ABCP-Programm
Verbriefte Programme für den Forderungskauf leiden

Mit der wachsenden Bedeutung der Verbriefungsmärkte sind in den vergangenen Jahren auch komplexe Produkte bei größeren mittelständischen Unternehmen angekommen. Ein Paradebeispiel sind so genannte ABCP-Programme.

FRANKFURT. Das sperrige Kürzel steht für Zweckgesellschaften, an die Unternehmen ihre Forderungen gegenüber Kunden abtreten. Die Zweckgesellschaft gibt zur Refinanzierung kurzlaufende, forderungsbesicherte Schuldverschreibungen aus. Auf Englisch heißen diese Asset Backed Commercial Papers, ABCP.

Ihre Strukturen sind somit den Zweckgesellschaften, über die Banken wie IKB und SachsenLB stolperten, recht ähnlich. Andererseits waren diese Zweckgesellschaften jedoch in eine Vielzahl von Wertpapieren investiert - vom Autokredit bis zum Subprime-Hauskredit - und sind deshalb in ihrem Portfolio sehr unterschiedlich.

Das Unternehmen beschafft sich mit einem ABCP-Programm gegen einen Abschlag schnell Zahlungssicherheit und ist gegen das Ausfallrisiko gesichert. Wie beim direkten Forderungsverkauf, dem Factoring, führt dies zu einer Verbesserung der Bilanzstruktur. Zudem können über die kurzfristigen Schuldscheine auch regionale Schwankungen im Liefervolumen ausgeglichen werden. Ein Argument, das etwa den Hersteller von Landwirtschaftsmaschinen Class dazu brachte, seine Forderungen in ein ABCP-Programm zu werfen. Da der Aufwand einer solchen Struktur für ein Unternehmen hoch ist, bieten Banken Unternehmen an, ihre Forderungen in eine Zweckgesellschaft zusammenzuwerfen.

Doch mit der Verbriefungskrise steigen auch die Risikoaufschläge, die die Investoren fordern. So werden ABCP-Programme teurer. Factoring-Unternehmen berichten von ersten Unternehmen, die ihr ABCP-Programm gekündigt haben. Die Factoringbranche hofft, dass mehr Unternehmen diesem Trend folgen.

Aber nicht alle Unternehmen kehren dem komplexen Produkt den Rücken. Die ehemals insolvente Garant Schuh + Mode AG etwa verlängerte jüngst zum Abschluss ihrer Sanierung ihr ABCP-Programm, dass sie 2002 mit der Dresdner Kleinwort geschlossen hatte, um weitere fünf Jahre. Dabei verbrieft die Verbundgruppe die Forderungen gegen über ihren Fachhändlern, damit sie nicht lange auf ihr Geld warten muss.

Die Ratingagentur Fitch sieht für dieses Jahr eine Erholung für ABCP-Programme in Europa. Doch bis das Volumen wieder auf den Stand von Sommer 2007 komme, könne es eine Weile dauern. Der Trend geht zu weniger komplexen Strukturen. Inwieweit die ABCP-Programme zur Finanzierung mittelständischer Unternehmen ihre begonnene Expansion fortsetzen können, bleibt abzuwarten.

Ohnehin sind sie nur etwas für größere Mittelständler, denn die Strukturen sind nicht ganz einfach, sodass es sich erst lohnt, wenn das Unternehmen entsprechend viele Forderungen später einbringen kann. Unternehmen sollten ein Forderungsvolumen von 50 bis 60 Mill. Euro generieren, ansonsten haben die Banken nur wenig Interesse.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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