Absatzmärkte
Frankreich steht auf deutsche Fahrräder

Während der Inlandsabsatz von Fahrrädern 2006 weiter stagniert, haben die deutschen Hersteller im Ausland wieder mehr Erfolg. Besonders in einem Nachbarland kommen die Fabrikate gut an.

bfai KÖLN. Im 1. Halbjahr 2006 stieg die Zweiradausfuhr insgesamt um 9,5% auf etwa 240.000 Stück. Das entspricht 14% der in Deutschland produzierten Menge. Mit 87% ging der Großteil in die EU-Länder. Frankreich löste mit 57.000 Rädern - fast ein Viertel der Auslandslieferungen - Österreich als wichtigster Absatzmarkt außerhalb Deutschlands ab.

Rolf Lemberg, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) prognostiziert eine Fortsetzung der guten Ausfuhrergebnisse in der zweiten Jahreshälfte 2006 und betont die Bedeutung der traditionellen Absatzmärkte in Westeuropa. Er rechnet damit, dass zahlreiche Unternehmen ihr erfolgreiches Engagement der ersten sechs Monate, speziell in Frankreich, noch ausweiten werden.

Der französische Fahrradmarkt hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt und ist seit 2002 mengenmäßig von Jahr zu Jahr deutlicher expandiert. Der Absatz stieg 2005 um rund 20% auf etwa 3,7 Mio. Stück im Gesamtwert von 867 Mio. Euro. Über die Hälfte der verkauften Räder waren Mountainbikes, die in Frankreich VTT (Vélo tout terrain) heißen. Besonders erwähnenswert ist die starke Zunahme der Lieferungen aus dem Ausland, die sich nach Angaben des französischen Fahrradportals Tous à Vélo ( http://www.tousavelo.com) 2005 um 43,9% auf etwa 2,5 Mio. Stück erhöhten. Damit stieg der Importanteil am gesamten Markt im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozentpunkte auf 67%.

Viele Unternehmen intensivieren daher ihre Aktivitäten im Nachbarland. Die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) aus Sangerhausen, die nach eigener Einschätzung 2005 mit 689.000 verkauften Fahrrädern die Marktführung in Deutschland weiter ausbauen konnten, wollen zukünftig ihren Vertrieb im wichtigen Absatzmarkt Frankreich "wesentlich verstärken". Zu diesem Zweck warb das Unternehmen vom schwedischen Konkurrenten Cycleurope im August 2006 einen französischen Key Account Manager ab, der über eine gutes Netzwerk in seinem Heimatland verfügt und der Mifa dort Türen öffnen soll. Bisher liegt der Exportanteil des Unternehmens noch bei nur 5,7% des Gesamtumsatzes.

Auch für den Kinderradhersteller Puky aus Wülfrath, der bisher hauptsächlich nach Belgien, in die Niederlande, in die Schweiz und nach Österreich liefert, könnte sich Frankreich nach Angaben von Vertriebsleiterin Monika Marx in den kommenden Jahren zum Zukunftsmarkt entwickeln. Ein überzeugendes Verkaufsargument von Puky sei die lange Nutzungsdauer, die es durchaus zulasse, dass ein Fahrrad von zwei, drei Kindern nacheinander gefahren werde und dann immer noch gut verkauft werden könne. Durch die hohen Einstellbereiche bei Sattel und Lenker könne das Fahrrad außerdem "mitwachsen".

Lutz Schneppendahl, Vertriebs- und Marketingleiter beim sächsischen Zweiradproduzenten Biria, einem der größten Hersteller Deutschlands, betont die Wichtigkeit der Auswahl der geeigneten Vertriebspartner. Das gelte besonders für Frankreich. In Europa hat Schneppendahl zudem ein Preisgefälle bei Fahrrädern erkannt. Während in Skandinavien und den Beneluxstaaten viel Wert auf Qualität gelegt werde, zähle in Frankreich und Südeuropa eher der Preis. Biria beabsichtige, neben Frankreich, auch eine stärkere Expansion nach Österreich und die Schweiz und glaubt weiterhin an den Wert von "Made in Germany".

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