Abwarten und Häusle bauen: Handwerk fürchtet schon wieder den Abschwung

Abwarten und Häusle bauen
Handwerk fürchtet schon wieder den Abschwung

Jede Medaille hat zwei Seiten: Der Aufschwung des Baugewerbes sorgt beim Handwerk für volle Auftragsbücher. Gleichzeitig drückt der Konkurrenzkampf die Preise in den Keller. Zudem dämpft der Vorzieheffekt durch die Mehrwertsteuererhöhung die Erwartungen.

DÜSSELDORF. Die Hände fest um die Griffe des Schlagbohrers gepresst, stemmt der Handwerker den Bohrmeißel in den Betonboden. Das Hämmern dröhnt durch das ganze Haus. Kollegen füllen den Schutt in Eimer und schleppen sie weg. Im nächsten Raum drängen sich fünf Handwerker in weißer Arbeitsmontur. Einer lehnt sich gegen das Fenster, hebt die Arme über den Kopf und passt einen Tapetenstreifen in den Sturz ein. Die anderen vier streichen die Raufaserbahnen glatt.

Mitten in dem Treiben begutachtet Maler- und Lackiermeister Norbert Hüsson die Arbeit seiner Angestellten. Die Baukonjunktur boomt derzeit. Auch kleinere und mittlere Betriebe, wie der von Hüsson, können nicht über die Auftragslage klagen. „Im Dezember hatten wir gut zehn Prozent mehr Umsatz als gewöhnlich“, sagt Hüsson. Dies werde zum einen Teil durch die allgemein anziehende Baukonjunktur hervorgerufen. Zum anderen Teil sei aber auch der Vorzieheffekt durch die Mehrwertsteuer-Erhöhung ein Grund. „Dafür spricht, dass wir im Dezember überdurchschnittlich viele Aufträge von Privatkunden hatten.“

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) warnt aber vor zu viel Zuversicht für das laufende Jahr. Im Handwerk werde sich der Aufschwung verlangsamen, so ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer. Die Unternehmen würden derzeit noch Auftragsüberhänge abarbeiten. „Doch danach wird die Auftragsdecke dünner“, sagt Schleyer. Vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe werde der Konjunkturverlauf eine Delle bekommen.

Einen Auftragseinbruch verzeichnet der Malerbetrieb von Hüsson bislang nicht. Noch kompensiert die wachsende Baukonjunktur den schmälernden Effekt durch die vorgezogenen Anschaffungen. Das Jahr hat aber ruhiger angefangen. Entsprechend vorsichtig plant Hüsson. Neue Stellen will er nicht schaffen. „Bei Auftragsspitzen holen wir uns ohnehin zunächst Anstreicher von einer Zeitarbeitsfirma hinzu“, sagt der Malermeister.

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