Acht Fragen an: Mitko Vassilev
„Unternehmen vermissen Rechtssicherheit“

Seit dem 1. Januar ist Bulgarien Mitglied der Europäischen Union. Der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Bulgarischen Handelskammer Mitko Vassilev spricht im Handelsblatt-Interview über das Umfeld für ausländische Investoren, die Investitionsförderung und den Euro.

Wie bewerten Sie das Umfeld für ausländische Investoren?

Nach einer Umfrage der Deutsch-bulgarischen Industrie- und Handelskammer sind mehr als zwei Drittel der Unternehmen mit ihrer Geschäftssituation zufrieden. 66 Prozent erwarten für dieses Jahr höhere Umsätze.

Ist Bulgarien noch ein Billiglohnland?

Nicht mehr lange. Gegenwärtig liegt das Durchschnittseinkommen bei 180 Euro monatlich. Aber viele Bulgaren haben zwei oder gar drei Jobs. Bestimmte Arbeitgeber zahlen immer noch aus schwarzen Kassen.

Gibt es genug Facharbeiter?

Bulgarien verfügt zwar über qualifizierte Arbeitskräfte, doch auf die Dauer baut sich ein Defizit auf. Für Arbeitgeber besonders in Sofia wird es schwieriger, gut ausgebildete Mitarbeiter im kaufmännischen und technischen Bereich zu finden. Sinnvoll wäre die Einführung eines dualen Berufsbildungssystems nach deutschem Vorbild.

Was kritisieren Investoren?

Die deutschen Unternehmen bemängeln vor allem die fehlende Rechtssicherheit. Immerhin hat Bulgarien seine Rechtsstandards erfolgreich der EU-Gesetzgebung angepasst. Nun muss eine faire und effektive Umsetzung erfolgen. Das Justizsystem ist langsam, und es wird Zeit vergehen, bis die Reformen greifen.

Wie steht es um die Investitionsförderung?

In der bulgarischen Wirtschaft gilt der Grundsatz, dass ausländische und einheimische Investoren gleich behandelt werden. Durch die Senkung der Körperschaftsteuer auf zehn Prozent ab Januar 2007 wird Bulgarien als Investitionsstandort noch attraktiver. Das ist der niedrigste Satz in der EU. Allein den bulgarischen Firmen stehen so in diesem Jahr 150 Mill. Euro mehr zur Verfügung. Ich rate der bulgarischen Seite, nicht nur auf große Investoren, sondern auch auf kleine und mittelständische Firmen als Rückgrat der Wirtschaft zu setzen.

Wann könnte der Euro übernommen werden?

Dank der Einführung des Currency Board im Jahr 1997 wurde der bulgarische Lew an die D-Mark gekoppelt. So haben wir heute einen fixen Kurs zum Euro (1 Euro = 1,95583 BGN). Nur bei der Inflation erfüllen wir zurzeit nicht das Maastricht-Kriterium. Allerdings halte ich das für die Übernahme des Euro anvisierte Datum von 2009/10 eher für unrealistisch.

Stellt Sie der Fluss ausländischer Direktinvestitionen zufrieden?

Die Nationalbank beziffert den Zustrom 2006 mit überraschend hohen 4,2 Mrd. Euro. Das ist erheblich mehr als im bisherigen Rekordjahr 2004 mit 2,7 Mrd. Euro. Österreich ist mit rund drei Mrd. Gesamtinvestitionen die Nummer eins in Bulgarien. Deutschland steht hinter Österreich, den Niederlanden, Griechenland und Großbritannien an fünfter Stelle.

Und der Außenhandel?

2006 war ein Rekordjahr für die deutsch-bulgarischen Wirtschaftsbeziehungen. Das Handelsvolumen lag bei über 3,4 Mrd. Euro – ein Zuwachs von 18 Prozent gegenüber 2005. Deutschland ist damit der größte Handelspartner Bulgariens.

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