„4711“-Hersteller: Mäurer & Wirtz will neue Duftmarken setzen

„4711“-Hersteller
Mäurer & Wirtz will neue Duftmarken setzen

Mäurer & Wirtz hat sie: Die Lizenz zum Duften. Erst vor kurzem erwarb die Dalli-Tochter, die auch die Kölnisch-Wasser-Marke 4711 wiederbelebte, die Luxusmarke Baldessarini. Nun sollen neue Märkte erobert werden.
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StolbergIn Hamburg und Berlin beherbergen die meisten Industriebauten mittlerweile Künstlerateliers und Start-up-Büros. In der kleinen Stadt Stolberg bei Aachen hingegen ist Industrie drin, wo es nach Industrie aussieht. Die Kessel dampfen, die Maschinen rotieren. Trotzdem entsteht am Rande des Geländes des Waschmittelproduzenten Dalli, inmitten der Industrieästhetik, etwas, das weltweit Glamour verspricht: Parfüm.

Nachdem sich die Dalli-Tochter Mäurer & Wirtz (M&W) mit einigem Erfolg an der Wiederbelebung der Kölnisch-Wasser-Marke 4711 versucht hat, soll jetzt mit der neu dazugekommenen Marke Baldessarini die internationale Expansion in Schwung kommen. Bislang kommt nur ein Zehntel des Umsatzes aus dem Ausland, obwohl M&W in 62 Ländern am Markt ist. „Das ist für ein Unternehmen, das global anbieten will, nicht genug“, sagt Firmenchef Fabian Krone. Deshalb will er den Auslandsanteil auf ein Drittel steigern. Dabei soll Baldessarini helfen. Anfang Januar 2012 hat M&W die Markenlizenz von Procter & Gamble übernommen. Den Amerikanern war die Marke des Ex-Boss-Designers Werner Baldessarini zu klein geworden, sagen sie.

Firmenchef Krone will das kleine, aber feine Label groß machen. Und das weltweit. 2012 will Krone eine Vertriebsorganisation für den russischen Markt finden. Zudem sollen die Verträge mit einigen europäischen Vertriebspartnern so neu verhandelt werden, dass M&W künftig Marketing und Werbung selbst übernimmt. So können die Luxusmarken Michalsky, Strellson und Baldessarini besser gesteuert werden – in enger Abstimmung mit den Lizenzgebern. „Es muss auch menschlich zwischen den beiden Parteien stimmen“, sagt Krone.

Duftlizenzen sind bei Modefirmen beliebte Mittel, um relativ risikolos dazuzuverdienen: Sie geben Firmen wie M&W, Procter & Gamble und Coty die Markenrechte für Düfte und erhalten dafür eine Beteiligung am Umsatz, die Lizenzgebühr. Die Dufthersteller können hingegen auf der vorhandenen Markenpositionierung aufbauen. So entwickelte M&W etwa seit 2010 zwei Düfte für die Marke Strellson der schweizerischen Holy-Fashion-Group. Die Gruppe baut die Marke derzeit ebenfalls aus, bereitet die Expansion nach China vor. Dorthin könnte M&W demnächst folgen.

Insgesamt stagniert laut Zahlen des Branchenverbands IKW der Kosmetikmarkt. Auch der langjährige Hoffnungsträger Herrenkosmetik schwächelt. 2011 wuchs jedoch der deutsche Duftmarkt um gut zwei Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Mit 160 Millionen Euro Jahresumsatz liegen die Stolberger deutlich hinter den großen Konkurrenten. Aber Umsatz ist hier nicht die relevante Größe. Die Firma will Gewinne schreiben. Krone: „Es ist bei uns seit Jahren Usus, dass die Inhaberfamilie Verluste nicht akzeptiert.“

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