Abgeltungssteuer
Steuern sparen in letzter Minute

Der Stichtag rückt immer näher: Am 1. Januar 2009 tritt die Abgeltungssteuer in Kraft. Unternehmer, die jetzt noch Vorteile der bisherigen Steuerregeln nutzen wollen, müssen sich beeilen. Für Mittelständler kann es sich aber lohnen, per Last-Minute-Aktion noch im laufenden Jahr Gewinne an Gesellschafter oder Anleger auszuschütten

KÖLN. Die Abgeltungsteuer ist das letzte Puzzlestück in Finanzminister Peer Steinbrücks Unternehmensteuerreform, die 2008 in Kraft getreten ist. Mit ihr besteuert der Bund fast alle Kapitalerträge, egal ob Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne, mit einem einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Die Steuer wird direkt an der Quelle, also meist bei der Bank, einbehalten - so ist die Steuerpflicht abgegolten, noch bevor die Einkünfte auf dem Konto gutgeschrieben sind.

Die Abgeltungsteuer betrifft Privatanleger ebenso wie Kapitalgesellschaften. Das bisher geltende so genannte Halbeinkünfteverfahren, bei dem ein Anteilseigner nur die Hälfte der Dividende zum individuellen Steuersatz versteuert, entfällt ab kommendem Jahr. Für die meisten Gesellschafter und Anleger bedeutet dies: Die Steuerlast bei Gewinnen aus Kapitalanlagen steigt. Wer dem Spitzensteuersatz von 45 Prozent unterliegt, musste bisher auf Dividenden 22,5 Prozent Steuern zahlen. Ab 2009 zahlt er stattdessen 25 Prozent Abgeltungsteuer, also rund zehn Prozent mehr.

Mittelständler, die Unternehmensgewinne thesaurieren, können die noch verbleibende Frist bis Silvester dazu nutzen, diese steuersparend an ihre Anteilseigner auszuschütten. Wichtig ist dabei, dass das Geld bis zum Stichtag auch tatsächlich den Weg auf die Konten der Anleger oder Gesellschafter findet. Für wen sich die Ausschüttung in letzter Minute richtig lohnt, hängt allerdings von individuellen Faktoren ab. "Es lohnt sich eigentlich für alle, nur nicht in gleichem Maße", sagt Steuerberater Klaus Hahne von Ernst & Young. Der Düsseldorfer Fachanwalt für Steuerrecht Krischan Treyde rät: "Am sichersten ist es, bei seinem Steuerberater nachzufragen."

Manch ein GmbH-Chef möchte möglicherweise gern noch in diesem Jahr thesaurierte Gewinne ausschütten, benötigt das Geld aber für Investitionen im Unternehmen. In diesem Fall kann er das so genannte "Schütt-aus-hol-zurück-Verfahren" nutzen. "Wenn man zu dem Ergebnis kommt, dass man noch in diesem Jahr Dividende ausschütten sollte, aber eigentlich nicht die Mittel dazu hat, kann man das Geld ausschütten und wieder zurückholen", sagt Treyde. Das Verfahren funktioniert so: Zunächst werden Gewinne als Dividende ausgeschüttet - in diesem Jahr noch nach alten Steuerregeln. Kurz darauf fließt das Geld in gleicher Höhe, abzüglich Steuern, wieder an das Unternehmen zurück. So kann das Unternehmen vermeiden, drastisch an Liquidität zu verlieren. Wenn die Anteilseigner das Geld zu einem späteren Zeitpunkt nach Januar 2009 erneut ausgezahlt bekommen, müssen sie darauf keine Abgeltungsteuer zahlen. "Eingezahltes Kapital, das ich zurückbekomme, wird anders behandelt als eine normale Dividende, die ein Unternehmen ausschüttet", erklärt Treyde.

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