Abfallrecycling
Griechenland braucht Hilfe aus dem Ausland

Abfallrecycling steckt in Griechenland noch in den Kinderschuhen. Das muss sich ändern, sonst drohen Athen hohe Geldstrafen der EU. Know-how und Technologie aus dem Ausland sind daher gefragt.

ATHEN. Unmodern, ineffizient, teuer und umweltschädlich – so lautet die Kritik, die seit Jahren national und international am griechischen Müllsektor geübt wird. Tatsächlich liegt vieles im Argen. Vor allem mangelt es an einheitlichen Sammel- und Verwertungslösungen.

Jährlich fallen in Griechenland rund drei Millionen Tonnen Haushaltsmüll an. Etwa 50 Prozent davon sind organisch und könnten zum Teil zu Düngemitteln umgewandelt werden. Weitere 40 Prozent bestehen aus Verpackungen, etwa zehn Prozent aus Holz, Textilien und ähnlichen Stoffen, die sich ganz oder teilweise wiederverwerten ließen. Der Anteil, der tatsächlich recycelt wird, ist aber sehr gering.

Gut organisierte, landesweite Sammel- und Verwertungssysteme gibt es nur in einigen Teilbereichen. Abfälle aus Kunststoffen werden beispielsweise über die Firma Eco-elastika gesammelt und entsorgt. Für Kraftfahrzeuge ist das flächendeckend organisierte System Edoe zuständig. Für alte Elektrogeräte, Industrie- und Autobatterien stehen vereinzelt Sammelpunkte zur Verfügung. Verwertungslösungen für Papier-, Papp- und Aluminiummüll gibt es zum Teil auf kommunaler Ebene. Meist beauftragen Gemeinden und Präfekturen private Unternehmen mit der Behandlung dieser Abfälle. In vielen Gegenden wandern die Wertstoffe aber einfach in den Hausmüll.

Die Lagerung der diversen Abfälle weist ebenfalls massive Mängel auf. In Griechenland gibt es heute 1.700 stillgelegte und 1400 aktive Deponien, die in vielen Fällen nicht den nationalen und europäischen Vorschriften entsprechen. Die Sanierung der bestehenden Lagerstätten würde nach Schätzung von Experten rund 400 Millionen Euro kosten. Schon ohne diese Kosten kommt das Müllsystem den griechischen Steuerzahler teuer zu stehen: Jedes Jahr werden rund 240 Millionen Euro für Lagerung und Verwaltung ausgegeben, hinzu kommen 320 Millionen Euro für die Verarbeitung medizinischer Abfälle sowie 400 Millionen Euro zur finanziellen Sicherung von Anlagen. Nun drohen Athen auch noch hohe Geldstrafen der EU, wenn die Regierung nicht bis Ende 2006 konkrete Fortschritte beim Recycling nachweisen kann.

Das Ultimatum aus Brüssel ist nur mit technischer Hilfe aus dem Ausland zu erfüllen. Besonders gefragt ist Know-how in den Bereichen Mülltrennung, Abfallvermeidung sowie Abfallnutzung zur Gewinnung von Bioenergie. Auf diesem Feld, aber auch bei der technischen Ausrüstung neuer Deponien, ergeben sich für deutsche Firmen Einstiegschancen. „Allerdings ist der griechische Recyclingmarkt bislang noch sehr geschlossen“, sagt Panagiotis Ioakimidis, Sprecher der Athener Tochter des deutschen Entsorgungsunternehmens Lobbe.

Bis Ende 2006 sollen drei neue Anlagen im Großraum Athen entstehen, die insgesamt rund 82 Millionen Euro kosten werden. Außerdem werden zurzeit neue Mülltrennungsanlagen gebaut. „Allein für 2006 sind Projekte für 9,3 Millionen Euro geplant“, betont Adamantios Skordilis, Leiter des Büros für alternative Müllverwertung von Verpackungen und ähnlichen Produkten (Dedsap) im Athener Ministerium für Umwelt und Raumplanung. Die Umsetzung zieht sich noch in die Länge. Die Mülltrennungsanlagen sollen in den Städten Korfu, Heraklion auf Kreta sowie in kleineren Siedlungen in Ost-Thessaloniki und Attika entstehen.

Bislang haben nur wenige deutsche Firmen den Schritt nach Griechenland gewagt: Neben Lobbe sind das Arvis Hellas und Kamex, die beide Recyclingmaschinen liefern. „Das Marktvolumen ist wohl auf den ersten Blick nicht verlockend genug“, meint Constantin Aravosis, Vorsitzender des Verbandes der Umwelt schützenden Unternehmen Paseppe.

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