Mittelstand
Abschied vom Substanzdenken

Nach dem Vorbild von Großkonzernen bündeln auch Mittelständler und Familienunternehmen die Nutzung ihrer Gebäude und Grundstücke in einem Profit-Center - bis hin zu Verkauf und Rückmieten eigener Immobilien. Damit peppen sie nicht nur die Gewinne auf, sondern punkten auch beim Banken-Rating.

DÜSSELDORF. Christian Wulff klopfte Familienunternehmer Ulrich Stiebel kräftig auf die Schulter: „Beton in der Erde ist immer noch die beste Investition und erst recht das deutlichste Zeichen eines Unternehmens für das Bekenntnis zu einem Standort“, frohlockte der Landesvater, als er im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Stiebel-Eltron-Inhaber die größte Wärmepumpenfabrik Mitteleuropas im niedersächsischen Holzminden eröffnete.

Mit dem Bekenntnis zum Standort hat Wulff recht: Mehr als zehn Millionen Euro hat der Spezialist für Wärme-, Lüftungs- und Solartechnik allein 2007 in die neue Fabrikhalle in seiner Heimatstadt investiert. Ob allerdings die Investition in Beton und Steine wirklich noch das Beste für Familienunternehmen ist, gilt zunehmend als umstritten.

„Familienunternehmer wie die Stiebels haben häufig zwar nach wie vor ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren Immobilien“, urteilt der Stuttgarter Rechtsanwalt Brun-Hagen Hennerkes: „Der Wunsch, Herr im eigenen Haus zu sein und sein Unternehmertum auch durch eigene Bauten auszudrücken, weicht jedoch selbst in familiengeführten Unternehmen zunehmend einer ertragsorientierten Sicht.“ Nach dem Vorbild von Großkonzernen wie der Deutschen Bank oder Daimler optimieren längst auch gut geführte Mittelständler die Nutzung der im Unternehmen vorhandenen Immobilien nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Galten die Familienvilla, die Backstein-Fabrik mit dem Namenszug des Firmengründers noch Ende des 20. Jahrhunderts als Insignien des Unternehmertums, wiegen heute bekannte Markennamen, ein ausgeklügeltes Vertriebs- und Lieferantennetz sowie die Fähigkeit, ein Unternehmen global zu managen, schwerer als Beton.

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