vorjahr sind laut Creditreform aktuell zusätzliche 290 000 Menschen dauerhaft nicht in der Lage, ihre Rechnungen zu zahlen oder Kredite zu bedienen - dies ist ein Plus von 4,7 Prozent. Ein Grund für die steigende Überschuldung: "Im Zeichen der wirtschaftlichen Erholung kommt es bei manchen Verbrauchern zu überschäumendem Konsum, der zum großen Teil mit Konsumentenkrediten finanziert wird", sagt Michael Bretz, Leiter der Creditreform - Wirtschaftsforschung. "Auch der Konsum der Vorweihnachtszeit ist da ein Treiber."

Einen weiteren Grund sieht Bretz in der starken Ausweitung der Kurzarbeit während der vergangenen Krise: "Diese hat zwar Jobverluste verhindert, aber auch markante Einkommenseinbußen gebracht. Viele Verbraucher haben am Limit gewirtschaftet, und das schlägt sich nieder. In manchen Fällen mit ein oder zwei Jahren Verspätung."

Für 2010 bleibt Creditreform bei seiner Prognose von rund 112 000 Verbraucherinsolvenzen - elf Prozent mehr als im Krisenjahr 2009. "Das hat auch damit zu tun, dass das Instrument Verbraucherinsolvenz immer mehr Anklang findet", sagt Bretz. "Privatinsolvenzen werden bei Überschuldeten immer bekannter und populärer." Dieses Verfahren gibt Privatleuten die Chance, sich während einer sogenannten Wohlverhaltensperiode von sechs Jahren zu entschulden.

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